Haussegen hängt schief

IHK weist ihren Vizepräsidenten in die Schranken

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Das Wuppertaler IHK-Gebäude.

WUPPERTAL Im Streit mit Geschäftsführung und Präsident der Industrie- und Handelskammer muss Jörg Heynkes eine Niederlage einstecken.

Von Lothar Leuschen

In der Industrie- und Handelskammer (IHK) hängt der Haussegen schief. Der Streit zwischen Vizepräsident Jörg Heynkes auf der einen sowie Präsident Thomas Meyer und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge auf der anderen Seite, ist eskaliert. Jetzt hat sich die Hauptversammlung der IHK auf der Basis eines 30-seitigen Dossiers mit dem Thema beschäftigt und Heynkes per Beschluss in die Schranken gewiesen. Heynkes selbst war in der Sitzung nicht persönlich anwesend. Er äußerte sich per E-Mail aus Frankfurt, wies die Anschuldigungen zurück und begründete sein Engagement mit Sorge um die Zukunft der Kammer. Am Ergebnis änderte das nichts. Von 46 Anwesenden haben 40 zum Beschlussentwurf aus der Feder Wenges ja gesagt, sechs Mitglieder enthielten sich, dagegen stimmte mithin keiner.

Die Entscheidung soll Heynkes kurzfristig schriftlich gegeben werden. Sie besagt, dass die IHK den Vizepräsidenten auffordert, sich bei Äußerungen in den Sozialen Medien über die Kammer so zu verhalten, wie es sich für einen Vizepräsidenten geziemt. „Die Vollversammlung fordert Jörg Heynkes auf, Äußerungen, die das Ansehen der Bergischen IHK schädigen, künftig zu unterlassen und sich der Position und Verantwortung des Vizepräsidenten einer IHK entsprechend angemessen und loyal zu verhalten“, heißt es wörtlich in dem Beschluss. Außerdem besagt der Beschluss, dass allein der Präsident und der Hauptgeschäftsführer offiziell für die Kammer sprechen.

Das Ergebnis einer langen Facebook-Schlammschlacht

Dem Votum der Vollversammlung vorausgegangen ist eine monatelange Schlammschlacht, die sich überwiegend auf dem Facebook-Kanal von Jörg Heynkes abspielte. Dort nimmt der Gründer der Villa Media kein Blatt vor den Mund. Im Zusammenhang mit Dieselfahrverboten spricht er von Staatsversagen und nennt Bundesverkehrsminister Scheuer einen „Irren“. So etwas stößt den anderen Vertretern der Bergischen Kammer sauer auf, zumal Heynkes zwischen seinen Funktionen als „Speaker“, „Innovator“, „Unternehmer“ und „Vizepräsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer“ nicht immer sichtbar trennt. So bleibt unklar, in welcher Eigenschaft er sich äußert. Umso klarer ist allerdings die Wortwahl.

Schonungslos übt Heynkes auch Kritik an der IHK, deren Präsidium er seit Jahren angehört. Ihm fehlen Dienstleistung, Innovation und Transparenz. Demnach rangiert die Bergische IHK in allen wichtigen Vergleichswerten unter den 79 Kammern in Deutschland bestenfalls im Mittelfeld, zu häufig allerdings auch im letzten Tabellendrittel. Das reicht Heynkes nicht. Er hatte sich deshalb mit knapp zehn Leuten aus der Vollversammlung getroffen, um über ein Zukunftskonzept zu beraten. Dieses Treffen bewerteten Wenge und Präsident Meyer als „konspirativ“. Wenge hat es besucht und dadurch vermutlich ergebnislos gesprengt.

Für den Hauptgeschäftsführer ist das Maß damit voll. „Wir arbeiten seit drei Jahren an einem Digitalisierungskonzept für die IHK. Außerdem beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Kooperation von Haupt- und Ehrenamt in der Kammer“, sagte Wenger unserer Zeitung. Von Stillstand und Innovationsverweigerung könne überhaupt keine Rede sein. Dennoch sei jeder fachliche Disput in Ordnung. „Aber in diesem Ton ist das schwierig“, so Wenge. 

Heynkes bedauert die 35 000 Zwangsmitglieder der IHK

Für Jörg Heynkes stellt sich die Sache anders dar. Sein Ziel bestehe einzig und allein darin, die Kammer besser zu machen, besser für die Unternehmen, die ihr angehören müssen, und besser für die Region, in der sie stärker wirken soll. „Ich engagiere mich jetzt seit vielen Jahren für Reformen, Innovationen und mehr Leistungsfähigkeit innerhalb der Bergischen IHK“, sagte deren Vizepräsident unserer Zeitung. Dass einige sein Bemühen teilten, andere nicht, damit müsse er leben. „Leid tut es mir vor allem für die 35 000 Unternehmen, die als Zwangsmitglieder ziemlich hohe Beiträge bezahlen und es verdient hätten, eine optimale Leistung dafür zu bekommen.“ Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Was wer in der Bergischen IHK in welcher Funktion künftig sagt, ist unterdessen offen.

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