Bonny Biber

Umbau der Wupper bringt Artenvielfalt zurück

„Bonny Biber“ sitzt nun in der Wupper. Mit Grauwacken wurden Inseln geschaffen. Auf dem Bauplan zeigen Pfeile die Zonen an, in denen die Wupper am schnellsten fließt. Fotos: Redaktion
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„Bonny Biber“ sitzt nun in der Wupper. Mit Grauwacken wurden Inseln geschaffen. Auf dem Bauplan zeigen Pfeile die Zonen an, in denen die Wupper am schnellsten fließt.

Rund 120.000 Euro hat es gekostet, die künstlichen Inseln in Wuppertal aufzuschütten und den Fluss naturnah zu modellieren.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Die Wupper ist wieder ein lebendiger Fluss, der selbst im dicht bebauten Zentrum von Wuppertal der Stadt Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt mit 25 bis 30 Fischarten und selteneren Vogelarten bietet. Das jüngste Beispiel ist die Renaturierung des Flussbettes im Abschnitt zwischen Bismarcksteg und Islandbrücke.

Rund 120 000 Euro hat es gekostet (80 Prozent werden vom Land gefördert), die künstlichen Inseln mit Grauwacken aufzuschütten und den Fluss nach einem vorgegebenen Bauplan naturnah zu modellieren.

Ein sogenannter Störstein ist die Skulptur „Bonny Biber“, der von dem Künstler Frank Breidenbruch geschaffen wurde. „Bonny Biber“ ist der dritte Störstein, der auf Initiative des Vereins Neue Ufer aufgestellt wurde, und wie „Tuffi“ in Barmen und „Lucky Lachs“ in Oberbarmen ist er Symbol des Wandels der Wupper.

Wer den Bismarcksteg überquert, dem bietet sich der Blick auf eine veränderte Flusslandschaft. Und wer ein wenig Geduld mitbringt, kann von dort mit etwas Glück die Wasseramsel (Vogel des Jahres 2017) bei der Jagd beobachten. „Wasseramseln ernähren sich ausschließlich von fleischlicher Nahrung.

Das können Steinfliegenlarven, Wasserasseln oder Wasserschnecken sein“, sagt Ornithologe Rainer Mönig. Beute macht der Vogel mit dem weißen Fleck auf der Brust bei kurzen Tauchmanövern.

Inzwischen fischen wieder Eisvögel am Mirker Bach

Das Jagdrevier am Zufluss des Mirker Bachs erfreut sich auch bei Eisvögeln großer Beliebtheit. Eisvögel ernähren sich vor allem vom Fang kleiner Fische, und die gibt es nur in Flüssen, die die erforderlichen Lebensbedingungen bieten.

Wo der Eisvogel oder die Wasseramsel kopfüber in der Wupper abtauchen, muss der Fluss schnelle sowie ruhig fließende Zonen aufweisen. „Die Artenvielfalt im und am Fluss nimmt durch die Maßnahmen des Wupperverbandes an vielen Stellen zu“, sagt Rainer Mönig. Er hat sich insbesondere mit dem Vorkommen von Wasseramseln im Bergischen Land beschäftigt. Die sind wie der Eisvogel Futtergäste im Stadtgebiet, brüten aber im ländlichen Raum. Lediglich in einem Fall konnte Mönig beobachten, dass sich Wasseramseln in einem Pfeiler der Schwebebahn ein Nest gebaut hatten.

Ein weiter Weg vom toten Fluss bis zur Lebensader Wupper

Kormorane gehen im Umfeld des Döppersbergs ebenfalls auf die Jagd. Sie brüten in milden Wintern an der Kläranlage Rutenbeck. Zum Stadtbild gehören auch die Graureiher, die von der Schwebebahn aus zu beobachten sind. Früher gab es größere Brutkolonien am Herbringhauser See, nun droht ihnen Gefahr durch Waschbären, die die Horste leeren.

Bis in die 1990er Jahre war die Wupper ein Fluss, dem Tag für Tag der Gewässertod drohte. Vor dem Bau des Wuppersammlers floss mit Schadstoffen belastetes Regenwasser über Bäche und Kanäle ungeklärt in die Wupper. Es kam zu Fischsterben, weil Säuren, Laugen oder Heizöl in die Wupper gelangten, das Gleichgewicht des Flusses kippen ließen. Erst seit dem Ende der 1990er Jahre ist diese Gefahr durch ein modernes Kanalsystem für die Aufnahme von Regen- und Oberflächenwasser sowie durch Regenrückhaltebecken gebannt.

Mit der Sicherung der Wasserqualität besserten sich die Lebensbedingungen für Kleinstlebewesen, die am Beginn der Nahrungskette für Fische und Vögel stehen. Helmut Wuttke vom Bergischen Fischereiverein begann 1993, die ersten Lachse und Meerforellen in der Wupper auszusetzen. Das tut er heute noch, „denn der Schwund gerade unter den Lachsen ist auf ihrer langen Reise zum und vom Meer groß“.

Doch neben der Verbesserung der Wasserqualität galt es, den Fluss naturnah umzubauen. Eine Reihe von Projekten sind bereits umgesetzt. Zum Beispiel an der Kluse, am Loher Bogen, in der Rosenau, am Beyenburger Stausee, von der Rutenbeck bis zum Zoo auf einer Länge von 2,2 Kilometern, an der Farbmühle, in Laaken, wo die Wupper mitten durch das Vorwerk-Werk fließt, oder an der Junior Uni.

100 bis 200 Euro pro Meter kostet die Renaturierung der Wupper, die 2025 abgeschlossen sein soll. Bis zu 80 Prozent der Kosten werden vom Land NRW gefördert. Zehn von 15 Kilometern im Stadtgebiet von Wuppertal sind inzwischen umgebaut worden.

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