Totschlag-Prozess: Zeugin verbürgt sich für den Angeklagten

Der Fall wird vor der 11. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verhandelt. Archivfoto: Stephan Eppinger
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Der Fall wird vor der 11. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verhandelt. Archivfoto: Stephan Eppinger

Dritter Verhandlungstag: 48-jähriger Krankenpfleger aus Remscheid soll einen dementen Patienten erwürgt haben

Von Wolfgang Weitzdörfer

Remscheid/Wermelskirchen Die Aussage der Pflegedienstleitung des Wermelskirchener Krankenhauses vor der 11. Großen Strafkammer am Landgericht Köln warf am dritten Verhandlungstag ein ausschließlich positives Bild auf den angeklagten 48-jährigen Krankenpfleger aus Remscheid. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft Köln vorgeworfen, in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2019 einen 79-jährigen dementen Patienten erwürgt zu haben.

Die 66-jährige Zeugin betonte, dass sie den Angeklagten beruflich schon seit rund 20 Jahren kenne. „Er ist ein ruhiger Mitarbeiter, der sehr gewissenhaft, belastbar und kompetent ist“, sagte die Pflegedienstleitung. Sie zeichnete in ihrer Aussage das Bild eines Krankenpflegers, der genau wisse, was er leisten könne – und auch seine Grenzen kenne. „Er weiß, dass er Hilfe suchen kann, und er weiß auch, wann er sie sich holen muss“, sagte die 66-Jährige. Dass er dies in besagter Nacht nicht getan habe, sei für sie der Beweis dafür, dass er auch keine Hilfe nötig gehabt habe.

Nach einem halben Jahr setzte der Angeklagte die Arbeit fort

Das Krankenhaus, sowohl die Pflegedienstleitung als auch die Geschäftsführung und die medizinische Leitung, stehen voll und ganz hinter ihrem Mitarbeiter. Das zeige sich auch daran, dass der 48-Jährige nach einem halben Jahr der Freistellung mittlerweile seit Ende 2019 wieder im Krankenhaus arbeite, allerdings jetzt auf der Intensivstation. „Warum war er freigestellt?“, wollte die Vorsitzende Richterin wissen. „Zu seinem eigenen Schutz, um die Situation zu klären“, sagte die Zeugin.

Sie sei während des halben Jahres immer in Kontakt mit dem Angeklagten geblieben. „Für uns gilt: Solange die Schuld nicht bewiesen ist, gilt er als unschuldig. Daher haben wir nach einem halben Jahr beschlossen, ihn wieder zurückzuholen. Ich gehe auch jetzt noch davon aus, dass er unschuldig ist“, betonte die 66-Jährige. Auf der Intensivstation sei er deswegen eingesetzt worden, weil er dort nicht noch einmal in eine solche Situation kommen könne, wie die, deretwegen er vor Gericht stehe. „Auch das ist zu seinem Schutz geschehen. Auf der Intensivstation hat er sich sehr gut eingearbeitet, hat sehr viel dazugelernt und bei den Kolleginnen und Kollegen einen sehr guten Stand“, sagte die Zeugin. Der Verteidiger des 48-Jährigen wollte wissen, wie groß der Pool an Menschen sei, die sein Mandant in einem Moment der Überforderung hätte anrufen können. „Die Nachbarstationen, die diensthabenden Ärzte, die Anästhesiebereitschaft, das Schlaflabor oder die Notaufnahme – es gäbe genügend Möglichkeiten.“

Die Pflichtverteidigerin wollte wissen, ob zwei demente Patienten, die es in besagter Nacht auf der Station fünf gegeben habe, eine besonders außergewöhnliche Situation gewesen sei. „Nein. Das ist normal. Und die Pflegeexperten entscheiden, ob sie Unterstützung brauchen“, antwortete die 66-Jährige.

Eine 56-jährige Kriminalhauptkommissarin der Kreispolizeibehörde, die als Todesermittlerin zur kriminalistischen Leichenschau gerufen wurde, berichtete darüber, wie diese ausgesehen habe. „Der Leichnam wird von oben bis unten sowie vorne und hinten auf Auffälligkeiten hin untersucht“, sagte die 56-Jährige.

Ob es denn solche gegeben habe, wollte die Richterin wissen. „Ja, ein Hämatom an den Augen, das durch einen Sturz verursacht worden sein könnte. Dazu hatte er Hämatome an den Beinen“, sagte die Polizistin. Daher habe sie in ihrem Bericht keine Hinweise auf ein Fremdverschulden festgehalten.

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