Bildung

Studierende werden durch Corona ausgebremst

Die Schwimmtasche konnte Sportstudentin Vanessa Steffes auch in diesem Jahr nicht packen – sie bekam keinen Platz im Kurs. Foto: Andreas Fischer
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Die Schwimmtasche konnte Sportstudentin Vanessa Steffes auch in diesem Jahr nicht packen – sie bekam keinen Platz im Kurs.

An der Bergischen Uni Wuppertal sind die Plätze in Sportkursen noch knapper als sonst, die Kunstateliers bleiben geschlossen.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Vanessa Steffes will Grundschullehrerin werden, hat als zusätzliches Fach zu Mathe und Deutsch Sport gewählt. Aber dieses Fach zu studieren, ist aktuell besonders schwierig. Denn Sport ist online nicht möglich. Sie rechnet mit einer Verlängerung ihres Studiums.

Schwimmen ist ein Pflichtbereich innerhalb des Sportstudiums. Die Plätze sind immer knapp, gerade die jüngeren Semester haben anfangs oft wenig Chancen, einen der begehrten Plätze für die Vorprüfung und dann in den Schwimmkursen zu erwischen. „Jetzt bin ich im fünften Semester und komme trotzdem nicht rein“, ärgert sich Vanessa Steffes. Aktuell werden statt 30 bis 35 jeweils nur 25 Plätze pro Kurs vergeben.

„Jetzt weiß ich nicht, wann ich die Prüfung machen soll.“
Robin Voss, Studierende

Die Plätze seien immer in jeweils ein bis zwei Tagen ausgebucht. Sie hat auch diesmal keinen Platz bekommen, hat deshalb diesen Pflichtkurs immer noch nicht absolviert. Und muss nun bis zum nächsten Jahr warten, bis er wieder angeboten wird.

Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester, die wäre dann überschritten. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gibt es einen Aufschub: „Es gibt ein Freisemester“, sagt Vanessa Steffes. „Die Zeit habe ich aber trotzdem verloren.“ Die Freisemester-Regelung nütze jedoch den Studierenden, die Bafög beziehen.

Benjamin Hermanns, Vorsitzender der Fachschaft Sport, bestätigt, dass der Engpass aktuell besonders groß ist. „Generell gibt es jedes Jahr das Problem“, erklärt er. Weil die Uni wenig eigene Sportstätten habe und viele Studierende aus unterschiedlichen Gründen länger brauchen als geplant, seien immer wieder Plätze in Sportkursen knapp, Studierenden fehle dann am Ende des Studiums noch ein wichtiger Kurs. Das werde aktuell durch die Corona-Pandemie verschärft. Denn überall wurden die Plätze in den Kursen reduziert – entsprechend den Vorgaben durch Stadt und Land.

Leichtathletik wurde oft nach draußen verlegt, aber „beim Schwimmen und beim Volleyball war es sehr eng“, sagt er. Geräte könnten nicht mehr einfach ausgeliehen werden, Besuche bei Vereinen und in größeren Sportstätten in anderen Städten seien nicht möglich. Dadurch fehlten auch Trainingsmöglichkeiten. Beim Schwimmen etwa müsse man normalerweise schon drei bis vier Monate trainieren, wenn man nicht ohnehin in einem Schwimmverein ist. „Das war ja gar nicht möglich.“

Prüfungsamt sucht bei Problemen nach Alternativen

Er hat aber auch erlebt, dass Studierende deshalb besondere Bedingungen bei Prüfungen erhielten. Eine Studentin, die die Prüfung brauchte, damit sie ihr Masterstudium beginnen konnte, musste etwa beim Schwimmen nicht Leistung zeigen, sondern Technik vorführen. „Wenn man sich beim Prüfungsamt meldet, wird auch nach Lösungen gesucht“, sagt er. Die Fachschaft könne dabei helfen und den Kontakt zu den Dozenten herstellen.

Natürlich fehle aber durch die Corona-Pandemie die Gemeinschaft. „Das Sportstudium lebt davon, dass man etwas zusammen macht“, erklärt er. Meistens täten sich vier bis fünf Leute zu einer Gruppe zusammen, belegten gemeinsam die unterschiedlichen Sportarten und könnten sich gegenseitig helfen.

Die Gemeinschaft fehlt auch Robin Voss, die als angehende Grundschullehrerin auch Kunst studiert. Für die Fächer Malerei, Grafik/Zeichnen, Skulptur und Fotografie arbeitet sie sonst im Uni-Atelier, einem großen Raum, in der viele Kommilitonen jeweils eine Nische nutzen. „Man konnte jederzeit hin und arbeiten“, erklärt sie. „Weil immer jemand da war, gab es immer einen Austausch.“ Sie hätten sich gegenseitig Feedback zu ihren Arbeiten gegeben.

Motivation leidet in der Isolation

Wegen Corona mussten sie das Atelier räumen. „Das fehlt extrem.“ Sie tauscht sich mit zwei Studienkolleginnen wöchentlich über Zoom aus, sie versuchten, sich gegenseitig zu helfen. Aber unter diesen Bedingungen motiviert zu bleiben, sei „echt schwierig“.

Die praktischen Kurse ließen sich nicht ins Internet verlegen. Stattdessen wurden Theoriekurse daraus: „In Fotografie haben wir jeder einen berühmten Fotografen vorgestellt.“ Das habe sie aber in ihrer praktischen Arbeit nicht weitergebracht. Eigentlich hätte das Semester für sie mit einer Ausstellung der angefertigten Arbeiten enden sollen, die gleichzeitig Prüfung ist. Die Ausstellung fand nicht statt. „Jetzt weiß ich nicht, wann ich die Prüfung machen soll.“

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