Landgericht

Verdächtiger nach Säureanschlag auf Innogy-Manager frei

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Der Energiemanager Bernhard Günther war vor eineinhalb Jahren mit Säure überschüttet worden.

WUPPERTAL/ HAAN Vor einem Monat schien es, als wäre der Säureanschlag auf Innogy-Manager Bernhard Günther weitgehend aufgeklärt. Nun hat das Wuppertaler Landgericht den Verdächtigen auf freien Fuß gesetzt. Es liege kein dringender Tatverdacht vor.

Der nach dem Säureanschlag auf Innogy-Vorstand Bernhard Günther festgenommene Verdächtige kommt auf freien Fuß. Das hat das Wuppertaler Landgericht am Freitag entschieden. Der Haftbefehl sei aufgehoben und die Entlassung des Mannes angeordnet worden, weil kein dringender Tatverdacht vorliege, sagte ein Gerichtssprecher. Zunächst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Die Staatsanwaltschaft hat sich noch nicht entschieden, ob sie gegen die Freilassung vorgeht: Man werde dies prüfen und gegebenenfalls Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen, sagte eine Sprecherin.

Günther war nach Angaben seines Sprechers am Freitagmittag über den Beschluss des Landgerichts informiert worden. „Diese Entscheidung war für uns so nicht zu erwarten und ist für Herrn Günther schwer nachvollziehbar. Er ist erschüttert“, sagte ein Sprecher des Managers der Deutschen Presse-Agentur.

Für den Manager und seine Familie steige jetzt „die Bedrohungslage“. Die Entscheidung sei auch deshalb überraschend, weil sich nach Kenntnis Günthers der Tatverdacht gegen den Festgenommenen sogar verfestigt habe.

Der Innogy-Finanzchef war am 4. März 2018 nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf von Vermummten überfallen und mit hochkonzentrierter Säure übergossen worden. Eineinhalb Jahre später war im Oktober diesen Jahres in Köln ein 32-jähriger Verdächtiger festgenommen worden.

Er war bei einem Ringer-Turnier festgenommen worden. In mehreren Städten gab es zudem Durchsuchungen, die sich gegen weitere Verdächtige richteten.

Was hinter dem Säureanschlag steckt und wie viele Verdächtige es gibt, wollten die Ermittler aus taktischen Gründen nicht verraten. Günther hatte schwerste Verletzungen erlitten und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Mit einem Hubschrauber war er in eine Spezialklinik gebracht worden. Der Fall schlug bundesweit hohe Wellen.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hatte zunächst wegen versuchten Mordes ermittelt, den Tatvorwurf später aber auf schwere Körperverletzung abgemildert. Ein Tötungsvorsatz werde absehbar nicht zu beweisen sein, hieß es dazu am Freitag. Innogy hatte bis zu 80 000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.

Der Manager war im März 2019 - rund ein Jahr nach dem Angriff - bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Die Folgen des brutalen Angriffs waren ihm dabei noch anzusehen. Er trug eine getönte Sonnenbrille und ein schwarzes Band um die Stirn. „Ich freue mich hier zu sein“, hatte er gesagt. Das sei „vor einem Jahr alles andere als klar gewesen“.

Wenige Tage nach dem Überfall auf Günther war bekannt geworden, dass die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und Teile vom Konkurrenten Eon übernommen werden sollten. Die Übernahmeofferte von Eon habe seine Rückkehr ins Arbeitsleben beschleunigt, hatte Günther gesagt.

Günther war nicht zum ersten Mal Opfer eines Überfalls geworden. Einige Jahre zuvor war er ebenfalls beim Joggen überfallen und zusammengeschlagen worden. Medienberichten zufolge soll der Säureanschlag von einem Konkurrenten in Auftrag gegeben worden sein, der sich Chancen auf Günthers Vorstandsposten ausgerechnet hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte dies nicht kommentiert. dpa

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