Vom Aussterben bedroht

Verwandte von Rudolph im Krefelder Zoo

Rick ist der Leithirsch der Waldrentier-Gruppe im Krefelder Zoo und hat mit dreieinhalb Jahren schon ein stattliches Geweih.
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Rick ist der Leithirsch der Waldrentier-Gruppe im Krefelder Zoo und hat mit dreieinhalb Jahren schon ein stattliches Geweih.

Krefeld. Seit 2020 leben Rick, Alena und Antje mit ihrem Nachwuchs in ihrem Gehege an der Uerdinger Straße. Die Tierart ist vom Aussterben bedroht.

Von Yvonne Brandt

Rentierkuh Alena (l.) mit ihrer Tochter Susanne. Auch die weiblichen Tiere haben ein Geweih. Rentiere sind die einzigen Hirsche, bei denen auch die Weibchen Geweih tragen.

Ohne Rick, Alena und Antje und ihre Artgenossen würde es „Rudolph mit der roten Nase“ gar nicht geben. Waldrentiere standen den Zeichnern des Animationsfilms aus dem Jahr 1998 von Regisseur Bill Kowalchuk Pate. Doch schon in früheren Zeiten erzählte die Sage, dass der Weihnachtsmann mit einem Schlitten durch die Luft fährt und sein Gefährt von Rentieren ziehen lässt. Dass es wie Rudolph immer die männlichen Tiere sind, ist der Fantasie der Männerwelt entsprungen. „Männliche Rentiere werfen ihre Geweihe am Ende der Paarungszeit im späten Herbst oder frühen Winter ab. Die Weibchen hingegen brauchen ihr Geweih dann noch, um während der Schwangerschaft im Winter Nahrung zu sichern“, erzählen Tierärztin Anna Grewer und Tierpfleger Fabio Blunck vor dem Gehege im Krefelder Zoo. Bekanntermaßen steigt der Weihnachtsmann an Heiligabend auf seinen Schlitten, um rund um die Welt Geschenke zu verteilen. Da sind viele Rentier-Bullen schon geweihlos.

Klimawandel und Landraub gefährden den Bestand

Im Januar 2020 sind als erste Rick und Alena nach Krefeld umgesiedelt. Der Hirsch ist im Mai 2019 im Gaiapark im niederländischen Kerkrade zur Welt gekommen, die Kuh im gleichen Monat im Prager Zoo. Gerade sieben Monate alt war Rick, als er in sein eigenes Revier kam, um dort mit „seinem Harem“ weiter die Zucht in europäischen Zoos zu stärken. Im November 2020 kam dann Antje hinzu, die 2018 im Zoo De La Bourbansais in der französischen Bretagne geboren wurde. Die Dallschafe, die zuvor in dem Gehege nahe des Vogelhauses gelebt hatten und für die Zucht überaltert waren, konnten als gesamte Gruppe laut Anna Grewer an einen Privatier abgegeben werden.

Die Europäischen Waldrentiere (Rangifer tarandus fennicus) gehören inzwischen zu den gefährdeten Tierarten auf der Welt. „Deshalb hatten wir uns für diese neue Tierart für den Krefelder Zoo entschieden“, erzählt die Tierärztin. Das Waldren lebt laut Grewer ausschließlich in Finnland und Russland, während beispielsweise das kanadische Waldkaribu (Rangifer tarandus caribou in British Columbia bis Neufundland vorkommt. Von dem europäischen Waldren gibt es heute etwa 2300 Vertreter im natürlichen Herkunftsgebiet.

„Doch das wird durch den Klimawandel und das Zerschneiden der Landschaft durch Straßen immer kleiner“, fügt Anna Grewer hinzu. „Das besondere der Waldrentiere ist, dass sie die einzige Hirschart sind, die vom Menschen domestiziert wurde“, sagt Fabio Blunck. Es waren die Samen, ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens, die in der Zeit zwischen 1800 und 900 v. Chr. damit begannen, die Waldrentiere zu fangen und zu domestizieren. „Sie nutzten die laufstarken Tiere auch zum Ziehen ihrer Schlitten“, erzählt der junge Tierpfleger. Damit ist klar, wer dem Weihnachtsmann seine Zugtiere empfohlen hat.

Längere Beine als Anpassung an die Schneeverhältnisse

Sie haben ein sehr dickes Fell gegen die Kälte, begnügen sich als Futter mit Moosen, Pilzen und Flechten, oftmals die einzige Nahrungsquelle in kalten Wintern. Die Waldrentiere gehören zu den Wiederkäuern. Sie sind im Stockmaß etwa 15 Zentimeter größer als andere Rentiere und haben längere Beine. Diese werden als evolutionäre Anpassung an die Schneeverhältnisse im Lebensraum des Waldrens gedeutet.

Auch ihre Hufe sind besonders: Durch eine elastische Haut sind sie aufgespreizt. Somit sinken sie kaum im Schnee ein und können auf glatten Böden sicher und schnell laufen. Nicht verwunderlich, dass sie ebenso wie Moschus-Ochsen im Nachbargehege im Zoo den kurzzeitigen Wintereinbruch in Krefeld genossen haben.

Zu der Ren-Gruppe gehören inzwischen die beiden Jungtiere Susanne (von Alena) und Jost (von Antje). Von wem sie jeweils abstammen, können Besucher gut erkennen. Alena ist viel heller, vor allem im Halsbereich, als Antje, das haben beide an ihren Nachwuchs weitergegeben. Außerdem zeigt Antjes Geweih nach hinten gerade weg, bei Alena geht ein Ast nach hinten, der andere nach vorne. „Jedes Jahr bilden die Tiere neues Geweih aus, die Hirsche werfen es nach der Brunftzeit ab dem Spätherbst ab, die Renkühe erst im Frühjahr“, erzählt Fabio Blunck.

Die rote Nase ist keine Erfindung der Amerikaner

Von ihrem Naturell her sind die Waldrentiere ruhig, umgänglich und gemütlich. Außer in der Brunftzeit, da verteidigt der Hirsch seine Frauen und die wiederum kämpfen auch untereinander um seine Gunst. „In der Zeit trennen wir ihn von der Gruppe, um die Anlage betreten zu können“, sagt Fabio Blunck, der von den beiden dort außerdem tätigen langjährigen Revier-Tierpflegerinnen, Corinna Hammer und Christina Nolte, noch viel lernen kann. 

Beispielsweise: Dass die rote Nase des seit 1949 am meist besungenen Rentiers aller Zeiten „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“, keine Fantasie ist. Laut einer wissenschaftlichen Studie ist belegt, dass die Nase von Rentieren sehr viele Blutgefäße besitzt. Dadurch ist die Konzentration an roten Blutzellen dort um 25 Prozent höher als bei menschlichen Nasen. Wärme-Infrarotbilder zeigen, dass Rentiere tatsächlich rote Nasen haben.

„Das Waldrentier war 1920 in Finnland ausgestorben“, sagt Anna Grewer. Durch Einwanderung aus Russland und Auswilderung von Tieren aus europäischen Zoos ist die Zahl bis heute wieder auf etwa 2300 angewachsen. „Unser Traum ist, dass zukünftig auch Nachzuchten aus dem Krefelder Zoo in Finnland ausgewildert werden können“, so Anna Grewer. Auch der Weihnachtsmann würde sich über Nachwuchs freuen.

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