Alte Glaserei in Wuppertal wird zum Ausstellungsort

Wie aus einem Zaun eine Ausstellungswand wird

Vorfreude bei (v.l.) Joachim Heiß, Daniel Lorberg, Christian Ischebeck sowie den Künstlern Frank N. und Andreas M. Wiese. Foto: Andreas Fischer
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Vorfreude bei (v.l.) Joachim Heiß, Daniel Lorberg, Christian Ischebeck sowie den Künstlern Frank N. und Andreas M. Wiese.

Wuppertal. Ein bisschen suchen muss man schon. Denn die Ausstellung an dem Zaun neben der Alten Glaserei auf dem Gelände des Solar Decathlon Europe (SDE) 21/22 oberhalb von Utopiastadt will gefunden werden.

Von Monika Werner-Staude

Bislang wurde sie vor allem von den Besuchern des Festivals „Dach der Stadt“ entdeckt, mit dem sie zeitgleich eröffnet wurde. Was den praktischen Nebeneffekt hatte, dass alle von „OAA (Out and about) goes SDE 21/22“ präsentierten Bilder auch angeschaut werden konnten, weil das sie trennende Tor geöffnet war. Und das ist es (derzeit) nur während des Festivals: freitags bis sonntags ab 16 Uhr.

Die Frage, ohne Kultur auf dem Gelände der Alten Glaserei auszukommen, stellte sich Daniel Lorberg nicht. „Wir wollen hier Menschen zusammenbringen. Kunst weckt ein vielfältiges Interesse, so dass Menschen hierherkommen“, erklärt der Direktor von SDE, Kurator von Living Lab NRW und Koordinator der Alten Glaserei. Über den Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Wuppertal (GWG), Oliver Zier, kam er mit den Machern von OAA, Birgit Pardun und Frank N., zusammen. Die reihen seit ihrer ersten Ausstellung Ende April 2020, die in der Coronakrise Bilder Wuppertaler Kunstschaffender auf freie Plakatwände brachte und so die Stadt in eine Open-Air-Galerie verwandelte, ein Projekt an das nächste.

So machten sie auch eine Fassade eines GWG-Hauses an der Agnes-Miegel-Straße zur Ausstellungswand. Sie waren gern bereit, für Lorberg aus dem riesigen OAA-Fundus zehn Werke auszusuchen. Die wurden vergrößert und auf 1,75 mal 2,50 Meter großen Lkw-Planen aufgebracht, die den Zaun zum benachbarten Logistik-Unternehmen verdecken. Die Finanzierung der Ausstellung übernehmen das vom Bund geförderte Kulturfestival „Somma’“ und die GWG. Die ausgewählten Motive sollen als „Ensemble funktionieren“, weshalb figurative Werke ausgesucht wurden.

„Denn so geht es nicht weiter.“

Künstler Frank N. macht sich Gedanken um die Gesellschaft

So ist auch der von der Schwebebahnstation Robert-Daum-Platz bekannte Frauenkopf von Andreas M. Wiese wieder dabei, außerdem Werke von Birgit Pardun, Annette Marks, Petra Mohr, Christian Ischebeck, Julia Ferrer Vilchez, Irmhild Schaefer, Jorgo Schäfer, Sabine Bohn und Frank N. Meist bunte, mal nachdenkliche, mal fröhlich-ausgelassene, mal spannende, mal bizarre, fast gruselige, mal verträumte Szenen, die in der Nähe ihre ganze Faszination entfalten. Allein die zwei Wasserfall-Fotoarbeiten von Frank N. fallen, weil ohne Menschen, aus dem Rahmen – sie grenzen den Biergarten hinter dem Fabrikgebäude ab.

Auf vier unifarbenen Planen hat Birgit Pardun Fragen zwischen den Bildern untergebracht, die zum Nachdenken anregen. „Denke ich nur, dass ich denke?“ oder „Wie wird alles gut?“ heißt es da. Die Kombination aus Bild und Wort ist Lorberg wichtig, erweitert sie doch das reine Betrachten. Das sieht man auch im benachbarten Kulturkindergarten so.

Die kleinen Künstler können hier in Kontakt mit den großen kommen, sagt Joachim Heiß, Geschäftsführer der Alten Feuerwache und damit des Kindergartens. Und das nicht nur draußen, sondern auch im Gebäude der Alten Glaserei.

Frank N. und Birgit Pardun bereiten gerade die nächste Ausstellung von OAA bei SDE vor, die ab 28. August dort verschiedene Werke (Skulpturen, Filme, Bilder) unter dem Titel „Normal“ zeigen wird.

Ausgehend von der Corona-Pandemie, die Gewohntes und Normales in Frage stellt, soll sie den Blick auf die Zukunft der Gesellschaft und ihre Gestaltung lenken. „Denn so geht es nicht weiter“, meint Frank N., „sonst fahren wir gegen die Wand.“

Ausstellungen

„OAA goes SDE 21/22“ dauert so lange wie das Kulturfestival „Somma’“. Ab 28. August folgt in der Alten Glaserei die Schau „Normal“, Ende August soll auch das Außengelände fertiggestellt sein.

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