Forschung

Wuppertaler Demograf: Warum Mütter hier jünger sind als Väter

Dr. Christian Dudel forscht am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Foto: MPI
+
Dr. Christian Dudel forscht am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock.

Der Wuppertaler Demograf Dr. Christian Dudel analysierte knapp 300 Millionen Geburten aus verschiedenen Ländern.

Von Miriam Karout

Wuppertal. In Deutschland ist eine Mutter im Schnitt 3,2 Jahre jünger als der Vater – mehr als in anderen Industrieländern. Das haben Christian Dudel vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung und sein Kollege Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) herausgefunden.

„Im internationalen Vergleich sieht man, dass die 3,2 Jahre für Deutschland eine relativ hohe Zahl ist“, sagt der gebürtige Wuppertaler Christian Dudel im Interview mit unserer Redaktion. In vielen Ländern sei der Altersunterschied geringer, beispielsweise in den skandinavischen Ländern. Selbst in südeuropäischen Staaten wie Portugal und Spanien ist der Unterschied niedriger. Obwohl man da meinen könnte: „Das sind Länder, die traditioneller, stark katholisch geprägt sind“, überlegt Dudel.

Frauen investieren mehr Zeit in unbezahlte Hausarbeit

Die demografische Studie basiert auf den Registerdaten von mehr als insgesamt 300 Millionen Geburten aus verschiedenen Ländern. Für Deutschland wurden dabei fast alle Geburten ab 1991 analysiert. „Was wir im Grunde machen, ist Leute zählen“, meint Dudel.

Warum der Altersunterschied in Deutschland so hoch ist, ergebe sich nicht aus ihrer Arbeit. Diverse andere Untersuchungen aber wiesen deutlich darauf hin, dass der Altersunterschied etwas mit der Kinderbetreuung und Einkommensunterschieden zu tun habe, so Dudel. Was Christian Dudel beschreibt, ist der sogenannte „Gender Care Gap“, der Unterschied im Zeitaufwand für unbezahlte Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen Männern und Frauen. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wenden Frauen pro Tag im Schnitt 52,4 Prozent mehr Zeit für diese unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Die erwähnten Einkommensunterschiede weisen auf den „Gender Pay Gap“ hin, der Vergütungsunterschied für bezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen. „Nach der Geburt eines Kindes übernimmt die Frau häufig mehr Hausarbeit, auch wenn es vorher egalitär geregelt war“, meint Dudel. Ältere Männer seien oft an einem anderen Punkt in der Karriere, hätten ein höheres Einkommen.

Man könne sich auch noch Statistiken zum Elterngeld anschauen: Frauen verdienen weniger, beantragen mehr Elterngeld und so weiter. Wenn alle Faktoren mitspielen, ist es dann häufig so, dass der Mann älter ist als die Frau bei der Geburt eines Kindes. Im Schnitt eben 3,2 Jahre.

Das Problem an der Sache? Dudel beschreibt es als Teilhabeproblem – die immer noch fehlende Gleichberechtigung von Frauen verhindert, dass Frauen am Arbeitsmarkt sind. Und wer die Gleichberechtigung von Frauen nicht als wichtig erachtet, verkennt den Zusammenhang: Es gehe schlussendlich auch um den Wohlstand der Deutschen, meint Dudel.

Alters- und Gerechtigkeitslücke wird noch Jahrzehnte anhalten

In der Corona-Krise sind diese Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern verschärft. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März äußerte sich auch der Vorsitzende des Stadtverbands des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Wuppertal, Guido Grüning, dazu: „Frauen arbeiten überproportional in den von der Krise besonders betroffenen Branchen.“ So seien sie durch die Schließungen von Einkommenseinbußen betroffen oder arbeiteten häufig in systemrelevanten aber unterbezahlten Berufen im Erziehungs- und Gesundheitswesen in der Pflege. Außerdem übernähmen sie oft den überwiegenden Teil der Haus- und Familienarbeit - eine Bestätigung des Gender Care Gaps. Die Ziele seien deshalb klar: bessere Löhne in frauendominierten Berufen, mehr Frauen in Führungspositionen und eine geschlechtergerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit.

Doch der Weg dahin ist weit. Dudel rechnet erst in 20 bis 40 Jahren damit, dass sich der Altersunterschied bei Männern und Frauen, die Kinder bekommen, messbar verringert.

Zur Person

Christian Dudel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Der Wuppertaler promovierte 2013 in Bochum und erforscht seitdem den demografischen Wandel. Zuletzt beschäftigte er sich mit der Dunkelziffer bei Covid-19-Fällen. Die liegt in Deutschland derzeit bei knapp 5,9 Millionen Fällen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Das Bergische Land ist eine Hochburg der Clans
Das Bergische Land ist eine Hochburg der Clans
Das Bergische Land ist eine Hochburg der Clans
Schwebebahn geht Samstag in den Regelbetrieb
Schwebebahn geht Samstag in den Regelbetrieb
Schwebebahn geht Samstag in den Regelbetrieb
A 46 wird im Bereich Haan voll gesperrt
A 46 wird im Bereich Haan voll gesperrt
A 46 wird im Bereich Haan voll gesperrt
Parkschlösschen: Diskussionen um Sanierung
Parkschlösschen: Diskussionen um Sanierung
Parkschlösschen: Diskussionen um Sanierung

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare