Verein wehrt sich gegen Corona-Protest

Demonstranten zogen durch Remscheid

Von Axel Richter

Remscheid Die Nachbarn der Alten Bismarckstraße wollen ihr Viertel nicht von Verschwörungsideologen und Populisten missbrauchen lassen. Überraschend waren am Donnerstagabend annähernd 500 Demonstranten durch die Straße gezogen. Willkommen waren sie dort nicht. Im Gegenteil. „Wir wollen so etwas hier nicht haben“, sagt Marvin Schneider, Vorsitzender des Vereins My Viertel, der sich für ein schöneres Wohn- und Geschäftsquartier engagiert.

Der Protestzug war am 30. Dezember unter dem Motto „Freiheit / Für eine freie Impfentscheidung“ bei der Polizei angemeldet worden. Wie schon vor dem Jahreswechsel sammelten sich die Teilnehmer, die aus verschiedenen Städten nach Remscheid gekommen waren, auf dem Schützenplatz. Von dort zogen sie über die Martin-Luther-Straße in Richtung Innenstadt.

Marvin Schneider, der über der Saxo Bar wohnt, blickte aus dem Fenster. „Ich habe mich fürchterlich geärgert“, sagt er. Seine Mutmaßung: Die Demonstranten haben sich bewusst auf den Weg durch sein My Viertel begeben, um in der Kneipenszene Punkte zu sammeln. Schließlich sind die Gastronomen von den geltenden Coronamaßnahmen besonders betroffen. Erst recht, sollten sich die Regeln für die Unternehmen auf 2G plus verschärfen. Doch, sagt Schneider, Geschäftsführer der Remscheider Grünen und Mitarbeiter im Saxo: „Wir tragen alles mit. Wir beklagen uns nicht.“

Nach dem Aufmarsch wandte Schneider sich an seine Vereinsmitglieder im My Viertel. Danach stand fest: „Wir müssen Stellung beziehen, unser Viertel soll nicht zur Bühne für Querdenker und Schwurbler werden.“

Nachbarn empfanden Aufzug als bedrohlich

In den sozialen Netzwerken verbreitete der Verein daraufhin folgende Botschaft: „Unser Verein, unser Viertel hat das Motto Liebe. Toleranz. Weltoffenheit. Wir arbeiten solidarisch und ehrenamtlich. Bei uns wird diskutiert und auch schon mal gestritten. Wir unterstützen einander und greifen uns unter die Arme. Wir tun all das, was die Menschen, die durch unser Quartier marschiert sind, nur vorgeben zu tun. Uns ist es wichtig, nicht zu pauschalisieren und jeden Teilnehmer oder jede Teilnehmerin über einen Kamm zu scheren. Aber den Leuten gute Absichten zu unterstellen, die mit ihren Kindern marschieren, die Parolen von sich geben, die man nicht wiederholen möchte. . . Das können wir nicht. Wir finden es furchtbar, dass dieser Zug durch unser kleines Viertel gezogen ist.“

Der Aufzug endete am Schützenplatz, wo er begonnen hatte. „Er verlief friedlich und auflagenkonform“, erklärt die Polizei. Die Nachbarn der Alten Bismarckstraße empfanden die dunkle Menschenmasse vor ihren Haus- und Kneipentüren dennoch als bedrohlich. Nach dem Schock vom Donnerstag denken sie nun über eine Gegendemonstration nach: „Für den Fall, dass diese Leute hier wieder aufmarschieren, werden wir sichtbar Stellung beziehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ein Nachtbürgermeister soll kommen – die Frage ist wie
Ein Nachtbürgermeister soll kommen – die Frage ist wie
Ein Nachtbürgermeister soll kommen – die Frage ist wie
Stadthallen-Sanierung kostet 6,3 Millionen
Stadthallen-Sanierung kostet 6,3 Millionen
Stadthallen-Sanierung kostet 6,3 Millionen
Unfall: Täuschungsversuch endet mit mehreren Anzeigen
Unfall: Täuschungsversuch endet mit mehreren Anzeigen
Unfall: Täuschungsversuch endet mit mehreren Anzeigen

Kommentare