Totschlag-Prozess: Freispruch für Remscheider Krankenpfleger

Landgericht Köln. Archivfoto: step
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Landgericht Köln. Archivfoto: step

Landgericht folgt den Plädoyers

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen/Köln Die Erleichterung hinter der Anklagebank war groß, als am Donnerstag um 13 Uhr das Urteil im Landgericht Köln verkündet wurde: Freispruch. Zwar war es am Mittwoch nach den Plädoyers sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidigung des 47-jährigen angeklagten Krankenpflegers aus Remscheid schon absehbar gewesen – beide hatten auf Freispruch plädiert – aber die 11. Große Strafkammer hatte sich für das Urteil bis zum nächsten Tag Zeit genommen.

Das Schwurgericht sah es als nicht erwiesen an, dass der 47-jährige Krankenpfleger für den Tod eines 79-jährigen Patienten verantwortlich ist. „Selbst wenn man – hypothetisch – von einem gewaltsamen Tod ausginge, würden doch jegliche Beweise dafür fehlen“, sagte die Richterin.

Der Patient war in der Nachtschicht vom 16. auf den 17. April 2019 im Krankenhaus gestorben. Die Anklage hatte dem 47-jährigen Krankenpfleger anschließend Totschlag durch Erwürgen vorgeworfen. Vor den Plädoyers hatte der Angeklagte sich erstmals zur Sache geäußert – indem sein Rechtsanwalt eine schriftliche Einlassung vorgelesen hatte.

Der 47-Jährige sei mit seiner schwangeren Frau wegen des Jugoslawienkriegs 1992 nach Deutschland geflohen. Zuvor habe er seine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert. Im Krankenhaus Wermelskirchen ist er seit 1995 angestellt – 24 Jahre davon hatte er im Nachtdienst auf der internistischen Station gearbeitet. Nach dem Vorfall war er für ein halbes Jahr freigestellt worden, nun arbeitet er auf der Intensivstation. Die besagte Nacht beschrieb er als „eine der anstrengenderen Schichten“. Er sei kein Mensch, der schnell überfordert sei. In der Nachtschicht hatte sich der 79-jährige Patient als ungehalten erwiesen.

Geschäftsführer: „Wir haben zu unserem Mitarbeiter gestanden“

Gegen 2 Uhr habe er den Mann in dessen verwüstetem Zimmer im umgekippten Toilettenstuhl auf dem Boden vorgefunden. Dabei habe der Patient sich vermutlich ein Hämatom zugezogen. Der Angeklagte habe den 79-Jährigen zu Bett gebracht, das Zimmer saubergemacht und es dann verlassen. Als er um 4.50 Uhr noch einmal ins Zimmer gegangen sei, habe er diesen leblos vorgefunden. Er habe den diensthabenden Arzt angerufen und den Verstorbenen nach den Vorgaben versorgt, ehe dann der Frühdienst gekommen sei.

Christian Madsen, Geschäftsführer des Krankenhauses, zeigte sich nach der Urteilsverkündung erfreut: „Für uns galt die ganze Zeit die Unschuldsvermutung, und wir haben zu unserem Mitarbeiter gestanden.“

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