Mobilität II

Taxi-Unternehmer will Geschäft mit Leichenwagen aufbessern

Taxifahrer Thomas Winkler (hier mit Hund Paddington) will sich einen völlig neuen Kundenkreis erschließen. Foto: Anna Schwartz
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Taxifahrer Thomas Winkler (hier mit Hund Paddington) will sich einen völlig neuen Kundenkreis erschließen.

Autosammler Thomas Winkler (60) freut sich auf Fahrten in dem umgebauten Chevrolet Caprice.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Vor Thomas Winklers Wohnung stehen ein Smart und ein knapp sechs Meter langer Leichenwagen. „Darin fährt man wie auf einer Sänfte“, schwärmt der Taxi-Unternehmer über seine Neu-Anschaffung. Der 60-Jährige zeigt stolz das Innenleben des umgebauten Chevrolet Caprice aus dem Jahr 1994. Im hinteren Teil sind Rollen angebracht, durch die ein Sarg problemlos ins Innere gleiten kann.

Thomas Winkler will künftig mit dem Auto Totentransporte durchführen, beispielsweise Leichen ins Ausland überführen. Es soll ein Nebengeschäft sein, um das schwächelnde Taxi-Gewerbe zu unterstützen. Für Winkler ist diese neue Tätigkeit allerdings weniger Notlösung, sondern eher eine Herzensangelegenheit. „Ich bin ein Liebhaber von Spezial-Fahrzeugen“, sagt er. Der Sammler besitzt mit seinem Lebensgefährten zwölf Autos. Darunter „einen SUV der Moderatorin Linda de Mol und einen der teuersten Smarts der Welt“.

Kein Nachtleben, keine Fahrten zum Flughafen mehr

Die Geschichte des Taxi-Unternehmens Winkler begann bereits im Jahr 1962. Der junge Thomas hielt damals für die Kunden die Türe auf, zog seine Mütze und kassierte das Trinkgeld. Als der Vater 1970 starb, verpachtete Winklers Mutter die Taxikonzession, bis der Sohn 1998 das Gewerbe des Vaters übernahm.

Seitdem habe sich die Branche verändert, sagt der Wuppertaler. Viele wirtschaftliche und soziale Faktoren störten das Geschäft. Das Kneipensterben ließ die Umsätze schon vor Jahren einbrechen, nun macht Corona den Taxiunternehmern das Leben schwer. Winkler sagt: „Es gibt ja kein Nachtleben mehr.“ Nicht nur das: „Wir fahren auch keine Geschäftsleute und Urlaubsreisende mehr.“

Eine der größten Gefahren für die Zukunft der Branche sei die Übernahme des Beförderungssektors durch Dienste „Uber“ oder „Free Now“. Der Taxiunternehmer, der fünf Fahrer beschäftigt, findet den Trend problematisch. Nicht nur, weil solche Anbieter die Taxitarife unterlaufen: „Wir bieten Services an, die kein anderer anbietet“ – etwa das Ausladen von Gepäck, Botenfahrten oder Fahrten auf Rechnung.

Als Winkler noch Banker war, fuhr er aus Spaß nebenbei Taxi

Selbst am Steuer sitzt der 60-Jährige nur noch selten. Früher war das anders – als er noch Banker bei einer Kreditbank war. Winkler erklärt: „Es war eigentlich nie geplant, dass ich das Unternehmen meines Vaters übernehme.“ Trotzdem faszinierte ihn das Taxifahren immer und er habe nicht den Kontakt zum Gewerbe verlieren wollen. „Es war ja das Vermächtnis meines Vaters.“ Die verrauchten Kneipenbesucher ahnten damals sicher nicht, dass sie an manchen Abenden ausnahmsweise der Vorstandsreferent einer Bank nach Hause chauffierte.

Inzwischen ist Thomas Winkler etwas müde von dem Alltag mit den Kunden geworden durch Negativerlebnisse, die er im Laufe der Jahre hatte. Die netteste Geschichte ist noch die von der alten Frau, die ihm eine Einkaufstasche mit Kohlköpfen auf den Schoss pfefferte. Die anderen sind nicht für die Zeitung geeignet. Daher blickt der Unternehmer nun auch mit Freude auf seine geplanten Fahrten mit dem Leichenwagen. „Ich will nicht nur noch Leute fahren, die mich blöd anmachen.“

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