Kunst

Neue Dauerleihgabe: Wertvolles Porträt von Else Lasker-Schüler

Museumsdirektor Roland Mönig freut sich über die Dauerleihgabe.
+
Museumsdirektor Roland Mönig freut sich über die Dauerleihgabe.

Wuppertal. Else Lasker-Schüler kehrt nach Wuppertal zurück. Auf Dauer.

Von Martin Gehr

Mit einem Porträt der Dichterin von Karl Schmidt-Rottluff hat das Von der Heydt-Museum eine Dauerleihgabe erhalten, die zu den zehn teuersten Kunstverkäufen im vergangenen Jahr in Deutschland zählt. Es handelt sich um das Ölgemälde „Lesende (Else Lasker-Schüler)“ aus dem Jahr 1912, das die Wuppertaler Dichterin in farbkräftigen kubistischen Formen zeigt. Das expressionistische Werk war im Dezember im Münchner Auktionshaus Ketterer Teil eines Bietergefechts und wurde schließlich inklusive Aufgeld für rund vier Millionen Euro ersteigert; der ursprüngliche Schätzwert lag bei 700 000 Euro.

Das Ölgemälde ist ab Ende Januar öffentlich zu sehen

Bei dem Bieter handelt es sich um einen Unternehmer aus NRW, dem es ein besonderes Anliegen gewesen sei, dieses Gemälde nach Wuppertal zu holen, sagte Museumsdirektor Roland Mönig bei der Vorstellung des Werkes – zumal Else Lasker-Schüler die größte Dichterin des 20. Jahrhunderts sei, die Wuppertal hervorgebracht hat. „Dies ist ein Glücksfall und eine der schönsten Überraschungen, die man sich für ein Kunstmuseum wünschen kann“, formulierte es Roland Mönig in seiner Rede – „ein Hauptwerk, wie es das Von der Heydt-Museum seit Jahrzehnten nicht mehr hat aufnehmen können“. Die letzten Werke expressionistischer Kunst von dieser Größe seien in den 90er-Jahren erworben worden.

Das Bild wird ab Ende Januar zunächst in einem eigenen Raum zu sehen sein. Vorgesehen ist, es dort einem Bildnis der Dichterin des polnischen Malers Jankel Adler aus dem Jahr 1924 gegenüberzustellen, das sich bereits im Besitz des Museums befindet. Dadurch sei es möglich, deren Geschichte und Hintergründe zu erzählen, kündigte Mönig an. Da es sich um eine Dauerleihgabe handelt, sei ein Ende des Leihverhältnisses nicht datiert.

Aus der Sammlung des Unternehmers Gerlinger

Das neue Hauptwerk stammt aus der Sammlung des Würzburger Unternehmers Hermann Gerlinger, die sich in Auflösung befindet und sich seit den 1950er-Jahren den Mitgliedern des Künstlerkollektivs „Die Brücke“ widmete. Schmidt-Rottluff hatte es seinem langjährigen Freund eigens übergeben. Architekturstudent Karl Schmidt, der aus Rottluff bei Chemnitz stammte, hatte die Gruppe 1905 zusammen mit seinen Mitstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Fritz Bleyl in Dresden gegründet.

„Die Brücke“ entwickelte sich zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus. Während des Nationalsozialismus wurde sein Schaffen als „Entartete Kunst“ diffamiert, woraufhin er 1941 mit einem Malverbot und dem Ausschluss aus dem Berufsverband belegt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er einen Lehrstuhl an der Berliner Hochschule für Bildende Künste an. Schmidt-Rottluff starb 1976 in Berlin.

„Mein Mund ist rot wie eine Dickichtbeere“

Das Gemälde setzt sich aus abstrakten geometrischen Formen wie Dreiecken, Quadraten und Parallelogrammen zusammen, die zu einem Motiv verschmelzen, das erst in der distanzierten Betrachtung seine Wirkung entfaltet. Manchmal braucht Kunst eben Abstand. Die Dichterin, deren Gesicht mit roten Wangen, gesenkten goldgrünen Augenlidern und dunklen Haaren den Fokus der Aufmerksamkeit bildet, sitzt in einem als Zelt bezeichneten Raum und ist in die Lektüre eines schmalen Buches vertieft. Mönig: „Schmidt-Rottluff setzte sich hier mit neuen Formen des Kubismus auseinander, die sich der Zersplitterung und Brechung von Räumen und Körpern befassen, wie sie dem Expressionismus zu eigen sind.“

Else Lasker-Schüler äußerte sich damals zu dem Ergebnis der künstlerischen Zusammenarbeit in einem Brief, der in der Berliner Kunst- und Literaturzeitschrift „Der Sturm“ abgedruckt wurde: „Bin entzückt von meiner bunten Persönlichkeit, von meiner Urschrecklichkeit, von meiner Gefährlichkeit.“ Ihre goldenen Lider würden ihr Dichten überwachen, ihr Mund sei „rot wie eine Dickichtbeere, in meiner Wange schmückt sich der Himmel zum blauen Tanz“. Ihre Nase jedoch wehe wie eine Kriegsfahne nach Osten, während ihr Kinn einem vergifteten Speer gleichkomme.

Das Werk war 2019 und 2020 bereits als Leihgabe in der Ausstellung „Else Lasker-Schüler. ,Prinz Jussuf von Theben‘ und die Avantgarde“ im Von der Heydt-Museums zu sehen. Nun erhält es Beständigkeit.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Düsseldorf: Toter in Kühlcontainer aufgefunden
Düsseldorf: Toter in Kühlcontainer aufgefunden
Düsseldorf: Toter in Kühlcontainer aufgefunden
DSDS: Riccardo aus Remscheid bekommt die Goldene CD
DSDS: Riccardo aus Remscheid bekommt die Goldene CD
DSDS: Riccardo aus Remscheid bekommt die Goldene CD
Wildschwein läuft durch die Innenstadt von Wuppertal
Wildschwein läuft durch die Innenstadt von Wuppertal
Wildschwein läuft durch die Innenstadt von Wuppertal
Ist eine Rückkehr der Straßenbahn möglich?
Ist eine Rückkehr der Straßenbahn möglich?
Ist eine Rückkehr der Straßenbahn möglich?

Kommentare