Tanztheater

Filmprojekt über die Arbeit mit Pina Bausch

Anne Linsel (r.) im Gespräch mit Julie Anne Stanzak vom Tanztheater. In der Mitte Kameramann Klaus Sturm. 
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Anne Linsel (r.) im Gespräch mit Julie Anne Stanzak vom Tanztheater. In der Mitte Kameramann Klaus Sturm. 

Wuppertal. Ein Filmprojekt beleuchtet das Tanztheater mit Akteuren der ersten Stunde.

Von Monika Werner-Staude

Im Kopf hat sie die Idee schon länger gehabt. Ausführliche Interviews mit den Tänzerinnen und Tänzern der ersten und zweiten Stunde des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch zu führen – ohne Zeitdruck, lange und ausführlich, über Privates und „die Dinge, die sie bisher so noch nicht gesagt haben“. Auch als Dank, weil sie mir „mit ihrer Arbeit mit Pina Bausch und auf der Bühne ein Stück Lebensglück geschenkt“ haben.

Nun macht Anne Linsel Nägel mit Köpfen. Im Laufe des Jahres 2022 soll das Filmprojekt abgeschlossen sein. Offen ist, ob am Ende einzelne Filme oder ein Zusammenschnitt, etwa bei einem TV-Sender, oder beides stehen. Anne Linsel studierte Kunst und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Kulturjournalistin, Filmemacherin, Dokumentarfilm-Regisseurin und Publizistin. Sie wurde mit dem Von der Heydt-Kultur- und dem Enno und Christa Springmann Kunst- und Kulturpreis ausgezeichnet. Auch über Pina Bausch drehte sie etliche Filme, zuletzt im Jahr 2019 „Das Erbe der Pina Bausch“.

Die Dokumentation zum zehnten Todestag der Choreografin zeigt auf, wie die Compagnie die Jahre von 2009 bis 2019 weitergearbeitet hat. Eine zunächst als Schlusspunkt empfundene Arbeit, blickt die 79-Jährige zurück. Und doch lässt sie nun eine weitere folgen, weil sie selbst nicht mehr die Jüngste sei, sagt sie, und die für ihr Projekt wichtigen Tänzerinnen und Tänzer auch nicht endlos zur Verfügung stehen, sondern die Compagnie allmählich verlassen. Die Tänzerinnen und Tänzer – Julie Shanahan, Dominique Mercy, Regina Advento, Julie Anne Stanzak, Jo Ann Endicott, Lutz Förster, Ed Kortlandt, Nazareth Panadero und ihr Mann Janusz Subicz, Jan Minarik und seine Frau Beatrice Libonati – haben durchweg positiv auf ihr Vorhaben reagiert.

Außerdem lässt die Corona-Pandemie mittlerweile wieder Live-Gespräche unter bestimmten Bedingungen zu. Unterstützt wird Anne Linsel von Salomon Bausch, der aus dem Archiv der Pina Bausch-Foundation Aufnahmen beisteuert, die den jeweiligen Interviewpartner in einer Rolle zeigen, über die er/sie erzählt. Umgekehrt bezieht die Foundation für ihr Archiv Ergänzungen aus den Interviews, die Linsel führt.

Bis zum Frühjahr sollen alle Aufnahmen im Kasten sein

Die Zusammenarbeit mit der Foundation hilft auch bei der Finanzierung des Projekts, außerdem hat Anne Linsel eine private Sponsorin gefunden und versucht, weitere Geldquellen zu erschließen. Im Sommer hat sie ihre Arbeit aufgenommen, hat mittlerweile fünf Interviews an verschiedenen Orten – mal bei ihr zu Hause, mal im Opernhaus – geführt.

Mit dabei ist stets Kameramann Klaus Sturm, mit dem sie viele Filme gedreht hat. Obwohl sie die Künstlerinnen und Künstler schon lange kennt, erfährt die Filmemacherin immer wieder Neues, „zumal es jetzt mehr um sehr persönliche Dinge geht“. Natürlich kommt die Sprache immer wieder auf das Tanztheater, auf die Arbeit mit Pina Bausch, aber eben auch auf anderes. Etwa wenn die Interviewerin fragt, ob – und wenn ja, wie – er oder sie sich mit dem Thema Tod beschäftigt. Schließlich gehe es in der Kunst um das Leben und damit auch um den Tod, „denn der gehört nun mal zum Leben dazu“, begründet Linsel.

Bis zum Frühjahr sollen alle Aufnahmen im Kasten sein, dann will sie das Material in Ruhe bei sich zu Hause in ihrem Haus in Barmen sichten. Schließlich muss alles zusammengeschnitten werden.

Zupass kommt der Filmemacherin dabei ihre Erfahrung aus ihren zahlreichen Interviews, die sie mit der Reihe „Zeugen des Jahrhunderts“ für das ZDF geführt hat, als sie viele Stunden, manchmal auch Tage mit ihren Gästen sprach und daraus einstündige Filme herausfilterte.

Derweil beschäftigt sich Linsels Kopf bereits mit einer weiteren Idee, einem Buch zum Filmprojekt, weil sich das ja anbiete, sagt sie. Anfang 2022 will sie es in Angriff nehmen. Vielleicht wird sie aber auch zu Anfang des neuen Jahres erst mal nach Paris reisen, wo ein anderer Film von ihr gezeigt wird. Die Einladung liegt schon länger vor, möglicherweise stellt sich aber erneut die Pandemie in den Weg.

Film

Anne Linsel verfügt über ein umfangreiches Filmarchiv, das (mit Ausnahme der Arbeiten über Pina Bausch, die bei der Pina Bausch Foundation aufgehoben werden) nun an das ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe geht. Dort werden ihre Videokassetten digitalisiert. Der Film „Tanzträume Jugendliche tanzen ‚Kontakthof’“, den Anne Linsel im Jahr 2009 schuf, wird im Januar 2022 im Rahmen einer Veranstaltung zu Ehren von Pina Bausch in der Maison Heinrich Heine in Paris gezeigt.

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