9. und 23. Oktober

„Die Kommissare“ zeigt Geschichte der Kriminalpolizei

Michael Okroy,  Frederike Krenz (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), die Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, Ulrike Schrader, und Polizeipräsident Markus Röhrl (v. l.) eröffneten die Ausstellung „Die Kommissare“ im Polizeipräsidium.
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Michael Okroy, Frederike Krenz (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), die Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, Ulrike Schrader, und Polizeipräsident Markus Röhrl (v. l.) eröffneten die Ausstellung „Die Kommissare“ im Polizeipräsidium.

Die Wanderausstellung in Wuppertal ist an zwei Tagen für die Öffentlichkeit zugänglich. Anmeldung notwendig.

Von Martin Gehr

Wuppertal. Im historischen Festsaal des Polizeipräsidiums ist eine Wanderausstellung zur Polizeigeschichte eröffnet worden. Unter dem Titel „Die Kommissare“ zeigt sie auf zwölf großformatigen Tafeln die Herausforderungen der Kriminalpolizei an Rhein und Ruhr zwischen 1920 und 1950. Die Ausstellung ist ein Projekt der Mahn- und Gedenkstätte in Düsseldorf und des Landeskriminalamts und steht unter der Schirmherrschaft des NRW-Innenministers Herbert Reul (CDU).

Anhand von Zeitungsausschnitten, erkennungsdienstlichen Fotos, Zitaten und Steckbriefen demonstriert sie die mitunter grausame Realität der Kriminalpolizei von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit. Sie beleuchtet Ausrüstung, Krisen, Verbrecher und vor allem die Zeit des Nationalsozialismus, in denen Polizei- und Kriminalbeamte „zu Vollstreckern eines Unrechtsregimes wurden“, formuliert es Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl vor 50 Gästen in seiner Eröffnungsrede.

„Warum richten wir den Blick auf unsere Vergangenheit, obwohl wir doch zu Genüge mit heutigen Problemen konfrontiert sind?“, lässt der Polizeipräsident eine Frage aufkommen, die er mit einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker beantwortete: „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“

Einer, der in seiner Zeit mit offenen Augen handelte, war Paul Kreber, dessen Leben in der Ausstellung ebenfalls berücksichtigt wird: In den 40er Jahren war er als Kriminalassistent für die Verfolgung der Sinti und Roma in Wuppertal zuständig. Einer befreundeten Familie rettete er jedoch das Leben, indem er sie vor dem Konzentrationslager bewahrte.

So offenbart die Ausstellung die Folgen, „wenn dem Einzelnen die Macht gegeben wird, Menschen auf der Basis pseudowissenschaftlicher Befunde zu Verbrechern abzustempeln, sie auszusortieren und über ihre körperliche Unversehrtheit oder gar ihr Leben zu entscheiden“, heißt es auf einer der Texttafeln. Sie sind mit einem Audioguide verknüpft, den Besucher über QR-Codes auf dem Smartphone aktivieren können. „In die 20er bis 50er Jahre fielen mehrere gravierende Veränderungen in Politik und Gesellschaft, darunter die Weltwirtschaftskrise und später die Zeit des Nationalsozialismus“, reflektiert Röhrl die damalige Situation. Im Unterschied dazu sei die Gegenwart der polizeilichen Arbeit einerseits von Konstanz geprägt.

Andererseits sei die Zeit „schnelllebiger und aggressiver geworden, was sich unter anderem auch im Straßenverkehr widerspiegelt.“ Zudem habe die Digitalisierung ganz neue Phänomene der Kriminalität entwickelt, die nicht nur nach finanziellen Gewinnen streben, sondern auch das politische Handeln veränderten. Im Vergleich zu klassischen Diebstählen oder Einbrüchen sei diese Form der Kriminalität durch die Masse an Websites, aber auch Foren wie das Darknet komplexer geworden und dadurch schwerer zu erfassen.

Das Polizeipräsidium soll zu einem Lernort werden

Hinzu komme immer wieder Radikalisierung, von der man dachte, dass sie Geschichte ist? „Die Gesellschaft wird inhomogener“, so Röhrl, „sie spaltet sich auf und bildet keine Einheit mehr.“ Was das Engagement seiner jungen Kollegen betreffe, sei er zwar optimistisch. „Mich macht die Respektlosigkeit fassungslos, mit denen unsere Polizistinnen und Polizisten heute konfrontiert werden. Ihr Auftrag ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen, wofür sie auch das Vertrauen der Bevölkerung benötigen. Stattdessen werden sie angepöbelt oder erhalten Hassmails, die bis zu Tötungsfantasien führen. Da braucht man ein breites Kreuz.“

Das Polizeipräsidium soll deshalb weiter zu einem Lernort ausgebaut werden. Markus Röhrl sieht in diesem Lernort eine gesellschaftliche Aufgabe: „Je länger das Geschehen des Nationalsozialismus in der Vergangenheit liegt, desto mehr müssen wir darauf hinweisen und zu einer Reflexion des eigenen Denkens und Handelns animieren.“

Ausstellung

Die Ausstellung ist speziell für alle Beschäftigten der Polizei vorgesehen, doch am 9. und 23. Oktober wird sie auch der Öffentlichkeit zugänglich sein – jeweils von 10 bis 14 Uhr im historischen Festsaal des Polizeipräsidiums, Friedrich-Engels-Allee 228, in Wuppertal. Eintritt frei, Anmeldung per E-Mail an: oeffentlichkeitsarbeit.wuppertal@polizei.nrw.de

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