Größte Umbauarbeiten seit 30 Jahren

Von der Heydt-Museum wird umgebaut

Das leerstehende Geschäft am Wall soll dem Museum zugeordnet werden. Die Verwendung steht noch nicht fest. Foto: Anna Schwartz
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Das leerstehende Geschäft am Wall soll dem Museum zugeordnet werden. Die Verwendung steht noch nicht fest.

Wuppertal. Durch das zwei Millionen Euro teure Projekt sollen auch die Wuppertaler Kunstschätze besser gelagert werden können.

Von Monika Werner-Staude

Das Von der Heydt-Museum steht vor den größten Umbauarbeiten seit mehr als 30 Jahren. Das wohl mehr als zwei Millionen Euro teure Vorhaben soll der Rat in seiner Sitzung im November grundsätzlich beschließen. Damit soll der Mangel an Depotflächen behoben und die Sicherheit der wertvollen wie wachsenden Kunst-Sammlung wiederhergestellt werden, deren Schwachstellen bei zwei Unwetterereignissen binnen dreier Jahre deutlich geworden sind. Die dafür nötigen Mittel sollen in der Haushaltsplanung 2022/23 und in der mittelfristigen Investitionsplanung bis 2026 bereitgestellt werden.

Schon im Mai 2018 hatte der Starkregen die Schwächen schonungslos offengelegt. Das Problem ist komplex: Auf dem verschachtelten Dach ist viel Technik untergebracht, es gibt wenig Freiflächen, das Gebäude ist denkmalgeschützt, Veränderungen beim Abfluss werden so erschwert. Und: Es müssen weitere Player – wie die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) – einbezogen werden.

Zur raschen Ableitung der Fluten seien verschiedene Varianten geprüft und schließlich als unrealisierbar verworfen worden, so dass zeitweise der Eindruck entstanden sei, dass man sich im Kreis drehte, erklärt Andrea Nickl, Produktmanagerin beim Gebäudemanagement der Stadt (GMW), die Verzögerungen. Ein Vor-Ort-Termin mit Feuerwehr und Stadtwerken steht an.

Im Juli 2021 ging alles noch mal glimpflich ab, als das Grundwasser nach oben drückte. Das Technische Hilfswerk dichtete mit Sandsäcken ab und das Team des Museums passte die ganze Nacht über vor Ort auf, erinnert Museumsdirektor Roland Mönig. Etwas Wasser gelangte in Einzugsschächte und ein Sammlungsdepot im Keller, berichtet Nickl. „Wäre die bereits angekündigte Flutwelle der überlaufenden Wuppertalsperre gekommen, hätte es anders ausgesehen“, warnt Mönig.

„Es geht hier nicht um den Haushalt, sondern um mögliche Kunstschäden.“

Kulturdezernent Matthias Nocke

Er bildet gerade eine Arbeitsgruppe im Haus, die das Thema Sicherheit ohne Baumaßnahmen angehen soll. „Wir wollen überlegen, welche Sicherheitsmaßnahmen wir ergreifen können.“

Der Depotraum im Keller selbst kann jedenfalls erst untersucht und daraus bauliche Konsequenzen gezogen werden, wenn er leer ist und staubintensive Kernbohrungen durchführt werden können. Und wenn das GMW dafür eine Legitimation hat, merkt Nickl an, für die der Ratsbeschluss nötig ist, der nun kommen soll.

„Das Thema ist bei allen angekommen. Es geht hier nicht um den Haushalt, sondern um mögliche Kunstschäden und damit eine massive Auswirkung auf städtisches Vermögen“, drängt Kulturdezernent Matthias Nocke.

Das Museum ist ein prachtvolles und ein kompliziertes Haus im Herzen Elberfelds. Ein Haus, das aus zwei Häusern, einem alten Rathaus und einem Geschäftsanbau besteht. Der Umbau wird das Museum, mit Ausnahme der Ausstellungsräume, im Innern grundsätzlich verändern. Auf vier Stockwerke verteilen sich derzeit Büros, Bibliothek, Grafik, Kunstscannerbereich, Restauration, Buchbinderei und Schreinerei. Nach dem Umzug der Verwaltung stehen vor allem Büroräume im dritten Obergeschoss leer.

Um „Mehrwert zu generieren“, so Mönig, sollen die unklimatisierten und ungesicherten Räume nicht einfach wieder bezogen werden. Es gilt, die Bedürfnisse nach Depoträumen für Sammlung, für Grafiken und den Bestand im Keller zu berücksichtigen, ferner die Zukunft der Bibliothek mit ihrem umfangreichen Bestand zu klären, der auch im Zeitalter der Digitalisierung wachsen wird, Standorte für Kunstscanner und Restaurierung zu finden, die diese besser an Grafikdepot und Lastenaufzüge zu Ausstellungs- und Depoträumen anbinden. Schließlich muss Platz für Museumstechnik, Versand und Schichtdienste im Haus bleiben.

Hinzu kommt eine Vergrößerung der Museumsfläche durch die Einbeziehung des Ladenlokals, das Foto Leimbach lange Jahre genutzt hatte. Mönig freut sich, das Museum auch zum Wall hin sichtbarer machen zu können. Nachdem das GMW personell aufgerüstet hat, kommt Bewegung in das seit 2016 leerstehende Lokal. Die asbesthaltigen Wandputze sind abgenommen, ein kleiner Wasserschaden behoben, eine eigene Kraft kümmert sich um die Planung. Auch hierüber werden intensive Gespräche geführt. Die Aufgabe, so Mönig, laute, das Lokal so in das komplizierte Raumprogramm des Hauses einzubinden, dass eine organische Lösung gefunden wird, die das Foyer einschließt und am Ende „eine veränderte Willkommens- und Besucherfreundlichkeit“ entsteht.

Das Foyer soll attraktiver werden

Im Moment sei das Foyer, so Nocke, „recht ungeordnet und wenig attraktiv“ und eher „auf die Durchschleusung größerer Menschengruppen ausgerichtet“. Wenn man es anders betrachte, „empfiehlt sich auch eine andere Gestaltung“. Es gibt Engpässe, Verkehrsräume und Service sind eingeschränkt, die Unterbringung von Garderobe und Kassenbereich sowie die Anbindung des Museumsateliers verbesserungsfähig.

Auch der Museumsshop könnte umziehen, wobei seine Einbindung ins Museum bewahrt werden muss – seine einfache Verlagerung ins Ladenlokal ist zwar eine Idee, aber nicht mehr. Mönig: „Ziel ist eine großzügigere und zeitgemäßere Nutzung des Foyers auf lange Sicht. Wo und was wir brauchen, ist Aufgabe eins Masterplans, der nun erstellt werden muss.“

Das GMW ist dran. Die Ratsentscheidung steht für November an. Stimmt er zu, werden die Baumaßnahmen geplant, ein Durchführungsbeschluss mit Zeitplan erarbeitet.

Wertvoll

Wie wertvoll die Kunst im Von der Heydt-Museum für die Stadt ist, verdeutlicht eine Zahl: Die Jahresbilanz für 2019 weist Kunstgegenstände im Besitz der Stadt mit einem Wert von 717 Millionen Euro aus.

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