Klimaschutz

Uniklinik setzt auf Umweltschutz im OP

Die Narkosegase werden in Auffangbehältern gesammelt, die von den Anästhesisten Andrea Gabriel und Peter Kienbaum (v. l.) geprüft werden.
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Die Narkosegase werden in Auffangbehältern gesammelt, die von den Anästhesisten Andrea Gabriel und Peter Kienbaum (v. l.) geprüft werden.

Treibhausrelevante Narkosegase werden aufbereitet, statt einfach in die Luft gepustet.

Von Stephan Eppinger

Düsseldorf. Klimaschutz ist auch an Orten möglich, an denen man dieses Thema nicht erwarten würde: Als eines der ersten Universitätskliniken in Europa ist es dem Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) gelungen, treibhausrelevante Narkosegase während der OP aufzufangen und der Aufbereitung zuzuführen. Bislang ist es üblich, von Patienten ausgeatmete Gase direkt am Narkosegerät abzusaugen und an die Außenluft abzugeben.

Die zur Gruppe der sogenannten volatilen Anästhetika gehörende Narkosegase fördern jedoch den Treibhauseffekt. Zusammen mit seinem Team erprobt derzeit Prof. Peter Kienbaum, stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesiologie am UKD, ein neues Verfahren im Rahmen eines Pilotprojektes: Durch ein Kreislaufsystem wird verhindert, dass die klimaschädlichen Anästhetika in die Außenluft gelangen. Stattdessen können sie sogar recycelt werden.

Die Wirkung auf unser Klima hat bisher kaum jemand im Fokus gehabt.

Prof. Peter Kienbaum

Die während einer Narkose ausgeatmeten Narkosegase werden über einen direkt mit dem Narkosegerät verbundenem Aktivkohleabsorber aufgefangen und aufbewahrt. Der technische Aufwand dafür ist gering.

Im nächsten Schritt werden die Absorber gesammelt und aufbereitet. Dabei behalten die aufbereiteten Narkosegase ihre volle Wirksamkeit und Qualität, so dass Sie bei weiteren Patienten sicher eingesetzt werden könnten. „Die Wirkung auf unser Klima hat dabei jedoch bisher kaum jemand im Fokus gehabt. Am UKD wollen wir ausprobieren, wie gut das Narkosegas aufgefangen und wiederverwertet werden kann. Wenn diesem Beispiel später andere folgen, können wir selbst aus dem OP heraus einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, sagt Kienbaum.

Der Gesundheitssektor verursacht weltweit etwa 4,4 Prozent des globalen CO2-Fußabdrucks durch Energie, Narkosegase, Sach- bzw. Verbrauchsmaterialien und Abfall. Von den klimaschädlichen Emissionen eines Operationsbereiches im Krankenhaus können etwa 50 Prozent auf Narkosegase entfallen, wie eine kanadische Untersuchung zeigt. Das laufende Pilotprojekt, will noch weitere Aspekte dazu erforschen.

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