Hauptbahnhof

Tauben-Ärger: Nägel helfen nicht weiter

Nägel zeigen keine Wirkung: Die Tauben am Hauptbahnhof fühlen sich offenbar wohl. Foto: Stefan Fries
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Nägel zeigen keine Wirkung: Die Tauben am Hauptbahnhof fühlen sich offenbar wohl.

Hauptbahnhof Wuppertal: Bahn sieht das Problem im Füttern.

Von Juri Lietz

Wuppertal. Auf Gleis zwei kommt die Regionalbahn an: „Vorsicht bei der Einfahrt.“ Schienenschwellen rumpeln, Bremsen quietschen – und ein halbes Dutzend Tauben flattert vor dem Zug in die Höhe. Am Wuppertaler Hauptbahnhof sind die Tiere allgegenwärtig, und sie sorgen dafür, dass hier nicht nur „Vorsicht bei der Einfahrt“ geboten ist, sondern auch beim Warten auf dem Bahnsteig. Denn die Tauben richten sich hier auf Anzeigetafeln, Lampen und Vorsprüngen ein.

Tatsächlich ist die Population der Vögel am Hauptbahnhof groß. Es gibt Vorrichtungen, die die Tiere vom Aufenthalt an den Bahnsteigen abhalten sollen: Die Beleuchtung ist mit Netzen bespannt, und auf Wagenstandanzeigern, Mauern und digitalen Anzeigetafeln sind die üblichen Nägel montiert. Doch sie sind unvollständig. An einigen Stellen fehlen sie entweder ganz oder sind unterbrochen. Und selbst dort, wo sie vorhanden sind, hält es die Tauben nicht davon ab, sich hier niederzulassen. Teilweise sind sogar Nester inmitten der Nägel zu finden.

Der Förderverein Stadttauben Wuppertal findet den Zustand nicht tragbar. Er setzt sich für eine langfristige Reduzierung des Bestandes ein. Das soll auf tierschutzkonforme Weise geschehen. Mit Maßnahmen wie Nägeln und Drähten werde das Problem aber nur verlagert. Brutplätze für Stadttauben seien nämlich knapp. Deswegen „finden sie Wege, auch hinter Netzen oder Nägeln zu brüten“, wobei sie sich oft Verletzungen zuzögen, schreibt der Verein. Er plädiert deshalb für den Einsatz von Blech- oder Acrylschrägen, die das Nisten ohne Verletzungsrisiko verhinderten.

Austausch von Eiern gegen Imitate soll Bestand reduzieren

Durch die Bindung der Tauben an einen Schlag könnten sie mit artgerechtem Futter und ausreichend vielen Nistplätzen versorgt werden. Die Eier, die hier gelegt werden, können gegen Imitate ausgetauscht werden. Durchgeführt wird dieses Modell bereits in den vier Taubenschlägen in Elberfeld, Barmen und Oberbarmen, die insgesamt Platz für mehr als 1000 Vögel bieten. Diese Schläge zu fördern hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht; unterstützt wird er von Unternehmen und städtischen Stellen.

Am Hauptbahnhof kann die Stadt selbst jedoch nichts ausrichten. Er fällt in den Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn. Ulrike Schmidt-Keßler aus dem Presseamt der Stadt Wuppertal: „Am Döppersberg, gleich vor dem Bahnhof, haben wir das Problem nicht, weil wir da regelmäßig Raubvögel einsetzen und die Tauben vergrämen.“ Ein Wüstenbussardweibchen ist hier für Abschreckung zuständig.

Die Bahn gibt derweil zu verstehen, ihr sei die Problematik bekannt. Durch zusätzliche Reinigung werde versucht, der Kundschaft „den Aufenthalt am Bahnhof so angenehm wie möglich zu gestalten“. Immer wieder ist im Zusammenhang mit den Tauben von „Vergrämung“ die Rede. Der Taubenverein hält das nur für eine kurzfristige Lösung. Fahrgast Martin Ribbe bleibt eine Erkenntnis: Es sei „schade“, wenn der Taubenkot das Bild des Bahnhofs zunichtemacht.

Die Deutsche Bahn sieht es als Problem, dass die Vögel „immer wieder von Kunden am Bahnsteig gefüttert werden.“ Das Personal der Bahn gehe in einem solchen Fall auf die Menschen zu. Die Hausordnung untersagt das Füttern von Vögeln. Auch in der Stadt ist das Füttern von Tauben eine Ordnungswidrigkeit.

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