Lange Haftstrafe für Angeklagten

Totschlag: Urteil im Shisha-Schlauch-Prozess gesprochen

Der Angeklagte verdeckte vor der Verhandlung sein Gesicht.
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Der Angeklagte verdeckte vor der Verhandlung sein Gesicht.

 Am Mittwoch, 22. Juni, hat das Landgericht den 35-jährigen Wuppertaler verurteilt, der im Oktober 2021 seine ehemalige Lebensgefährtin mit den Händen gewürgt und mit einem Shisha-Schlauch erdrosselt haben soll.

Von Anne Palka

Wuppertal. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft teilten im vergangenen Jahr mit, dass am 7. Oktober eine tote Frau in ihrer Wohnung an der Nützenberger Straße gefunden wurde. Um ihren Hals war der Schlauch einer Wasserpfeife geknotet. Bei der rechtsmedizinischen Untersuchung wurde ein Selbstmord ausgeschlossen, die Tat musste am Vortag begangen worden sein. In der Wohnung wurde nicht nur die 33-jährige Frau gefunden, sondern auch ihr zweijähriger Sohn, zumindest körperlich unversehrt.

„Es besteht für mich kein Zweifel daran, dass der Angeklagte seine ehemalige Lebensgefährtin erdrosselt hat“, sagte der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer. Um die Tat einordnen zu können, müsse das Gericht nicht nur auf den Ablauf schauen, sondern auch auf die Vorgeschichte und das Verhalten nach der Tat. Er fasste zentrale Punkte der Verhandlung zusammen.

Prozess in Wuppertal: Anwalt der Nebenklage sorgt sich um die Folgen für das junge Kind

2015 sind der Mann und die Frau zusammengekommen, während er mit seiner Ehefrau eine Beziehungskrise hatte. Sie bekamen einen Sohn. „Anhand der Aussagen hat die Beziehung zwei große Überschriften: der Eifersucht und der Lügen“, sagte der Staatsanwalt. „Die Zeugen haben den Angeklagten als eifersüchtig beschrieben, als sehr besitzergreifend. Er hat ihr nachspioniert und keinen Kontakt zu anderen Leuten erlaubt.“ Außerdem habe er der Wuppertalerin erzählt, dass er sich von seiner Ehefrau habe scheiden lassen – was nicht stimmte. „Das Doppelleben ist spätestens 2019 aufgeflogen, als er im Krankenhaus lag und zwei Frauen am Krankenbett standen.“

Zu diesem Zeitpunkt hätten die Gewalttätigkeiten in der Beziehung begonnen. Er habe ihr heißen Kaffee ins Gesicht geschüttet, sie mit einer Eisenstange geschlagen, sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Gewalt habe der Angeklagte gegenüber Zeugen eingeräumt, und selbst gesagt, dass er impulsiv und eifersüchtig sei. Die Frau habe das eine ganze Zeit hingenommen und erst später Anzeige erstattet, sie habe sich von ihm lösen wollen und nur dem gemeinsamen Kind zuliebe Treffen zugestimmt. Zu einem Prozess zur häuslichen Gewalt kam es nicht mehr.

Am Tag der Tat kam der Angeklagte gegen 15.30 Uhr zu der 33-Jährigen in die Wohnung. Von 16.36 Uhr bis 16.42 Uhr telefonierten beide mit einer guten Freundin der Frau. „Was dieser Stunde passiert ist, wissen wir nicht“, sagte der Staatsanwalt. Der Mann habe am Telefon von der Freundin wissen wollen, ob die Frau ihn betrogen habe. Außerdem habe er Nachrichten mit anderen Männern auf ihrem Handy entdeckt. Seine Stimmlage beschrieb die Freundin als wütend und fordernd. Er habe das Telefonat mit dem Satz beendet: „Leg jetzt auf, wir klären das unter uns.“ Kurz danach erreichte die Freundin die Frau nicht mehr, das sei untypisch. Sie rief den Mann an. Er log über seinen Aufenthaltsort, stellte sich später heraus. Als sie ihn am Tag danach erneut anrief und ihm sagte, dass die Frau tot gefunden wurde, habe er überhaupt keine Reaktion gezeigt.

Im Strafgesetzbuch ist für Totschlag ein Strafrahmen von 5 bis 15 Jahren festgelegt – die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Haftstrafe von 13 Jahren. Das Mordmerkmal der Eifersucht könne nicht rechtssicher nachgewiesen werden. Der Anwalt des Angeklagten beantragte einen Freispruch: „Ich stehe hier als Verteidiger, aber in erster Linie als Jurist. Als solcher muss ich die objektiven Tatsachen würdigen, die feststehen. Zum Tatgeschehen sind das sehr wenige.“ Was in der Wohnung geschah, wisse man nicht, es gibt keine direkten Zeugen. Es werde nicht versucht, den Beweis für die Tat über Spuren zu führen, sondern über Zeugen und andere Umstände. „Aus Sicht der Verteidigung kann das nicht gelingen.“

Ein Anwalt der Nebenklage schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an, einer sah einen besonders schweren Fall, bei dem eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt würde. Der Anwalt, der das mittlerweile dreijährige Kind vertritt, stellte keinen Antrag – die Getötete ist dessen Mutter, der Angeklagte der Vater. Dass er im Laufe der Verhandlung nicht als Täter ausgeschlossen werden konnte, sei nicht der mutmaßliche Wunsch des Sohnes. „Er weiß nichts über den Prozess, aber irgendwann wird er die Wahrheit über den Tod seiner Mutter wissen wollen“, sagte der Anwalt.

„Er hat eine frühe Kindheit, die man keinem Kind wünscht. Beide Familien haben ihn abgelehnt, weil sie auch die Beziehung der Eltern ablehnen. Er hat Streit und gewalttätiges Verhalten miterlebt und offenbar auch die Tötung der Mutter.“ In der Hauptverhandlung sei nicht die ganze Wahrheit herausgekommen – dazu fehle die Aussage des Angeklagten, der von seinem Recht Gebrauch gemacht hat, zu den Vorwürfen zu schweigen, während der Plädoyers blickte er regungslos auf seine verschränkten Hände. Für den Sohn könnte es später wichtig werden, Antworten auf die Fragen zu bekommen, die nicht von den Gerichtsakten beantwortet werden.

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