Leichenfund

Was geschah wirklich auf der Straußenfarm?

Das Idyll ist trügerisch: Die Straußenfarm war Schauplatz krimineller Machenschaften. Foto: Daniel Neukirchen
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Das Idyll ist trügerisch: Die Straußenfarm war Schauplatz krimineller Machenschaften.

Vor sieben Jahren wurden in Sprockhövel Knochen gefunden. Der Wuppertaler Axel P. wird weiterhin vermisst.

Von Daniel Neukirchen

Sprockhövel. Der Strauß ist noch immer da. Auf einer roten Grundstücksmauer strahlen die weißen Beine des Vogels, als seien sie erst gestern aufgemalt worden. Das Eingangstor zur ehemaligen Straußenfarm in Sprockhövel zeichnet ein anderes Bild. Es ist verrostet und steht offen. Im Haus auf dem Grundstück fehlt mindestens eine Scheibe, Brombeersträucher durften sich jahrelang frei entfalten.

Anwohnerin Marlen Höhfeld spaziert auf die zugewucherte Einfahrt zu. Sie kommt oft an dem Grundstück vorbei. Gerüchteweise habe sie gehört, dass hier „etwas mit Drogen“ gelaufen sei. Nur in einer Sache ist sie sich sicher. „Vögel habe ich hier noch nie gehört“, sagt sie. Wer die Geschichte der Straußenfarm kennt, den wundert das nicht.

Im Juli 2014 hat die Polizei menschliche Knochen- und Blutreste auf dem Grundstück der ehemaligen Straußenfarm gefunden. Zu diesem Zeitpunkt waren sich die Ermittler sicher, das entscheidende Puzzle-Stück zur Auflösung eines Kriminalfalls in den Händen zu halten. Sie vermuteten, die sterblichen Überreste des Straußenfarm-Betreibers Axel P. aus Wuppertal gefunden zu haben. Man ging damals davon aus, dass er ermordet worden war. Das Züchten der imposanten Vögel gilt typischerweise nicht als gefährliches Gewerbe. Doch die Straußenfarm hatte ein Geheimnis. Im Dezember 2012 bekam die Polizei Wind, dass die übergroßen Laufvögel hauptsächlich zur Tarnung gehalten wurden. Wenn es sie denn überhaupt gegeben hat. Züchter waren auf dem Grundstück trotzdem am Werk. Die Ermittler fanden acht Meter tief in den Boden eingegrabene Übersee-Container mit 2000 Cannabis-Pflanzen.

Mit-Inhaber soll Mord im Knast gestanden haben

Einer der Inhaber, ein ehemaliger Polizist aus Sprockhövel, wurde im Sommer 2013 wegen Drogenanbau und Waffenbesitz zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis soll der damals 40-Jährige einem Zellengenossen erzählt haben, er habe seinen Komplizen Axel P. ermordet und die Leichenteile auf dem Gelände in Sprockhövel versteckt. Der 47-jährige Axel P. ist bis heute verschwunden.

Allerdings war in einem Gerichtsverfahren 2017 bekanntgeworden, wie der Mitinhaber mit Menschen umging, die die Operation gefährdeten. Der Bruder des Verurteilten sagte aus, dass er mit dem Tode bedroht worden sei, wenn er nicht über die Farm schweigen würde. Die Ermittler vermuteten, dass Axel P. vielleicht unbequem geworden war.

Der Mordverdacht schien sich 2014 bestätigt zu haben. Mit großen Aufwand grub die Polizei mithilfe des Technischen Hilfswerks 20 000 Quadratmeter Erde bis zu einer Tiefe von sechs Metern auf dem Gelände um. Der Aufwand war enorm: 1000 Kubikmeter Erde wurden untersucht und gesiebt. Die Ermittler ließen Leichensuchhunde kommen, die im ehemaligen Jugoslawien für die Suche von Massengräbern trainiert wurden. Dann der Fund: menschliche Knochen- und Blutreste. Doch DNA-Analysen ergaben, dass diese nicht Axel P. zugeordnet werden konnten. Auch die DNA anderer vermisster Personen passte nicht.

Welche Leichen ruhten hier? Eine Antwort steht bis heute aus. Die Ermittler vermuteten, auf einen ehemaligen Friedhof gestoßen zu sein. Die Staatsanwaltschaft stellte mit der Zeit die Ermittlungen ein. Sie werden erst wieder aufgenommen, wenn es in dem Fall neue Erkenntnisse gibt.

Hintergrund

Rückblick: 45 Beamten untersuchten vor sieben Jahren wochenlang das Grundstück in Sprockhövel. In einem kleinen Wirtschaftsgebäude entdeckten die Kripobeamten winzige Blutspritzer. Im Boden kamen Knochensplitter zum Vorschein.

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