Klima

Universität Wuppertal stellt auf grünen Strom um

Zwei Drittel der CO2-Produktion einer Universität entfallen auf die Gebäude. Archivfoto: T. Riehle/Uni
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Zwei Drittel der CO2-Produktion einer Universität entfallen auf die Gebäude.

Initiative Students for future fordert von der Hochschule mehr Eigeninitiative und Strahlkraft auf die Stadt.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Die Bergische Universität Wuppertal (BUW) hat zum Ende des vergangenen Jahres einen großen Schritt zur Klimaneutralität vollzogen und von grauem auf grünen Strom umgestellt. Als Partner im Projekt „Klimaneutrale Landesverwaltung“ verfolgt sie das Ziel, 2030 klimaneutral zu sein.

Die Initiative Students for future sieht auf diesem Weg noch großen Handlungsbedarf und erwartet mehr Eigeninitiative der Uni, um das vom Land NRW vorgegebene Ziel zu erreichen. Die Reduktion der Produktion von CO2 ist die Voraussetzung, um Klimaneutralität zu erreichen.

Die Stadt Wuppertal hat sich die Klimaneutralität bis 2035 zum Ziel gesetzt. Per Ratsbeschluss wurde die Verwaltung beauftragt, einen Stufenplan mit den aus heutiger Sicht möglichen Maßnahmen zu erarbeiten. Noch ambitionierter sind die Pläne des Landes, das das Jahr 2030 als Ziel ausgegeben hat.

„Die Faustformel lautet, zwei Drittel der CO2-Produktion einer Universität entfallen auf Gebäude und Gebäudebetrieb, der Rest entsteht überwiegend durch Mobilität.“

Roland Kischkel, Hichschulkanzler

Roland Kischkel, Kanzler der Bergischen Universität, erläutert die Einflussmöglichkeiten der Hochschule im Hinblick auf die Klimaziele. „Etwa zwei Drittel der CO2- Produktion einer Universität stehen in Zusammenhang mit den Gebäuden, sowohl strukturell als auch im Betrieb. Wir nutzen überwiegend Gebäude, die in einer Zeit errichtet wurden, in der Energieeffizienz und Ressourcenschonung noch keine große Rolle gespielt haben. Die Faustformel lautet, zwei Drittel der CO2-Produktion einer Universität entfallen auf Gebäude und Gebäudebetrieb, der Rest entsteht überwiegend durch Mobilität“, so der Hochschulkanzler.

Die Universität sei nicht Eigentümer der Gebäude und stehe daher nicht in der Eigentümerverantwortung, sie habe nicht die Eigentümerrechte und auch nicht die Eigentümerressourcen. „Daher sind wir davon abhängig, in welcher Geschwindigkeit das Land, also der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), unsere Gebäude erneuert und damit energieeffizienter macht.“

Obwohl die Bergische Universität in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist, blieb der Stromverbrauch gleich. Das ist unter anderem zwei Ersatzneubauten und einem im Ganzen sparsameren Einsatz von Energie zu verdanken. Der erste Ersatzneubau war das Gebäude HC am Haspel, der zweite ist das Natur- und Ingenieurwissenschaftsgebäude an der Gaußstraße. Nummer drei und vier werden ein neues Domizil für die Experimentalphysik am Grifflenberg sein sowie der Ersatzneubau für das beim Starkregen 2018 betroffene Gebäude am Haspel.

Umstellung des Fuhrparks rechnet sich noch nicht

„Ob in den nächsten Jahrzehnten noch weitere Ersatzneubauten folgen, das wird man sehen. Der Regelfall ist die Erneuerung des Bestandes. Je schneller der Erneuerungsprozess läuft, desto größer ist die Wirkung in der CO2-Minderung. Wenn ich mir dafür ganz viel Zeit lasse, dann betreibe ich die alten Gebäude, die viel CO2 produzieren, noch lange Jahre weiter. Wenn ich schneller vorgehe, kann ich in diesem Bereich, der den größten Anteil an der CO2-Produktion einer Universität hat, den größten Effekt erzielen.“

Bei der Mobilität müsse zwischen der dienstlich veranlassten Mobilität und dem, was die Universität an Mobilität indirekt erzeuge, unterschieden werden. „Ob die Leute mit dem Auto, der Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß kommen, das tun sie aufgrund privater Entscheidungen. Da können wir nur appellieren und in Zusammenarbeit mit der Stadt und den Stadtwerken die Anbindung verbessern. Der ganz überwiegende Teil der Dienstreisen wird mit dem ÖPNV gemacht“, so Roland Kischkel.

Die Universität besitze keine große Fahrzeugflotte. Die Zahl der Fahrzeuge bewege sich im einstelligen maximal niedrigen zweistelligen Bereich. Da Universitäten zum wirtschaftlichen Handeln verpflichtet seien, werde der Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt, sobald sich die BUW das leisten könne. Bisher seien die Preisunterschiede zum Verbrennungsmotor noch zu groß.

Kristin Krebs ist Studentin der Bergischen Universität und Mitglied der Initiative Students for future. Dass die Universität jetzt grünen Strom aus regenerativen Quellen bezieht, wird von der Initiative nur als ein Schritt in die richtige Richtung bewertet. „Wir sind damit nicht zufrieden. Die Uni hat ein grünes Logo, aber so richtig grün ist sie nicht. Zum Beispiel hat die Universität kein eigenes Nachhaltigkeitsbüro. Wir würden es begrüßen, wenn sich die Universität eigene Zwischenziele auf dem Weg zur Klimaneutralität setzen würde“, sagt Kristin Krebs.

Das große Wissen, das an der Universität zu Fragen des Klimawandels und Klimaschutzes vorhanden sei, fließe in die Forschung ein, aber diese Strahlkraft für die Stadt sehe sie noch nicht. Die BUW sei aber nicht die einzige Universität, die auf diesem Gebiet Nachholbedarf habe.

„Dadurch haben wir mehr Nachfragepower.“

Roland Kischkel

„Wir haben nicht deshalb den Umstieg auf grünen Strom gemacht, weil die Argumente der Students for future so überzeugend waren, sondern weil es zu diesem Zeitpunkt möglich war. Auf dem Strommarkt ist grüner Strom zu Preisen verfügbar, den wir im Rahmen des wirtschaftlichen Einkaufs finanzieren können. Deshalb ist die Entscheidung in der letzten Vergaberunde zugunsten eines Angebots gefallen, aus dem wir zu 100 Prozent grünen Strom beziehen“, sagt Roland Kischkel.

Auch schon bei früheren Vergaberunden habe es einen hohen Anteil von regenerativem Strom gegeben. Der Strom werde in einer Einkaufsgemeinschaft mit anderen Hochschulen im Land bezogen. „Dadurch haben wir mehr Nachfragepower“, sagt Roland Kischkel.

Infrastruktur

Die Uni zählt rund 23 000 Studierende und 4000 Mitarbeitende. Die Gebäude auf dem Campus Grifflenberg wurden zu einem großen Teil in den 1960er Jahren bis zur Eröffnung 1972 errichtet.

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