IHK-Vollversammlung

Wandel der Arbeitswelt erfordert Umdenken

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Als Gastredner konnte Thomas Meyer, Präsident der Bergischen IHK, den Präsidenten des BIBB, Dr. Friedrich Esser, begrüßen. 

BERGISCHES LAND Professor Dr. Friedrich Esser sprach auf Vollversammlung der Bergischen IHK über „Berufliche Bildung im digitalen Zeitalter“.

Von Michael Kremer

Zwei „massive Themen“ beherrschen nach Aussage von Thomas Meyer, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), das wirtschaftliche Leben: der demografische Wandel und die Digitalisierung. Ein Schlüssel zur Lösung der sich daraus für Unternehmen ergebenden Herausforderungen sei die Bildung. Angesichts des Fachkräftemangels helfe sie einerseits, die Potenziale auf dem Arbeitnehmermarkt besser auszuschöpfen. Andererseits könne sie die vorhandenen Arbeitskräfte fit für die Veränderungen der Arbeitswelt machen.

ZUR PERSON

REFERENT Professor Dr. Friedrich Esser ist seit 2011 Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn. Nach einer Bäcker-Lehre hat er sein Abitur über den zweiten Bildungsweg gemacht. Anschließend studierte er erst Wirtschaftswissenschaften, dann Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik. Seit Juli ist er Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln.

Die Dringlichkeit der Thematik zeigte sich schon an der Auswahl des Referenten, den Meyer als Gastredner zur IHK-Vollversammlung am Donnerstagabend eingeladen hatte: Professor Dr. Friedrich Esser ist Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Er sprach vor den rund 80 Anwesenden im Plenarsaal der IHK-Hauptgeschäftsstelle in Wuppertal zum Thema „Berufliche Bildung im digitalen Zeitalter“ und stand danach für Fragen zur Verfügung.

Sein Vortrag wurde zu einem Plädoyer für das „sehr kraftvolle“ duale System mit schulischer und beruflicher Ausbildung in Deutschland. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem „Akademisierungswahn“. Der bringe eine Abwertung der beruflichen Bildung gegenüber einem Studium mit sich. Auszubildenden sollten deshalb die gleichen Möglichkeiten wie Studierenden geboten werden. Warum gebe es preiswerte Studentenwohnungen, aber keine Azubi-Wohnungen? Warum ein Semesterticket für den öffentlichen Personennahverkehr, aber kein Azubi-Ticket?

Dass manche Branchen händeringend Nachwuchskräfte suchen, während es immer noch Jugendliche gibt, die einen Ausbildungsplatz suchen, sei laut Esser auch eine Prestigefrage. „Für junge Leute ist es unheimlich wichtig, was ihr Umfeld über ihren Berufswunsch denkt“, sagte er. Habe ihr Wunschberuf einen schlechten Ruf, sei das für einen Jugendlichen oftmals ein Grund, sein eigentliches Berufsziel zu ändern.

Elternhaus kommt eine wesentliche Rolle zu

Eine wesentliche Rolle käme dem Elternhaus zu. Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder – und das sei in ihren Augen in der Regel ein höherer Abschluss, ein Studium. Da die Jugend mittlerweile „handzahm“ sei, folge sie den Vorstellungen der Eltern. Ein Ergebnis sei die Zahl an Studienabbrechern, die mittlerweile bei 30 Prozent liegt.

Auch die Handwerker-Innungen nahm Esser in die Pflicht. Sie müssten Lösungen finden, wie insbesondere kleinere Betriebe attraktiver für Auszubildende werden. „Das hat etwas mit Perspektiven zu tun, die den Jugendlichen geboten werden können“, sagte Esser. Ohne Aussicht auf ein berufliches Weiterkommen bieten zu können, seien Handwerksbetriebe bei der Suche nach Nachwuchskräften nicht mehr wettbewerbsfähig.

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