Zoo Wuppertal

Das passiert, wenn Zoo-Tiere sterben

Der Löwe Massino wurde 16 Jahre alt. Er starb bei einer Narkose. Foto: Claudia Philipp/Der Grüne Zoo Wuppertal/dpa
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Der Löwe Massino wurde 16 Jahre alt. Er starb bei einer Narkose.

Zoo-Tierärztin Lisa Grund erklärt, wie in Wuppertal der Abschied abläuft und warum Kadaver wertvolle Informationen liefern können. Viele Pfleger haben eine enge Bindung zu ihren Schützlingen.

Von Anne Palka

Wuppertal. Die meisten Tiere werden im Zoo älter als in der freien Wildbahn, sagt Lisa Grund, Tierärztin im Grünen Zoo Wuppertal. Wenn sie krank sind oder Alterserscheinungen wie Gelenkschmerzen oder Zahnprobleme entwickeln, kann ihnen dort mit Medikamenten oder weicherem Futter geholfen werden. Außerdem haben sie keine Fressfeinde, die es in der Wildnis oft auf schwache Tiere abgesehen haben.

Doch irgendwann endet auch das Leben der Tiere im Zoo. Am 9. Februar starb Löwe Massino im Alter von fast 16 Jahren während einer Narkose. Drei Wochen zuvor gab es Auseinandersetzungen zwischen den Löwenbrüdern, Massino erlitt Bissverletzungen. Er wurde mit Medikamenten behandelt, doch es ging ihm immer schlechter. Um ihn richtig untersuchen zu können, wurde er in Narkose gelegt. „Dabei hatte er einen Kreislaufkollaps, einen Atemstillstand und konnte nicht mehr reanimiert werden“, sagt Lisa Grund.

Blutarmut führte bei Massino zu Kreislaufproblemen

Massino wurde wieder in den Stall gelegt. Er hatte eine enge Bindung zum Löwen Tamo, sie streiften oft zusammen über die Anlage. Massinos Brüder Tamo und Shawano durften sich von ihm verabschieden. „Das ermöglichen wir bei Tierarten, die einen sozialen Zusammenhalt in der Gruppe haben. Damit sie verstehen können, dass das Tier gestorben ist. Würden wir es direkt mitnehmen, wäre es einfach weg.“ Auch bei Affen wird das so gemacht, ebenso bei der alten Eselin.

Deshalb wird jedes gestorbene Tier im Zoo genau untersucht

Wichtig ist, dass die Tierärzte wissen, woran das Tier gestorben ist. Wenn es sich um eine ansteckende Krankheit handeln könnte, wird auf den Abschied verzichtet. Bei Massino wurde während der Narkose bereits eine Blutarmut festgestellt, die zu den Kreislaufproblemen führte. Bei einer pathologischen Untersuchung an der Justus-Liebig-Universität Gießen stellte sich außerdem heraus, dass der Löwe einen Milztumor hatte – eine Heilung wäre nicht mehr möglich gewesen, einige Tage später hätte er voraussichtlich eingeschläfert werden müssen.

Jedes gestorbene Tier wird pathologisch untersucht, sagt Lisa Grund. Der Zoo möchte über eventuelle Krankheiten Bescheid wissen, außerdem kann das tiermedizinische Wissen erweitert werden. Die Organe werden herausgenommen und auf Gewebeveränderungen untersucht, mit dem bloßen Auge und kleine Proben unter dem Mikroskop, um die Zellen beurteilen zu können. Je nach Tierart wird auf häufige Krankheiten getestet, zum Beispiel auf Vogelgrippe oder Schweinepest. „Dazu haben wir auch einen geeigneten Raum“, sagt Lisa Grund.
Aktuell: Im Wuppertaler Zoo gilt jetzt die 3G-Regel

Für größere Arten gebe es in Deutschland fünf Tiermedizin-Universitäten, deren Räume auch darauf ausgelegt sind, zum Beispiel einen Elefanten pathologisch zu untersuchen. „Bei verstorbenen Tieren prüfen wir immer, ob ein Forschungsprojekt auf der Suche nach Proben ist“, sagt Lisa Grund, dafür gebe es eine Liste mit Anfragen.

Löwe Massino ist jetzt Teil von zwei Großkatzen-Studien, einen Zahn bekommt die Bergische Universität Wuppertal für eine Studie zur Materialhärte von Zähnen unterschiedlicher Tierarten. Außerdem gibt es in Bonn eine Gen-Datenbank, die sich mit geschmuggelten Tierfellen beschäftigt. „Wir versuchen, aus verstorbenen Tieren möglichst viel an Wissen herauszuziehen, zum Schutz dieser Tierarten“, sagt Lisa Grund. Letztendlich werden die gestorbenen Tiere eingeäschert – in einer Art Krematorium, einer Tierkörperbeseitigungsanlage.

Manchmal wird im Zoo die Entscheidung getroffen, ein Tier einzuschläfern, wenn es krank ist. „Dabei geht es um die Lebensqualität. Hat das Tier noch einen erfüllten Tagesablauf?“, erklärt Lisa Grund. Bei alten und chronisch kranken Tieren gibt es einen Beobachtungsbogen, den die Pfleger täglich ausfüllen. Das war bei den Löwinnen so. Fressen sie normal, laufen sie noch durch die ganze Anlage, gehen sie auf ihre Lieblingsplätze, können sie sich in der Gruppe behaupten?

Wenn Medikamente nicht mehr gut genug helfen, sprechen die Pfleger und die Tierärzte und treffen eine Entscheidung. „Das ist ähnlich wie bei Privattieren, da beurteilt der Besitzer das Tier, er kennt es am besten. Es geht darum, Leid zu vermeiden.“

Im Zoo entsteht eine Bindung zwischen Pflegern und Tieren, wenn auch nicht über Körperkontakt, sagt Lisa Grund. „Das nimmt unser Personal durchaus mit.“ Es helfe, wenn man wisse, dass die Lebenserwartung erreicht ist und es eine eindeutige Diagnose gibt. Nicht jedes Tier wird im Zoo so alt, wie es könnte. „Wir haben einen Kreislauf des Lebens“, erklärt Lisa Grund. Die Population soll im Gesamtzusammenhang einen Sinn ergeben.

Einige Tiere werden auch getötet und verfüttert. Eingeschläfert werden die Tiere dabei nicht. „Das ist ein chemisches Mittel, das würde dem Tier schaden, das den Tierkörper frisst.“ Ziegen aus dem Streichelzoo werden mit einem Bolzenschussgerät betäubt und bluten aus, wie bei einer Schlachtung. Meerschweinchen bekommen einen Kopfschlag und Genickbruch. Dafür gebe es fachgerecht ausgebildetes Personal sowie erprobte und zugelassene Methoden, sagt Lisa Grund. Zum Leben gehört, dass es irgendwann endet

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