Konzept

Universität soll mit in die Bahndirektion ziehen

Hier sollen Stadt, Job-Center und Uni einziehen und den Döppersberg beleben. Archivfoto: Andreas Fischer
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Hier sollen Stadt, Job-Center und Uni einziehen und den Döppersberg beleben.

Konzept wird bald vorgestellt – Stadt Wuppertal und Eigentümer Clees noch in Verhandlungen.

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal. Statt um Einkaufen wird es in der Wuppertaler Bundesbahndirektion in nicht allzu ferner Zukunft um Bürgerservice, Job-Beratung und – Hochschulbildung gehen. Denn auch die Uni will mit an den Standort am neuen Döppersberg ziehen. In das sogenannte „dritte Rathaus“. Das bestätigten die Bergische Universität ebenso wie Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig. Vom Eigentümer Alexander Clees war auf Anfrage kein Kommentar zu hören.

Slawig sagte, er freue sich über die „gelungene Kombination“, die das Gebäude künftig nutzen soll. Die Uni passe hervorragend an den Standort und zu der neuen Nutzung. Am heutigen Montag wollen alle Beteiligten die Details in einer Pressekonferenz bekanntgeben. Nach derzeitiger Planung soll nach Angaben der Uni das Institut für Bildungsforschung, die größte Einheit der School of Education, ebenso in das historische Gebäude ziehen wie vermutlich eine kleinere Einheit der Zentralen Studienberatung. „Insofern wird es sich insgesamt um eine durchaus nennenswerte Fläche handeln“, kündigt Sprecherin Denise Haberger an.

Für die Uni gebe es mehrere Gründe, die für den Umzug sprechen, erklärt Haberger. Aufgrund des „kontinuierlichen Wachstums“ der Universität gebe es einen „stark gestiegenen Flächenbedarf, der an den drei BUW-Hauptstandorten nicht mehr befriedigt werden kann“; dann komme „die hohe Standortqualität und eine ausreichende Nähe der Bahndirektion zum Campus Grifflenberg“ dazu.

Damit ändert die Uni zumindest in Teilen die frühere Argumentation und Planung. 2018 hatte es schon einmal geheißen, die Uni würde an den Döppersberg ziehen. Damals hatte Rektor Lambert T. Koch auf Anfrage geantwortet, dass „eine solche Nutzung nicht in Frage“ komme. „Allein schon aus logistischen Gründen will die Bergische Universität neben ihren drei Hauptstandorten am Grifflenberg, am Freudenberg und am Haspel sowie den kleineren Dependancen in Solingen und Velbert nicht noch einen neuen Campus eröffnen.“

Uni erweitert, weil die Studierendenzahlen steigen

Die Uni trägt damit dem Wachstum Rechnung. 2010 hatte die Hochschule noch 14 000 Studierende, 2015 waren es 21 000, zuletzt etwa 24 000. Damit macht die Uni die neue geplante Struktur der Bundesbahndirektion komplett. Die Stadt will mit mehreren Bürgerservice-Stellen einziehen - darunter dem Straßenverkehrsamt und eventuell dem Einwohnermeldeamt. Die Stadt will mehrere bisher genutzte Gebäude dafür aufgeben und Einheiten zusammenziehen. Dazu kommt das Job-Center, das mit Geschäftsstelle, dem Jugendangebot und Jobcoaches umziehen will. Die Gesamtfläche liegt bei mehr als 15 000 Quadratmetern. Die Stadt wird etwa die Hälfte davon belegen, Job-Center und Uni den Rest. Nach Informationen unserer Redaktion sollen Jobcenter und Uni 3500 beziehungsweise 3000 Quadratmeter belegen.

Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, heißt es aus informierten Kreisen. Man sei sich aber in Bezug auf den Mietpreis noch nicht einig. Bei der Größe können wenige Euro pro Quadratmeter einen großen Unterschied machen. Nach Informationen unserer Redaktion ist mit einem Einzug 2024 zu rechnen, laut der Homepage der Firma Clees mit einer möglichen Fertigstellung Ende 2022– nach 20 bis 24 Monaten Umbauzeit. Dafür müsste also schnell eine Einigung her.

„Drei Dönerläden auf 400 Metern“ reichen nicht als Impuls

Mit dem Einzug würde es zu einer starken Belebung der Innenstadt kommen. Die Uni bringt Mitarbeiter und Studierende an den Ort, Stadt und Jobcenter ebenfalls Anlaufstellen für viele Bürger. Jochen Busmann, Professor an der Uni und Projektmanager der ISG Poststraße, sieht das als den „Glücksfall überhaupt“. Eine solche Nutzung könnte ein Impulsgeber für die Poststraße, aber auch für ganze Innenstadt werden.

Ralf Engel vom Rheinischen Handelsverband hält die Entwicklung für „total positiv“. Das Gebäude sei es wert, dass die Uni sich dort ansiedele. Er hofft damit auf eine positive Entwicklung für die Innenstadt, „wenn die jungen Leute dort essen, und sehen, was Elberfeld zu bieten hat“. Das sei aber der springende Punkt. Denn die Stadt müsse sich bis dahin weiterentwickeln. Es müsse ein ansprechendes Angebot vorhanden sein. „Drei Dönerläden auf 400 Metern“ seien das nicht. Er hofft, dass Händler und Eigentümer die anstehende Veränderung als positiven Anschub sehen, an der Qualität der Innenstadt zu arbeiten.

Dass die Uni einziehen könnte, sei schon lange ein Thema gewesen, sagt Engel, ganz überrascht sei er nicht. Zuvor hatte es aber immer wieder andere Pläne gegeben. Eigentlich hatte Clees geplant, aus der Bundesbahndirektion ein Factory Outlet Center zu machen. 2019 ist das Projekt gescheitert. Nach dem Scheitern der Outlet-Pläne wurde öffentlich über Wohnungen und eine Nutzung des Gebäudes durch die Stadtwerke diskutiert.

Geschichte

Das Gebäude der Bundesbahndirektion wurde 1875 erbaut und erstmals bezogen und 1914 erweitert. Die Bahndirektion wurde in den 1970er Jahren aber von Wuppertal nach Essen und Köln verlegt. 2008 hat die Firmengruppe Clees das Gebäude gekauft. 2020 hat der Wuppertaler Rat einen Grundsatzbeschluss zur Anmietung des Gebäudes getroffen.

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