Kanutour

Verein will Wupper erlebbar machen

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Anouk Linnartz (l.) und Nara Zahran genießen Perspektiven der Paddeltour über die Wupper – hier in Höhe des Landgerichts. 

WUPPERTAL Eine Kanutour durch Wuppertal gibt ungewöhnliche Einblicke – immer am Freitagnachmittag.

Von Günter Hiege

Anouk Linnartz ist in Wuppertal geboren, hat ihr ganzes bisheriges Leben mit der Wupper verbracht. „Aber aus dieser Perspektive habe ich sie noch nie gesehen“, schwärmt die 21-jährige Studentin nach zwei Stunden paddeln durch ihre Heimatstadt.

Nichts zu spüren etwa vom hektischen Straßenverkehr auf der Talsohle. Von Brücken und Ufern winken immer wieder Menschen, die wohl gern mit den Paddlern getauscht hätten. Anouk Linnartz geht es wie den übrigen 18 Teilnehmern der Kanutour mit Slalom-Weltmeister Thomas Becker, die zum Auftakt der Woche des bürgerschaftlichen Engagements vom Verein Neue Ufer Wuppertal präsentiert wurde.

Das Versprechen von der Lebensader Wupper

Der Solinger Becker bietet diese Ausflüge von der Dörner Brücke bis zur Rutenbeck seit Jahren an Freitagnachmittagen an, für den Verein Neue Ufer passen sie ideal ins Konzept, das da heißt, die Wupper auch für die Bevölkerung zugänglich und erlebbar zu machen und die Politik stetig an ihr vor 40 Jahren gegebenes Versprechen von der „Lebensader Wupper“ zu erinnern. Weil der einstige Industriefluss inzwischen sauber geworden und durch Talsperren und Uferbefestigung gezügelt ist, sind die Voraussetzungen dafür geschaffen. An den meisten Stellen ist sie aber gerade zum Zweck dieser Zügelung durch meterhohe Mauern noch einbetoniert.

Dass das weiter seinen Sinn hat, hat der Starkregen vom Mai gezeigt. Damals konnte auch die Regelung durch die Talsperren ein abruptes Anschwellen der Wassermassen nicht verhindern, weil es binnen Minuten aus den vielen ummauerten Spundlöchern der sonst kleinen Wupperzuflüsse schoss wie aus Düsen. Ehrfürchtig weist Rudolf Bergner, der mit Thomas Becker die Gruppe führt, auf den Pegel kurz vor einem dieser winzigen Zuflüsse – dem Kluser Sprung – hin. Bis auf 2,80 Meter sei damals der Pegel kurzzeitig gestiegen. Jetzt sind wir bei kaum 50 Zentimetern und es ist gut, dass Bergner und Becker die Gruppe an den vielen Steinen vorbeilotsen, die bei diesem niedrigen Wasserstand aus dem Fluss ragen.

Ab und zu bleibt auch mal ein Kanu daran hängen und muss von den beiden mit starken Armen wieder frei gezogen werden. Dabei haben die sogenannten Aufsitzer-Kanus, in denen jeweils zwei Leute Platz finden, schon einen minimalen Tiefgang und überstehen auch Grundberührung – wie etwa in Höhe Junior Uni, hinter der Ohligsmühle oder später vor dem Stadion am Zoo schadlos.

Zugang derzeit nur an der Dörner Brücke und in Höhe der IHK

Zugänglich ist die Wupper im Bereich der Zehn-Kilometer-Tour derzeit nur an der Einstiegstreppe an der Dörner Brücke und in Höhe der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Auch die Bänke am Ufer sind meist von der Wupper abgewandt“, kritisiert Dajana Meier vom Verein Neue Ufer.

NATURIERUNG

ERFOLGE Dass sich schon etwas getan hat, beweisen naturierte Passagen wie hinter dem Loh, im Bereich Arrenberg und in der Rutenbeck, in denen die Wupper dank eingebrachten Steininseln schon wieder fast den Charakter eines Mittelgebirgsflusses angenommen hat.

Am Arrenberg steht die eine oder andere private Bank auf dem begrünten Uferparkett, haben Anwohner das Wupperufer sozusagen als Vorgarten eingerichtet. „Die anschließende Passage des Bayerwerks fand ich nicht so schön“, sagt Nara Zahran, Paddelpartnerin und Freundin von Anouk Linnartz. Doch auch das gehört zur Geschichte der Wupper, genau wie die ehemaligen Fabrikgebäude im Bereich zwischen Loh und Völklinger Straße oder am Arrenberg, die längst anders genutzt werden.

Hinter dem Stadion, wo dann auch die Schwebebahn die Paddler verlässt, glaubt man dann schon fast, in unberührte Natur einzutauchen. „Wenn die Sonne durch die Äste scheint, die auf die Wupper hinabhängen, das ist einfach toll“, findet Anouk Linnartz, die ihren Stadtfluss ab sofort mit ganz anderen Augen betrachten wird.

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