Mirker Bahnhof

Utopiastadt sucht Helfer für die Sanierung

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Der Mirker Bahnhof steht unter Denkmalschutz. 

WUPPERTAL Die Räume im Mirker Bahnhof sind komplett vermessen. Aktuell läuft in Wuppertal die Planung für die Umbauphase.

Von Peter Ryzek

Vor genau drei Jahren – am 24. April 2016 – überraschte ein Schwelbrand im Dachgeschoss des Mirker Bahnhofs Besucher des Mobilitätstages, Veranstalter und Betreiber gleichermaßen. Flammen schossen damals aus dem Giebel empor und beschädigten das historische Gebäude von 1882. Um überhaupt an den Brandherd zu gelangen, musste die angerückte Feuerwehr, die den Brand anschließend schnell unter Kontrolle bringen konnte, Teile der Außenfassade freilegen. Wie aber sieht das Fazit nach nun mehr als 1000 Tagen aus und sind heute noch Folgen des Brandes zu sehen?

Isabella und Arndt Rosenkaymer und Projektleiterin Madonna Al-Hakim (v.l.) vom Architektenbüro insa4 rosenkaymer architekten PartG mbB haben die Räume des Mirker Bahnhofs mit einem Spezialgerät ausgemessen.

In Zusammenhang mit diesem Ereignis mussten zwar einige Reparaturarbeiten erledigt werden. Aber viel wichtiger waren für David J. Becher, eines der Vorstandsmitglieder des Mirker Bahnhofs, die positiven Schlüsse aus der Situation: „Eine sehr wichtige Folge des Brandes ist der Umstand, dass wir festgestellt haben, dass wir die Sicherheit haben, ein sehr entspanntes Handling in Extremsituationen hinzubekommen – verbunden mit der Erfahrung, auch künftig aufmerksam damit umzugehen.“

Auch die angerückte Feuerwehr sei voll des Lobes gewesen, dass die Ehrenamtler bereits vor Eintreffen der Feuerwehr die Menschen in Sicherheit gebracht hatten. Bei größeren Veranstaltungen seien es ausschließlich die Ehrenamtlichen, die für den Ablauf sorgen, so Becher. „Die langfristige Nachwirkung ist, dass durch Verantwortungsbereitschaft, kurze Meldeketten und Kompetenz auch weiterhin diese Dinge ernst genommen werden.“

In puncto Reparaturen sei relativ wenig zu tun gewesen, etwa die Fassadenverkleidung, Fenster und ein Teil der Dielen, da der Dachstuhl selbst nicht angegriffen war: „Lediglich die Fassadenverbretterung musste von der Feuerwehr, die sich sehr sorgsam verhalten hat, gelöst werden, um zu prüfen, ob es dort einen Schwelbrand gab“, berichtet Becher.

„Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Raummessungen sind gelaufen und der Bauphasenplan wird gerade fertiggestellt.“
David J. Becher, Vorstandsmitglied des Mirker Bahnhofs

Wie geht es nun nach Bewilligung des Fördergelds weiter? Die Entwurfsplanung war nötig für die Baugenehmigung, die Voraussetzung für den Förderbescheid ist. Zwar ging einige Zeit ins Land, bevor die Ausführungsplanung ausgeschrieben und das Wuppertaler Generalplanungsbüro Insa4 mit der Umsetzung beauftragt wurde. „Ständig werden wir gefragt, wann es denn endlich losgeht. Die Leute denken, solange kein Gerüst steht, passiert nichts. Aber: Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Raummessungen sind gelaufen und der Bauphasenplan wird gerade fertiggestellt“, sieht Becher alles auf einem guten Weg.

RUND UM DAS PROJEKT

HISTORIE Der Bahnhof Mirke wurde 1879 eingeweiht und 1882 endgültig fertiggestellt. Im Laufe der Jahre verlor allerdings die Rheinische Strecke mehr und mehr ihre Bedeutung und damit auch der Bahnhof. 1991 wurde die Strecke stillgelegt. Im Bahnhof waren in den Folgejahren unter anderem eine Arztpraxis, ein Schießstand und ein Getränkehandel untergebracht. Zum Großteil stand er aber leer.

AKTIVITÄTEN Neben dem Café Hutmacher, das 2013 eröffnet hat, gibt es im Bahnhof Mirke heute unter anderem einen Fahrradverleih und ein Reparatur-Café.

FÖRDERER „Unser Dank gilt natürlich nach wie vor den Unterstützerinnen und Unterstützern, die durch großzügige Spenden den monetären Eigenanteil von Utopiastadt an den Sanierungskosten ermöglicht haben, allen voran der Dr.-Werner-Jackstädt-Stiftung und der NRW-Stiftung“, hatte David J. Becher noch im Dezember erklärt.

KOSTEN Gut vier Millionen Euro stehen für die Sanierung zur Verfügung, 80 Prozent davon werden gefördert. Den Eigenanteil hat die Utopiastadt gGmbH als Bauherr über Sponsoren eingeholt. Einen weiteren Teil steuert sie über Arbeitskraft bei.

Man habe zudem für die bauliche Selbsthilfe, die ein wichtiger Faktor der Finanzierungsbeteiligung sei, einen Fragebogen zusammengestellt, der im Café Hutmacher ausliege: „Es gibt eine unfassbare Fachkompetenz bei den Ehrenamtlichen, wo sich gerne noch mehr Menschen aus dem Einzugsgebiet einbringen können“, sagt Becher. Er würde sich über weitere Unterstützung der Wuppertaler freuen. Für die Mithilfe bei der Sanierung des Bahnhofgebäudes werden beispielsweise Menschen gesucht, die Maurer-, Zimmermanns- oder auch Tischlerarbeiten übernehmen können. Gefragt sind auch immer Fachkräfte im Bereich Elektro- und Sanitärinstallationen. Auch über Fliesen- und Trockenbauer und solche, die verputzen und/oder Malerarbeiten verrichten können, würden sich die Verantwortlichen sehr freuen.

Utopiastadt bezeichnet sich auch als andauernder Gesellschaftskongress mit Ambitionen und Wirkung. Dies wird besonders bei solchen Projekten offenkundig. Stetige Verbesserungen von Strukturen und der Umgang mit den Veränderungen haben den Mirker Bahnhof immer weiter ins Bewusstsein der Wuppertaler gerückt, denn für die Macher ist immer ein wichtiger Faktor, was man aus den Erfahrungen ableiten kann und wie man damit umgeht.

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