Wie tickte wohl der junge Engels?

Roman jetzt auch als Geburtstagsedition

Von Daniel Diekhans

Wuppertal Wer war Friedrich Engels? Der Wuppertaler Autor Dirk Walbrecker kannte auch nur Klischees, als er sich an sein Engels-Buch „Auf Bruch“ machte. Die Überraschung für ihn war der „Kulturmensch“, der in dem Fabrikantensohn aus Barmen steckte. Der schon als Jugendlicher gerne sang, Gedichte auswendig lernte, selber schrieb und zeichnete. Dieser Engels hat Walbreckers ganze Sympathie.

Als handele es sich um ein geheimes Tagebuch, ist Engels Junior hier der Ich-Erzähler. Auch der gewählte Stil verwischt die Distanz zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn der Text versucht erst gar nicht, die Sprache des 19. Jahrhunderts zu imitieren. Stattdessen spricht der Tagebuchschreiber von „gespeichert“ und „Luxus pur“ – und verrät, dass ihn seine vier Schwestern und drei Brüder „fast alle reichlich nerven“. Mit ihnen wuchs Engels im Elternhaus auf, das „Auf Bruch“ in der Brucher Rotte stand.

Der Romantitel „Auf Bruch“ steht aber ebenso für die Umwälzungen, die die industrielle Revolution mit sich bringt und die der junge Engels hautnah miterlebt. „Uns ist die Analogie der Zeiten aufgefallen“, erklärte Walbreckers Verleger Thomas Helbig. Damals habe die Industrialisierung alles verändert, heute sei es die Digitalisierung: „Wir wissen doch gar nicht, wohin uns diese Entwicklung führt.“

Dass über der Analogie nicht der historische Kontext verloren geht – dafür sorgt die Collage von Original-Dokumenten, die Walbrecker im Text untergebracht hat. Wichtig war ihm auch das Lied „Die Gedanken sind frei“ – Ausdruck des Freiheitsdrangs, von dem der Teenager ergriffen wird.

Die alten Klischees will Walbrecker nicht durch neue ersetzen. Der Vater-Sohn-Konflikt spielt natürlich eine Rolle. Doch erscheint Friedrich Engels Senior nicht bloß als autoritärer Patriarch, sondern auch – der Briefwechsel mit seiner Frau zeige es – als liebevoller Ehemann. Als positives Beispiel für den Junior rückt im Text der Großvater mütterlicherseits, ein Gymnasiallehrer, in den Vordergrund.

„Auf Bruch“ ist als 280-seitiges Taschenbuch und E-Book erhältlich, aktuell auch in einer limitierten Geburtstagsedition“.

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