„Die wollten nur wissen, wie viel Bargeld da ist“

Am Telefon versuchten Unbekannte, eine Wuppertalerin auszuhorchen. Sie fiel nicht auf die Masche der Anrufer hinein. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Am Telefon versuchten Unbekannte, eine Wuppertalerin auszuhorchen. Sie fiel nicht auf die Masche der Anrufer hinein. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Betrüger gaben sich als Mitarbeiter der Sparkasse aus – Wuppertalerin wurde hellhörig und rief die Polizei

Von Hannah Florian

Wuppertal Vor rund drei Wochen klingelte bei Ingrid Frechenhäuser-Mainz das Telefon. Normalerweise nimmt sie gar nicht ab, wenn keine Nummer angezeigt wird. „Ich weiß nicht, was mich an dem Tag geritten hat. Ich war einfach neugierig“, erzählt die 90-jährige Wuppertalerin. Es meldete sich ein Mann und stellte sich als Mitarbeiter des Sparkassen-Sicherheitsdienstes vor.

Sparkasse? Da müsste Ingrid Frechenhäuser-Mainz die Telefonnummer sehen, die wird schließlich nicht unterdrückt, das weiß sie. Also fragte sie beim Anrufer nach. Sie erhielt eine ausweichende Antwort zu einer Extraschaltung. Im selben Atemzug erkundigte sich der Anrufer, ob er mit der Annahme richtigliege, dass sie ein Giro-Konto bei der Sparkasse besäße. Denn eine Praktikantin des Hauses habe unberechtigten Zugriff auf einige Konten gehabt und diese leergeräumt. „Und was wollen Sie jetzt von mir?“, entgegnete die 90-Jährige. „Wissen, wie viel Geld Sie auf ihrem Giro-Konto hatten“, erklärte der Anrufer.

Da wurde Ingrid Frechenhäuser-Mainz hellhörig. Die Sparkasse müsse ja wissen, wie viel Geld sie auf dem Konto habe und zudem ihre Kontonummer kennen, die der Anrufer ihr auf Anhieb nicht nennen konnte. Als der vermeintliche Sparkassenmitarbeiter dann noch fragte, ob sie denn Bargeld zu Hause habe und wie viel genau, legte Frechenhäuser-Mainz den Telefonhörer auf und rief stattdessen die Polizei an. „Ich hatte das Gefühl“, erzählt sie im Nachhinein, „dass die eigentlich nur wissen wollten, wie viel Bargeld ich im Haus habe. Dass mit der Sparkasse war nur ein Vorwand.“ Ihre Adresse stehe zusammen mit ihrer Telefonnummer im Telefonbuch.

Sparkasse fragt nie nach Kontonummer oder Kontostand

Auf Nachfrage bei der Wuppertaler Stadtsparkasse berichtet Sprecher Marc Baron, dass keine entsprechende Aktion bekannt sei und betont, dass Sparkassenmitarbeiter niemals nach Kontonummern, Kontoständen oder der PIN fragen würden. „Wir leisten das ganze Jahr über Aufklärung in Sachen Trickbetrug. Zuletzt mit der Aktion ‚Klüger gegen Betrüger‘ in Kooperation mit der Wuppertaler Polizei“, berichtet Baron.

Hanna Meckmann von der Polizei weist daraufhin, dass es in jedem Fall wichtig sei, nach einem Trickbetrüger-Anruf die Polizei zu informieren. „Wenn eine bestimmte Masche in kurzer Zeit oft vorkommt, können wir das an die Medien weitergeben, damit gewarnt wird“, erklärt sie. Enkeltrick, falscher Polizeibeamter, ein Arzt, der von einem mit Corona infiziertem Angehörigen berichtet – Trickbetrug sei ein Thema, das das ganze Jahr über aktuell sei. In Wuppertal, Solingen und Remscheid würden um die 50 Trickbetrug-Anrufe pro Tag bei der Polizei gemeldet werden. Und das betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern auch Wuppertaler Unternehmen. Ein Beispiel: Vermeintliche Mitarbeiter von Google Support melden sich bei Firmen und bieten an, die Webseite der Firma prominenter bei Google zu platzieren, natürlich gegen Bezahlung.

Hanna Meckmann betont, dass es ganz wichtig sei, am Telefon nie vertrauliche Daten preiszugeben, egal, aus welchem Lebensbereich. „Und noch ein Hinweis: Wenn die 110 auf dem Telefondisplay erscheint, ist es niemals die Polizei. Die unterdrückt ihre Nummer.“

Eine ähnliche Situation wie Ingrid Frechenhäuser-Mainz hatte im Frühjahr auch ein 76-jähriger Wuppertaler erlebt, der mit der Enkeltrick-Masche um 25 000 Euro gebracht werden sollte. Und genauso wie die 90-jährige Dame ließ der Rentner sich nicht übers Ohr hauen – stattdessen half er mit, die Betrüger zu überführen: Im Laufe mehrerer Telefonate mit seinem vermeintlichen Neffen Moritz, der um die hohe Geldsumme bat und einem falschen Polizeibeamten, der vor einem Trickbetrug warnte und vorschlug, die Summe direkt einem Beamten zu übergeben, wurde der 76-Jährige stutzig und beschloss, nicht einfach aufzulegen, sondern das Spielchen mitzuspielen.

Überführter Betrüger muss 16 Monate in Haft

Er versprach, das Geld zu besorgen und informierte dann die echte Polizei. Anschließend tat er so, als hole er Geld von der Bank ab und platzierte wie gefordert eine braune Papiertüte mit einem Gegenstand statt Geld am vereinbarten Ort. Die Geldübergabe, hatten die Trickbetrüger vorgeschlagen, sollte wegen Corona kontaktlos erfolgen.

Dank des 76-Jährigen konnte der 24-jährige Täter bei der Abholung der Geldtüte von der Polizei festgenommen werden. Vor zwei Woche wurde er am Wuppertaler Amtsgericht dem Haftrichter vorgeführt und zu 16 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt – eine Erfolgsgeschichte.

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