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Städte brauchen Masterplan für Handel

Alt und neu kombiniert: Blick auf den Eingangsbereich des geplanten Lenneper Designer Outlet Centers (DOC) an der alten Feuerwache, die in die DOC-Umgebung integriert wird. Foto: Michael Sieber/Grafik Pickard Chilton
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Alt und neu kombiniert: Blick auf den Eingangsbereich des geplanten Lenneper Designer Outlet Centers (DOC) an der alten Feuerwache, die in die DOC-Umgebung integriert wird.

REMSCHEID Studie erwartet mehr als 500 Shoppingcenter in Deutschland. Experte sagt, dass sie nur als „Marke“ funktionieren.

Von Gerhard Schattat

In Deutschland entstehen immer mehr Shopping-Center. Der Kampf um den Kunden nimmt stetig zu. Insgesamt 476 hat das angesehene Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel, das EHI Retail Institute aus Köln, bis Anfang 2016 erfasst.

Der neue Shopping-Center-Report 2016 zeigt auf, dass ab 2017 in Deutschland noch 26 weitere Shoppingcenter entstehen sollen. Das Netz wird immer enger. Im Bergischen sollen bekanntlich gleich zwei komplett neue hinzukommen: in Wuppertal und Remscheid-Lennep. Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbandes mit Zuständigkeit fürs Bergische und Sitz in Wuppertal, befürchtet einen harten Verdrängungswettbewerb. Dabei will er in dem Zusammenhang gar nicht mal über das ebenfalls geplante „My Urban Outlet“ in Solingen reden, das ja lediglich bestehende Verkaufsflächen in der City neu organisiere.

Städte sollten gemeinsam ihren Handel entwickeln

Engel macht sich vor allem Sorgen um den bestehenden Handel in Wuppertal, weil nicht klar sei, was der Factory-Outlet-(FOC)-Investor am Döppersberg tatsächlich auf seinen geplanten 30 000 Quadratmetern Fläche verkaufen möchte. Die Top-Premium-Marken könnten das nicht sein, meint Engel. Er fürchtet, dass die Warenwelt eher dem ähnelt, was auch so schon in Elberfeld und Barmen verkauft wird. „Es gibt ja keine verbindliche Liste, was verkauft wird“, sagt Engel.

Letztlich müsse man als Outlet aber schon zugkräftige Premium-Marken vorweisen können, um überregional als Magnet zu wirken. Designer-Outlet-Planer Henning Balzer hingegen ziele auf Premium ab, wobei sich auch noch zeigen werde, was tatsächlich angeboten werde. „Im Wuppertaler Outlet wird Lieschen Müller aber mit Sicherheit keine Gucci-Tasche kaufen können“, meint Engel. Für ihn wäre es wichtig, dass die Städte gemeinsam ihren innerstädtischen Handel entwickeln. Und sich nicht gegenseitig Kämpfe lieferten. Engel erwartet, dass Remscheid sein DOC bauen kann; die Wuppertaler FOC-Pläne seien demgegenüber völlig offen.

Marco Atzberger von der EHI-Geschäftsleitung hat an der deutschlandweiten Shoppingcenter-Studie mitgewirkt. Die Situation speziell im Bergischen Städtedreieck ist ihm gut bekannt. Früher sei es so gewesen: Baue ein Shoppingcenter, und die Kunden kommen. Angesichts der mittlerweile sehr hohen Zahl von Shoppingcentern funktioniere das aber nicht mehr so, und das gelte eben auch fürs Bergische. „Ein Center muss sich nun als Marke profilieren.“

Atzberger sieht für die geplanten Outlet-Centerprojekte in Wuppertal, Remscheid und Solingen aber, dass sich die drei Anbieter vor allem über günstige Preise profilieren sollen.

Das sei nun kein Unterscheidungsmerkmal. Diese enge Outlet-Konzentration in einem Umkreis von 50 Kilometern sei schon sehr ungewöhnlich. „Die Städte hätten für den Handel gemeinsam einen Masterplan entwickeln müssen“, findet Atzberger.

Auswirkungen kann diese Massierung von Centern auch auf das bereits bestehende Allee-Center in Remscheid haben. Centermanagerin Kathrin Schubert: „Wir beobachten jede Entwicklung und jede Neuansiedlung in unserem Einzugsgebiet.

SHOPPINGCENTER

BEGRIFF Shopping-Center sind aufgrund zentraler Planung errichtete großflächige Versorgungseinrichtungen, die den kurz-, mittel- und langfristigen Bedarf decken und eine Mietfläche inklusive Nebenflächen von mindestens 10.000 qm aufweisen. Während sich klassische Einkaufszentren zunehmend zu Multifunktionalen Centern weiterentwickeln, stellen Fachmarkt-Center, Factory Outlet Center und Center an Verkehrsknotenpunkten (Flughäfen/Bahnhof) Sonderformen des Shopping-Centers dar.

Jede neue Entwicklung und jede Planung muss in Form von fundierten Analysen genauestens geprüft werden. Nur durch solche detaillierten Analysen können die Auswirkungen auf den bestehenden Handel definiert werden. Dabei liegt die Entscheidung hinsichtlich der einzelnen Planung bei der jeweiligen Orts- und Landespolitik.“

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