Kneipp

Waldbaden und Heilpflanzen gegen Stress

Kaltes Wasser auf müde Füße: Kneippianer halten viel von dieser Methode. Foto: dpa
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Kaltes Wasser auf müde Füße: Kneippianer halten viel von dieser Methode.

Die Kneipp-Lehre wird 200 Jahre alt – Kneippverein Wuppertal hat Tipps für den Lockdown

Von Kristina Hinz

Wuppertal. In der vergangenen Woche zeigte das Fernsehen zwei Menschen, die in Bikini und Badehose ins kalte Nass am Ufer der Wuppertalsperre stiegen. „Eisbaden“ gewinnt an Bedeutung – eine Maßnahme, die auch Sebastian Kneipp ergriff, als er während seines Studiums im Winter heimlich des Nachts in die Donau stieg und sich ein Tauchbad gönnte. Dadurch und durch Wassergüsse habe er sich selbst von seiner Tuberkulose geheilt. „Es stärkt das Immunsystem enorm“, sagt Renate Mankel, Vorsitzende des Kneipp-Vereins Wuppertal. Von damaligen Ärzten noch angefeindet, werden seine Therapiemaßnahmen heute gelehrt, sie sind in Kliniken integriert und immaterielles Kulturerbe: Am 17. Mai feiert Sebastian Kneipp 200 Jahre Geburtstag.

Die natürlichen Heilverfahren sind stark mit seiner Biografie verknüpft. „Er war mit der Heilkräuterkunde durch seine Mutter sehr vertraut. Er ist beim Hüten der Kühe durch nasse Wiesen und Bäche gestapft. Dabei hatte er sogar eine Fußreflexzonenmassage durch die Steine bekommen, was die Nervenstränge im ganzen Körper erreicht“, informiert die Vorsitzende des Kneipp-Vereins Wuppertal.

Es ist das Zusammenspiel einzelner Elemente auf Körper und Seele, auf dem seine Lehre basiert. Seine fünf Stützen sind die Hydrotherapie, also das Anwenden von Wasser als Maßnahme, Bewegung, Ernährung, Lebensordnung und Heilpflanzen. „Mit Lebensordnung ist gemeint, dass man für sich selbst Zeit einplant, um runterzukommen und Kraft zu gewinnen, indem man sich zum Beispiel draußen in der Natur bewegt“, erklärt Mankel.

Angesichts der Belastungen durch Corona und der Herausforderungen, die die Beschränkungen emotional mit sich bringen, ist es ein Thema, das aktueller denn je ist, geprägt von sozialer Isolation und Konfliktpotenzial in Familien, die auf engem Raum aufeinander hocken. „Familien müssen Unglaubliches leisten, wenn sie die Kinder betreuen müssen“, ging die Vorsitzende darauf ein.

Heilpflanzen können zur Beruhigung beitragen

Auf natürliche Weise kann auf den inneren Stress reagiert werden. Heilpflanzen können zur Beruhigung beitragen, wie Melisse, Baldrian oder Hopfen als Tee, Lavendel als Badezusatz zur Aromatherapie oder Johanniskraut zur Einnahme oder als Öl zum Einreiben.

Der Wuppertaler Kneipp-Verein bietet „Waldbaden“ an – es beinhaltet ein bewusstes Eintauchen in die Naturlandschaft Wald. „Es ist ein Schlendern, ein leichtes Gehen, Stehenbleiben, die Natur auf sich wirken lassen, nach oben in den Himmel gucken, Wolken und Bäume wahrnehmen. Sie werden achtsamer, auch für sich selber, dass Sie sich besser wahrnehmen können und merken: Was fehlt mir, was brauche ich, was tut mir gut“, gibt Mankel einen Eindruck.

Neue Tretanlage soll im April eröffnet werden

Ebenso positiv auf Leib und Seele und förderlich für das Immunsystem wirke sich kaltes Wasser aus. „Wenn man schlecht drauf ist, ist nach dem Duschen ein kühler Abguss sehr gut. Er trägt zur Nervenberuhigung bei“, informiert Mankel. Wichtig: Man beginne stets „herzfern“ – also in der rechten unteren Beinregion. Und der Körper muss bei Kaltreizen zuvor warm sein – anschließend wird er wieder aufgewärmt.

120 verschiedene hydrotherapeutische Maßnahmen für Beschwerden jeglicher Art gibt es. Die wohl bekannteste ist das Wassertreten im Storchengang. Sie wirkt unter anderem schmerzlindernd bei Rheuma, Gicht oder Arthrose. „Es stärkt unseren Kreislauf und stabilisiert den Blutdruck“, erklärt Mankel. Auch hier gilt nur Vorsicht bei Unterleibsbeschwerden.

Eine neue Tretanlage ist erst 2020 am Krankenhaus St. Josef in Elberfeld errichtet worden – als Gemeinschaftsprojekt mit dem Kneipp-Verein. Zum Saisonbeginn am 23. April soll sie um 14 Uhr eröffnet werden – der Auftakt ins Geburtstagsjahr.

kneippverein-wuppertal.de

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