Blinde Zerstörungswut

Betrunkener zündet Jesuskind in Weihnachtskrippe an

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Fernando Machado vor der demolierten Weihnachtskrippe in Sankt Laurentius. Er hat den Betrunkenen festgehalten, bis die Polizei kam. 

BURSCHEID Am Neujahrstag brannte ein Teil der Krippe in Sankt Laurentius. Die Kirche wurde geschlossen.

Von Anja Wollschlaeger

Brandspuren zeichnen die Mullwindel, in die das hölzerne Jesuskind eingewickelt ist. Als Machado die Kirche betrat, sah er, wie ein stark alkoholisierter Mann, Weihwasser auf die brennende Stelle warf.

Feuer am Jesuskind, umgestürzte Figuren, ein Schaf mit nur noch zwei Beinen – die Krippe in der Apis an der linken Seite des Eingangsbereichs von Sankt Laurentius hat am Abend des Neujahrstages einiges abbekommen. Als Fernando Machado erzählte, was er erlebt hat, war er noch immer gezeichnet von den Eindrücken. Aufgeregt schilderte er, wie er gegen 17.30 Uhr mit seiner Frau in die katholische Kirche an der Höhestraße gekommen war, um zu beten: „Als ich hier mit meiner Frau hereinkam, sah ich diesen Mann, wie er mit seinen Händen in das Weihwasserbecken griff und Wasser auf das brennende Jesuskind in der Krippe warf.“

Machado sprach ihn an, doch der Mann verließ sofort die Kirche. Geistesgegenwärtig nahm Machado die Verfolgung auf, fasste den Flüchtenden und hielt ihn fest, bis die Polizei kam. Später stellten die Beamten bei dem 39-Jährigen einen Wert von 1,6 Promille Alkohol fest – eine Menge, die laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu deutlichen Störungen beim Sprechen, Reaktions-, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen führt.

Im Weihwasserbecken schwammen am Abend noch verbrannte Stücke des Mulltuches, das angesengt um das Jesuskind in der Krippe lag.

Kirche wird zur Aussendung der Sternsinger geöffnet

Die Beamten nahmen den Betrunkenen mit zur Wache. Im Polizeibericht heißt es: „Zur weiteren Gefahrenabwehr wurde der Mann vorläufig in Gewahrsam genommen.“ Nach der Ausnüchterung durfte er am Donnerstagmorgen die Zelle aber wieder verlassen. In seiner ersten Vernehmung hat er angegeben, er sei nur zum Beten in die Kirche gekommen.

Die Gemeinde traf noch am Abend erste Sicherheitsmaßnahmen. Küsterin Martina Dürdoth schloss, nachdem alle Formalitäten erledigt waren, das Gotteshaus ab. Auch am Donnerstag konnte es nicht betreten werden. Am Freitag soll die Kirche wieder öffnen: Um 10.30 Uhr werden in der Kirche die Sternsinger ausgesandt. Der Zugang zum Kirchenschiff ist außerhalb der Messen normalerweise durch ein Tor versperrt. Aus Sicherheitsgründen darf nur der Vorraum betreten werden. Wann und ob die Kirchentür wieder dauerhaft geöffnet wird, muss der Kirchenvorstand entscheiden, sagte die Küsterin.

Am Donnerstag kümmerte sich Johanna Dreyer um die Herrichtung des Krippenbildes. Die 76-jährige kümmert sich mit ihrem Ehemann Günter seit rund 15 Jahren um die Krippe und gibt ihr von November bis Februar immer wieder ein neues Aussehen. Am Silvestertag hatte sie zuletzt die Heiligen Drei Könige aufgestellt.

Beine an einer Krippenfigur abgebrochen

KRIPPENWEG

BEGINN Seit St. Martin wird die Krippe jede Woche umgestellt.

NEUJAHR Anfang des neuen Jahres kommen die Heiligen Drei Könige zu Besuch. Nach diesem Bild wird die Flucht nach Ägypten gezeigt.

STATIONEN Im Januar wird die Flucht nach Ägypten gezeigt. Zum Abschluss wird ab Mariä Lichtmess (2. Februar) die Darstellung Jesu im Tempel zu sehen sein.

UMGESTELLT Die Krippe wird insgesamt zehnmal verändert. Dazu ist es erforderlich, dass die Figuren umgezogen werden und manchmal auch Köpfe gewechselt werden müssen.

Am Mittwochabend waren die Eheleute gleich zur Kirche gekommen, als sie von dem Vorfall gehört hatten. Johanna Dreyer war wie die Eheleute Machado sichtlich geschockt. Sie sagte: „Es ist so schade, dass das gerade jetzt in der Zeit passiert, wo so viele Leute in die Kirche kommen.“ Etwa zehn Opferlichter, die an diesem Abend noch brannten, zeigen, wie der Raum zum Beten frequentiert wird. Links neben der Krippe stehen ein Spendenkörbchen und eine Laterne mit dem Friedenslicht - daran können Besucher ihre Kerze entzünden. Was sonst noch hätte passieren können? Am Mittwochabend überlegten die Gemeindemitglieder mit Fürchten, dass auch das Stroh in der Krippe hätte Feuer fangen können. Dann wäre der Schaden noch viel größer. Machado sagt von ganzem Herzen: „Gott sei Dank“. Er dankt auch dafür, dass ihm bei der Verfolgung nichts passiert ist. Der Betrunkene hatte noch eine Bierflasche in der Hand.

Wie groß der Schaden an den Krippenfiguren ist, zeigt sich erst bei näherer Betrachtung, so Dürdoth. Ob es repariert werden kann, muss sich noch zeigen. Die Figuren stammen zum größten Teil aus einer Stiftung, die die Kirche 1958 bekommen hat. Es sind Original-Schnitzereien aus Oberammergau.

Der Vorfall erinnert an die Ärgernisse um die Krippe des Gartenbauvereins – dort war 2008 das Jesuskind entwendet worden.

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