Gegen Insektensterben

„Wir pflanzen unsere Zukunft selber“

+
Die Projekt-Initiatorin Friedhild Cudennec hat einen grünen Daumen. 

WUPPERTAL Der Inselgarten der Diakoniekirche in der Wuppertaler Nordstadt soll dem Insektensterben entgegenwirken.

Von Alexandra Dulinski

Voller Blüten präsentiert sich der Inselgarten der Diakoniekirche der Wuppertaler Nordstadt. Im Jahr 2014 ist dort das Urban- Gardening-Projekt entstanden. Zunächst wurde der Garten nur von einer kleinen Gruppe genutzt, die Kräuter anpflanzte, erklärt Friedhild Cudennec, die Initiatorin des Projekts.

Nach Auflösung dieser Kräutergruppe entstand der Wunsch, weiterzumachen. So wurde dann auch Gemüse angebaut. „Wir pflanzen unsere Zukunft selber“, sagt Cudennec. Viele der Gemüsesorten wurden für den Mittagstisch genutzt, der in der Kirche angeboten wird. Mittlerweile wird das selbst angebaute Gemüse nur noch zum Aufpeppen der Gerichte verwendet.

„Wir sind verantwortlich für die Biodiversität. Wir dürfen nicht zwischen Unkraut und Nutzpflanzen selektieren“, sagt sie. Als Kind habe sie große Vielfalt erlebt, von der sie heute kaum noch etwas wahrnehme. Man müsse deshalb seinen Standpunkt ändern: Unkraut nicht als solches wahrzunehmen, sondern als „Schönheit der Natur“. Unkraut werde dringend für die Biodiversität gebraucht.

Cudennec und ihre Hobbygärtner besuchen etwa einmal monatlich Vorträge von Gärtnern und anderen Experten. Ihr Wissen werde von Generation zu Generation weitergegeben. Ziel des Projekts sei es, dem Insektensterben entgegenzuwirken.

„Unser Fokus liegt auf den kleinen Blüten, weil sie gut für Bienen erreichbar sind“, erklärt Cudennec. Probleme hätten vor allem die Wildbienen, die im Gegensatz zu den Honigbienen nicht für den Profit gezüchtet würden.

Positive Resonanz spornt Cudennec an

Neben Pfingstrosen, Erdbeeren und Lungenkraut gibt es eine Kräuterspirale, auf die Cudennec sehr stolz ist. Sie nimmt ihren Anfang in einem kleinen Teich und wird nach oben hin immer sandiger und trockener.

Hobbygärtner bepflanzen Kastenbeete. „Es kann sich jeder melden, der Lust hat“, sagt Friedhild Cudennec. Die Beete werden einzeln vergeben und dann nach Lust und Laune gestaltet, auch für den Eigenbedarf. Mitstreiter werden dabei immer gesucht.

URBAN GARDENING

HINTERGRUND Die gärtnerische Nutzung städtischer Flächen ist auf nachhaltige Bewirtschaftung und den ortsnahen Konsum angelegt. Gepflegt und genutzt werden die Gärten in der Regel von den Anwohnern. Seit 2003 gibt es an der Humboldt-Uni in Berlin einen Lehrstuhl für urbanen Gartenbau.

„Die Resonanz ist unglaublich schön“, freut sie sich. „Oft sagen mir Freunde: ‚Du hast dir was angetan.‘ Aber nein, ich bin angetan“, erzählt Cudennec. Für sie ist der Aspekt der Schöpfung sehr wichtig. „Wir sind verantwortlich dafür, die Schöpfung zu erhalten. Die Schöpfung gehört hier rein, weil der Erdball unser Zuhause ist“, erklärt sie. Montags, mittwochs und freitags lädt die Diakoniekirche neuerdings jeweils ab 14.30 Uhr zu Kaffee und Kuchen ein. „Wir wollen mit dem Angebot aus der Kirche raus und auf die Nachbarn zugehen“, sagt Paul-Gerhard Sinn von der Stadtmission. Nach langen Diskussionen steht fest: Die Kirche wird nicht verkauft, wie Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger bestätigt. Diakonie, Stadtmission und die Initiative Kreuzkirche überlegen stattdessen gemeinsam, wie eine bessere und dauerhafte Nutzung aussehen könnte.

Paul-Gerhard Sinn erklärt, dass die Ziele zunächst kleinschrittig verfolgt werden. „Der Kirchraum soll barrierefrei gestaltet werden, um den Raum so gut wie möglich bespielen zu können“, sagt er. Am 23. Juni soll in den Kirchräumen eine Aufführung des Kindertanztheaters stattfinden. „Es geht immer um etwas, das sich vernetzt mit dem, was außen herum ist“, beschreibt Sinn die Pläne. Klar sei, dass die Diakonie sich nicht zurückziehen wolle.

Urban Gardening steht derzeit hoch im Kurs. Die Bedeutung dieser Projekte zeigt auch die Summe an Fördermitteln, mit denen Gartenprojekte in Wuppertal bereits unterstützt werden. Zudem gibt es einen Fotowettbewerb, der Bilder des Urban Gardenings in Wuppertal auszeichnet. Bis zum 31. Oktober können Interessierte noch an dem Wettbewerb „Paradiesflecken“ teilnehmen.

Weitere Infos gibt es unter: www.paradiesflecken.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Adventsrätsel: Wie gut kennen Sie Solingen?
Adventsrätsel: Wie gut kennen Sie Solingen?
Polizei und Zoll stellen Wuppertaler Innenstadt auf den Kopf
Polizei und Zoll stellen Wuppertaler Innenstadt auf den Kopf
25-Jähriger gesteht Kindesmissbrauch
25-Jähriger gesteht Kindesmissbrauch
Bus brennt komplett aus in Remscheid
Bus brennt komplett aus in Remscheid

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren