Wohnen

Von der Schrottimmobilie zum Vorzeigeobjekt

Hürsehit Kürekli, Geschäftsführer der Idee Projektentwicklungs- und Investitionsgesellschaft mbH, saniert das Denkmal.
+
Hürsehit Kürekli, Geschäftsführer der Idee Projektentwicklungs- und Investitionsgesellschaft mbH, saniert das Denkmal.

Wuppertal. Marienstraße 41: Hürsehit Kürekli lässt das einst besetzte Haus sanieren – es entstehen elf Mietwohnungen.

Von Eike Rüdebusch

Auf dem Dach werden die Gauben erneuert. Wer im Dach einmal wohnen wird, hat das ganze Viertel im Blick.

Es war die zentrale Schrottimmobilie auf dem Ölberg. Die Marienstraße 41. Das Haus steht seit einer gefühlten Ewigkeit leer. Und wird jetzt aktuell saniert. Diesmal wirklich. Es ist nicht das erste Mal, dass es die Ankündigung und damit Hoffnung auf dem Ölberg gibt. Dass aber tatsächlich etwas passiert, kann man dieses Mal deutlich erkennen. Das Haus ist eingerüstet, es steht ein Bau-Aufzug vor dem Haus, und auf dem Dach sieht man, dass die Gauben gerade neu aufgebaut werden. Am besten sieht man aber von innen, dass es vorangeht und was bisher passiert ist. Hürsehit Kürekli, Geschäftsführer der Idee Projektentwicklungs- und Investitionsgesellschaft mbH, führt durch das Haus. Er ist Bauherr und hat es 2017 gekauft.

2019 wurde das Haus entkernt, eigentlich sollte 2020 schon alles fertig sein. Aber dann sei Corona gekommen. Und die Frage, ob es sich überhaupt lohnt – denn das Haus soll Energie-Effizienz-Haus werden. Trotz des Denkmal-Status. „Wir sind hier beinahe bei einer siebenstelligen Summe“, sagt Kürekli. Es habe Verhandlungen mit der Bank gegeben, und den Entschluss, am Ball zu bleiben.

Was ins Ladenlokal kommt, soll im Sommer feststehen

Elf Wohnungen sollen entstehen. Unten gibt es ein Ladenlokal. Wer dort reingeht, entdeckt im Deckenlicht der Tür noch die Schriftzüge der Besetzungen von 2014. Damals hatten Autonome zwei Mal das Haus besetzt, wollten ein „centro sociale / refugee welcome center“ eröffnen. Sie lehnten sich auf dagegen, dass ein Haus nicht genutzt wird, statt der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stehen. In diesem Fall ist es zwei Mal zu Polizeieinsätzen gekommen. Die Geschichte hat das Haus bekannt gemacht. Der Schriftzug „Centro Sociale“ steht noch heute auf der Glasscheibe.

Das Ladenlokal ist riesig für Ölberger Verhältnisse. 130 Quadratmeter plus 40 im Keller und 50 im Hinterhof. Die Wände liegen frei. Die Deckenbalken auch, der Blick auf den Boden im Erdgeschosses liegt frei. Kürekli erklärt, dass die Balken drin bleiben, die Decken aber neu gemacht werden – sie sollen bis zu 90 Minuten brandsicher sein. Die Böden werden komplett erneuert. Die sind schief, bis zu 17 Zentimeter Unterschied gibt es. Besonders im Dachgeschoss merkt man das unter den Füßen, man läuft merklich bergab.

Für das Ladenlokal sammelt Kürekli noch Ideen. Im Sommer soll feststehen, was passiert. Kürekli meint, es habe dort einmal eine Kaffeerösterei gegeben, später einen Waschmaschinenladen. Thomas Kring, Bezirksbürgermeister von Elberfeld, erinnert sich, dass in seiner Jugend doch ein Kaiser’s war. Er wünscht sich etwa einen Nahversorger dort. „Der fehlt.“ Thomas Weyland von der Ölberg eG formuliert es offener: „Wir wünschen uns, dass das Ladenlokal für das Quartier sinnbringend genutzt wird und sind gerne bereit, den Eigentümer darin zu unterstützen.“

„Wir wünschen uns, dass das Ladenlokal für das Quartier sinnbringend genutzt wird und sind gerne bereit, den Eigentümer darin zu unterstützen.“

Thomas Weylan von der Ölberg eG

Von der ersten bis zur dritten Etage werden jeweils drei Wohnungen dort entstehen. Je zwei Einzimmerwohnungen und eine Zweizimmerwohnung. Kürekli sagt, er habe den Bedarf abgefragt und kleine Wohnungen würden gebraucht. Und anders sei der Umbau gar nicht möglich. Denn die Zimmer gehen von dem Treppenhaus ab. Wenn man große Wohnungen bauen würde, wäre ein ganzer Raum Flur und jeweils zwei Räume gefangene Räume.

Die Wände sind komplett freigelegt. Man sieht auch, wo früher mal mit Bauschaum und hochkant gesetzten Ziegeln Lücken gefüllt wurden. Das wird alles nachgebessert, verspricht Kürekli. In den Wänden sind die Fachwerkbalken zu sehen. Die Wände werden mit ökologischem Lehmputz verputzt. „Keine Tapete“, sagt Kürkeli. Auch keine Bilder und keine Löcher. Dafür soll eine Leiste angebracht werden, an der Bilderrahmen befestigt werden können. „Wir überlegen, mit lokalen Künstlern zusammenzuarbeiten und direkt historische Ansichten Wuppertals hier aufzuhängen“, sagt Kürkeli.

Aktuell werden die Gauben auf dem Dach neu gemacht. Die Firma Zimmerei und Holzbau Benn ist damit beschäftigt. Stuart Del Vecchio und Gerhard Blockhaus bringen die Holzbalken an, durch die später imposante Blicke auf die Marienstraße und ins Tal möglich werden. Blockhaus sagt, es sei schon schön mitzuhelfen, so ein Haus auf dem Ölberg zu erhalten, das lange leersteht. Im Dach werden nur zwei Wohnungen sein. Wie teuer die Miete später wird, müsse man noch berechnen, sagt Kürekli. Aber er rechnet mit jungem, studentischem Publikum. Für die Mieter soll es im Hof übrigens E-Bike-Abstellflächen und Ladestationen geben.

Die Nordstadt leidet unter den Problemimmobilien

Thomas Weyland von der Ölberg eG sieht den Umbau positiv. „Wichtig ist, dass sich an einem solchen Ort, eine funktionierende Immobilie befindet und keine Problemimmobilie.“ Gerade weil sich in der Nordstadt ohnehin rund 20 Problemimmobilien befinden. Weyland spricht von rund 7000 Quadratmetern Wohnfläche, die leerstehen, „weil Immobilieneigentümer entweder nicht professionell oder auch spekulativ mit ihrer Immobilie umgehen“.

Thomas Kring (SPD), Bezirksbürgermeister, ist „hocherfreut“, dass sich „etwas Produktives tut“. Er hofft, dass das Projekt Vorbildfunktion haben kann für andere Eigentümer. Wobei man immer aufpassen müsse, sagt er, dass Komplettsanierungen nicht zu hohen Mieten führten. Damit aus Abbau von Leerständen nicht Gentrifizierung wird.

Denkmalbehörde

Die Denkmalbehörde der Stadt ist in die Arbeiten eingebunden und voll des Lobes. Markus Truskawa, Teamleiter der Unteren Denkmalbehörde, sagt, die Abstimmung sei vorbildlich. Hürsehit Kürekli habe „Denkmalschutz verstanden“. „So wünscht man sich das“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Hilden ist stolz auf seine Einkaufsmeile
Hilden ist stolz auf seine Einkaufsmeile
Hilden ist stolz auf seine Einkaufsmeile
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Woher kommt die Bezeichnung „Dellmänner“?
Woher kommt die Bezeichnung „Dellmänner“?
Woher kommt die Bezeichnung „Dellmänner“?

Kommentare