Ausgezeichnet

Tibor tanzt sich in der Schule des Hamburg Balletts nach vorn

Freude und Stolz bei Tibor Perthel aus Burscheid über die Auszeichnung. Foto: Nadja Lehmann
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Freude und Stolz bei Tibor Perthel aus Burscheid über die Auszeichnung.

17-Jähriger wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Seine Mutter erinnert sich genau an den Moment, an dem eigentlich alles entschieden war: Die Aufführung „Hänsel und Gretel“ in der Montanusschule, bei der sich die Kinder im Kreise drehten und die Augen ihres Sohnes Tibor immer größer wurden. „Tanzen!“, sagte der noch nicht Vierjährige anschließend ehrfürchtig. „Tanzen! Das will ich auch.“

Jetzt ist Tibor Perthel, mittlerweile 17 Jahre alt, in der Ausbildungsklasse VI der Ballettschule des Hamburg Ballett und hat ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung erhalten. Und zum ersten Mal sagt nun auch der Vater, der ihn zwar immer unterstützt hat, aber skeptisch war: „Das könnte etwas werden.“

Kaum ein Beruf ist aber solchen Unwägbarkeiten unterworfen wie der des Tänzers. Ein umgeknickter Knöchel kann das Aus aller Träume bedeuten. Körperliche und mentale Fitness sind Grundvoraussetzung. Und so macht Tibor im Gespräch vor allem eines klar: Dass er noch einen weiten Weg zu gehen hat, so glücklich ihn die Auszeichnung auch macht. „Ich verdanke sie dem Ballett, meinen Lehrern, John Neumeier“, sagt er. „Es ist für mich eine große Ehre, an einer solchen Schule sein zu dürfen.“

Es ist eine Schule von Renommee, ein Sehnsuchtsziel von jungen Tänzern aus der ganzen Welt: Dort formt und unterrichtet das Hamburg Ballett den Nachwuchs. Der 82-jährige Ballettchef John Neumeier, seit 1973 am Haus, ist einer der führenden Choreographen: eine Ikone. Und Tibor aus Burscheid? Ist mittendrin.

„An ein Leben vor dem Tanz kann ich mich gar nicht erinnern“, sagt er. Das Glück, die Freude an der Bewegung waren immer schon da. „Ich habe im Wohnzimmer getanzt, mir einen Schal genommen, mich kostümiert.“ „Und du hast Tschaikowsky dirigiert“, ergänzt Vater Klaus Perthel. „Mit einem chinesischen Essstäbchen.“ Sie seien immer viel mit ihren vier Kindern ins Theater, ins Konzert, in Ausstellungen gegangen, sagt Magali Perthel.

In die Familie „hineingeschwappt“ sei sicher aber auch ihr früherer Beruf: Die gebürtige Französin hat in Luxemburg bei einem Unternehmen gearbeitet, das spezielle Tanzböden anbot. In Luxemburg ist Tibor auch zur Welt gekommen und dort mit seinem älteren Bruder Aurel aufgewachsen, bis die Familie 2006 ins Bergische zurückkehrte – der Heimat von Klaus Perthel. Er ist Konstruktionstechniker und nicht zuletzt begeistertes Mitglied des Orchestervereins Hilgen. Die Liebe zur Musik verbindet Vater und Sohn: „Ich höre sehr viel und schöpfe ganz viel Inspiration daraus“, sagt Tibor.

„An ein Leben vor dem Tanz kann ich mich gar nicht erinnern.“

Tibor Perthel

In Leichlingen in der Tanzwerkstatt von Trixi Schüttler sowie in der Ballettschule der Deutschen Oper am Rhein machte er die ersten Ballettschritte. Doch Tibor wollte mehr, das spürten seine Eltern. Als Zehnjähriger entschied er: „Das ist mein Beruf“ – und zog nach Essen-Werden, um die Tanzabteilung des dortigen Gymnasiums zu besuchen. Nur noch am Wochenende kam er ins Burscheider Zuhause und wohnte sonst bei Gastfamilien. „Er ist dort sehr gereift“, sagt seine Mutter. Sie habe ihn ziehen lassen müssen, sagt Magali Perthel: „Tanzen ist alles für ihn.“

Eine Bedingung gab es aber, betont Klaus Perthel. Den Plan B nämlich. Abitur. „Das war der Deal.“ Und so stehen in den nächsten Monaten wegweisende Entscheidungen an: Tibor wird die 6. Klasse der Ballettschule beenden und für die Aufnahme in die Theaterklasse vortanzen, quasi den krönenden Abschluss seiner Ausbildung. Und er wird Abitur machen, an einem ganz normalen Gymnasium in Hamburg. „Da bin ich einfach Tibor, und wir reden nicht übers Ballett.“

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