Wuppertal

Zauberflöte: Laienorchester darf Oper begleiten

Der Instrumental-Verein probt im großen Saal im Polizeipräsidium in Barmen für „Die Zauberflöte“. Angeleitet werden die professionell spielenden Laien von Dirigent Christof Hilger. Foto: Michael Mutzberg
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Der Instrumental-Verein probt im großen Saal im Polizeipräsidium in Barmen für „Die Zauberflöte“. Angeleitet werden die professionell spielenden Laien von Dirigent Christof Hilger.

Ältestes Laienorchester Wuppertals wirkt in Aufführung von Mozarts „Die Zauberflöte“ mit. Karten gibt es ab sofort.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Respekt haben sie schon, aber auch einige Erfahrung und wachsendes Zutrauen in die eigenen Fertigkeiten. Die Musikerinnen und Musiker des Instrumental-Vereins Wuppertal proben Mozarts Oper „Die Zauberflöte“. Mit einigen Unterbrechungen seit Juni 2020, also seit bald zwei Jahren.

Die Pandemie hat auch dieses Projekt durcheinandergewirbelt. „Wir merken, das wird schon“, ist Sigrid Blödorn zuversichtlich. Die Hornistin ist im „normalen“ Leben Lehrerin für Deutsch und Bautechnik an einer Berufsschule. Denn das beliebte Orchester besteht aus professionell spielenden Laien. Am 16. Juni sitzt es im Orchestergraben der Oper in Barmen und begleitet die viel gefeierte Inszenierung von Regisseur Bernd Mottl. Die letzte „Zauberflöten“-Aufführung in dieser Spielzeit.

„Seitenwechsel“ heißt das Projekt, das Berthold Schneider ins Leben ruft. Inspiriert durch seine Zeit an der English National Opera und die experimentierfreudige wie offene Art im englischsprachigen Raum. Motiviert von dem Wunsch, seine Begeisterung für Oper mit möglichst vielen Menschen zu teilen. „Die Intensität einer gemeinschaftlichen Aufführung großer Werke ist nur mit wenig anderem zu vergleichen“, ist der Opernintendant überzeugt und verspricht den Mitwirkenden Erfahrungen, „die ihr Leben lang unvergessen bleiben“.
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Dass er zum Start den Instrumental-Verein angefragt hat, liegt für ihn auf der Hand: Er ist das älteste Orchester der Stadt, gegründet 1830 von Mitgliedern der Langenbach‘chen Kapelle, die als Vorläufer des (professionellen) Sinfonieorchesters Wuppertal gilt. Berufsorchester waren im 19. Jahrhundert nicht weit verbreitet, „die Grenzen zwischen Liebhabern und Profimusikern fließender“, so Schneider. Eine „Durchlässigkeit“, an die er nun anknüpft.

Im Herbst 2019 kam die Anfrage der Oper zum Wechsel der Seiten, vom Zuhörer zum Mitwirkenden, der damals noch in der Spielzeit 2020/21 erfolgen sollte. Nikolaus Tschöpe, erster Vorsitzender des Instrumental-Vereins, Trompeter und Musikschullehrer, fühlte sich geehrt, und klärte zunächst, ob die damit verbundene Probenleistung zu erbringen war.

Dirigent Christof Hilger, der Professor für Klarinette an der Musikhochschule in Köln ist, erkannte wiederum sofort „die einmalige Chance, dass das Orchester sich an einer großen und richtigen Oper“ versuchen konnte. Die noch dazu von seinem Lieblingskomponisten erschaffen worden war, dessen Musik ihm selbst stets gute Laune vermittelt.

Abwechslung im musikalischen „Alltag“ des Instrumental-Vereins, der aus zwei Sinfoniekonzerten im Jahr (im Frühjahr und Herbst) mit klassischen Werken bis Hindemith – früher in der Immanuelskirche und heute in der Historischen Stadthalle – besteht.

75 Musikerinnen und Musiker sind im Orchester. Die Altersspanne reicht von 20 bis 86 Jahren, das Gros ist zwischen 40 und 60 Jahren alt. Wer mitspielen will, kommt einfach. Das passe schon, da die meisten ihre Fertigkeiten schlechter einschätzen als sie seien, weiß Hilger.

Nur wenige haben studiert, die Mehrheit hat in jungen Jahren privat oder an der Musikschule ihr Instrument gelernt, ist dann in den Beruf gegangen und will nach mehr oder weniger vielen Jahren in der Freizeit wieder aktiv Musik machen, weil sie ihnen gefehlt habe.

Viele Berufstätige mit Kindern, die nicht mehr so klein sind. Ab und an kommen auch Studierende dazu wie Lena Kubillus, die seit 2020 die erste Geige spielt. Das Orchester sei wie eine zweite Familie, schwärmt die Lehramtsstudentin für Biologie und Geografie.

Nun also Mozarts populärstes Musiktheaterwerk, das natürlich alle kennen und mögen. Mit seinen ständigen Freiheiten, den beweglichen Tempi, Tonarten-, Rezitations- und Ensemblewechsel, der Dichte unterschiedlicher Ereignisse, erklärt Hilger. Mit erhabenen, freudigen und witzigen Stellen, aber auch dramatischen, die das Werk von Anfang bis Ende abwechslungsreich machen, erzählt Kubillus. Die spritzige Wuppertaler Inszenierung, die bislang (seit der Spielzeit 2020/21) elfmal aufgeführt werden konnte, haben sie sich gemeinsam in einem Film angeschaut. Einige wenige auch live im Opernhaus.

Geprobt wird im großen Saal im Polizeipräsidium in Barmen. Die großartige wie technisch anspruchsvolle Musik muss demnächst in einem dunklen Graben gespielt werden, wo alles anders klingt und die Abläufe anders sind. Es „eine Stunde und 50 Minuten Schlag auf Schlag geht, nur die Dialoge ein wenig aufatmen lassen“, beschreibt Hilger. Die zahlreichen Videoeinspielungen in Mottls Inszenierung stellen eine eigene Herausforderung dar.

Eine weitere, die Beschränkungen durch die Pandemie, die zwei Konzerte zum Zeitpunkt der Hauptprobe ausbremste, ist zum Glück nun kein Thema mehr. Man trifft sich analog, hält Abstand, manche tragen Maske. Mit den anderen, dem Chor, den Sängerinnen und Sängern der Oper, kommt man leider erst kurz vor der Aufführung zusammen. Entsprechend fehlt der Gesang nun, besonders bei den Rezitativen. Was Hilger mit eigener Stimme immer mal wieder zu überbrücken versucht.

Eine Art vorweggenommener Generalprobe ist jedenfalls schon mal geglückt: Beim Konzert im März standen Auszüge aus der „Zauberflöte“ auf dem Konzert-Programm in der Historischen Stadthalle.

Hintergrund

Mozarts „Die Zauberflöte“ wird am Donnerstag, 16. Juni, um 16 Uhr mit dem Instrumental-Verein in der Oper in Barmen aufgeführt. Inszenierung und Besetzung sind bis auf das Orchester unverändert, Johannes Witt hat die musikalische Leitung. Der Instrumental-Verein probt im großen Saal des Polizeipräsidiums, Friedrich-Engels-Allee 228, dienstags von 19.45 bis 22 Uhr. Interessenten nutzen das Kontakt-Formular im Netz (www.instrumental-verein-wuppertal.de) oder wenden sich an den Vorsitzenden Nikolaus Tschöpe telefonisch unter Tel. (0 21 91) 6 02 37.

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