Kinderbuch

Tuffi-Buch wurde vor 50 Jahren zum Bestseller

Buchautor Ernst-Andreas Ziegler, Buchhändler Michael Kozinowski und Verlegerin Deborah Inhanli mit Sohn Paul (v.l.) präsentieren das Buch. Foto: afi
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Buchautor Ernst-Andreas Ziegler, Buchhändler Michael Kozinowski und Verlegerin Deborah Inhanli mit Sohn Paul (v.l.) präsentieren das Buch. 

Der Sprung des Elefanten aus der Schwebebahn ist bereits 70 Jahre her – die Idee zum Buch hatte Marguerita Ekel.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Dieses Buch hat schon Generationen von Kindern begeistert, und es wurde von Eltern und Großeltern an Kinder und Enkelkinder weitergereicht. Das Kinderbuch „Tuffi und die Schwebebahn“ erschien 1970 erstmals und feiert am 21. Juli wie der legendäre Sprung des kleinen Elefanten einen runden Geburtstag. 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung im Selbstverlag wird es inzwischen in der siebten Auflage und in sechs Sprachen gedruckt. Neben dem Original gibt es die Erzählung vom Sturz des kleinen Elefanten aus der Schwebebahn auch in zweisprachigen Fassungen (Englisch, Französisch, Polnisch, Spanisch und Türkisch).

Ein Buch über den Tuffi-Sprung gab es zuvor nicht. 20 Jahre nach der spektakulären Werbefahrt des Zirkus Althoff erinnerten sich die Wuppertaler zwar noch gerne an den kleinen Elefanten, über dessen Sprung in die Wupper am 21. Juli 1950 weltweit berichtet wurde, doch die Geschichte wurde mündlich weitergegeben. Das mag auch daran gelegen haben, dass es kein einziges Foto von der berühmten Szene des „fliegenden Elefanten“ Tuffi gibt. Die Schwebebahn war damals zwar vollgepackt mit Fotografen, aber die waren wie gelähmt vor Angst und Schrecken, als Tuffi nach der Abfahrt vom Alten Markt in Panik geriet und eine seitliche Wand der Schwebebahn durchbrach.

Doch dann kam die Wuppertalerin Marguerita Eckel auf die Idee, ihrer Tochter Camilla ein ganz besonderes Buch zu schenken. „Der Clou war, das Schwebebahngerüst über alle Seiten durchlaufen zu lassen. Als ich nach einem Texter suchte, habe ich zufällig auf dem Weg zum Bäcker in der Südstadt Ernst-Andreas Ziegler getroffen und ihn darauf angesprochen. Und so kommt es, dass meine Tochter Camilla und sein Sohn Hansi die beiden Kinder sind, denen im Buch ein Schaffner die Geschichte von Tuffi erzählt“, erinnert sich Marguerita Eckel.

„Der Clou war, das Schwebebahngerüst über alle Seiten durchlaufen zu lassen.“
Marguerita Ekel

Ernst-Andreas Ziegler, der damals als Redakteur tätig war, nahm die Recherche auf und schrieb einen Text, der den Kindern noch heute viel Spaß bereitet. „Viele Eltern und Großeltern kaufen Kinderbücher, damit die Kinder daraus lernen. Der Ansatz ist total falsch, sie müssen vor allem Spaß beim Lesen haben. Alles andere kommt von selbst“, sagt Ernst-Andreas Ziegler.

Zunächst gab es zwei Exemplare des Tuffi-Buchs: eins für Camilla und eins für Hansi. „Doch es wäre schade gewesen, wenn es dabei geblieben wäre. Der zeitlose Erfolg der Tuffi-Geschichte liegt darin, dass es ganz selten eine so unglaubliche Geschichte gibt, die wahr ist. Ein Tierkind übersteht eine gefährliche Situation unbeschadet, und die Geschichte findet in einem technischen Wunderwerk statt - wenn das keine erzählenswerte Geschichte ist?!“

Unterstützung erhielt Marguerita Eckel von der Kolumnistin Martha Schmetz, die Tiere im Wuppertaler Zoo zeichnete und Tuffi porträtieren sollte. „Wir wollten Martha Schmetz als Künstlerin einbinden, aber ich habe die Tuffi-Zeichnungen dann wieder der Collage-Technik angepasst“, erinnert sich Marguerita Eckel. Ihr Stil verleiht dem Buch einen nostalgischen Charme.

„Tuffi war ausgerechnet in der Schwebebahn mit der Nummer 13 unterwegs. Das ist nur eines von vielen Details, für die es Belege gibt“, sagt Ernst-Andreas Ziegler. Für die Auswärtigen, die nur Straßenbahnen kennen, musste er erklären, was es mit der Schwebebahn auf sich hat. „Da hat mir ein Kind mit seiner Beschreibung der Schwebebahn auf die Sprünge geholfen. Im Buch heißt es daher: ‚Auf die Schwebebahn sind in Wuppertal alle Leute sehr stolz. Sie hat die Räder auf dem Dach’.“

Zum Exportschlager wurde das Tuffi-Buch, als der Born Verlag den Druck übernahm. So konnte es sich im Laufe der Jahre zum Klassiker entwickeln. Immer mehr Sprachen kamen hinzu. Und so wurde das Tuffi-Buch zum Souvenir, das Besucher der Stadt den Kindern vieler Länder mitbringen. „Insgesamt wurden bisher mehr als 20 000 Tuffi-Bücher verkauft, was für ein illustriertes Kinderbuch eine erstaunliche Zahl ist“, sagt Deborah Inhanli, die in fünfter Generation den Born Verlag leitet. Als Kind hat sie die Geschichte vom Tuffi-Sprung gelesen und ist überzeugt, dass auch Söhnchen Paul bald in dem Buch blättern wird. So wie einst Camilla und Hansi, die wie so viele Leserinnen und Leser längst erwachsen sind.

Ernst-Andreas Ziegler brachte bei seiner Recherche in Erfahrung, dass Tuffi später als Star im französischen Zirkus Alexis Gruss aufgetreten ist. Aus dem frechen Elefantenmädchen war eine schlaue Elefanten-Dame geworden, die den Besuchern gerne Taschen stibitzte. Ganz am Ende heißt es dann im Buch - und das gilt bis heute: „Weil Elefanten nie so alt werden können wie Menschen, lebt Tuffi nur noch in den Herzen der Kinder.“

Signierstunde

Am 21. Juli 1950, also vor bereits 70 Jahren, sprang der kleine Elefant Tuffi aus der fahrenden Schwebebahn. Am Dienstag, 21. Juli, von 11 bis 13 Uhr signiert Ernst-Andreas Ziegler deshalb sowohl alte als auch neue Ausgaben des Tuffi-Buches in der Buchhandlung von Mackensen, Laurentiusstraße 12. Seine Co-Autorin Marguerita Eckel kann leider nicht teilnehmen.

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