Stadtwerke machen Millionenverlust

Kostentreiber ist der ÖPNV. Archivfoto: Stefan Fries
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Kostentreiber ist der ÖPNV. Archivfoto: Stefan Fries

Wuppertal: Erlöse aus dem Stromgeschäft sinken, Bus und Schwebebahn werden immer teurer.

Von Lothar Leuschen

Wuppertal. Die Entwicklung ist Besorgnis erregend. Wuppertals Stadtwerke schreiben rote Zahlen. Für das vergangene Jahr rechnet der Konzern mit einem Verlust von 9,6 Millionen Euro. Und die Tendenz lässt für die Zukunft noch Schlimmeres vermuten.

Kostentreiber ist demnach der Öffentliche Personennahverkehr. Er war noch zu Zeiten von Andreas Feicht als Konzernchef mit einem Zuschussbedarf von 45 Millionen Euro pro Jahr geplant worden. Die Realität sieht aber anders aus: Geplant hatten die Stadtwerke mit Ausgaben für Bus und Schwebebahn in Höhe von 56,4 Millionen Euro – tatsächlich waren es 60,1 Millionen Euro Unterdeckung.

In guten Zeiten wurde dieses Minus mit den Gewinnen aus dem Verkauf von Energie und Wasser ausgeglichen. Aber die Zeiten sind schon seit Jahren nicht mehr gut. Im vergangenen Jahr waren sie sogar richtig schlecht. Statt erwarteter 63,5 Millionen Euro erwirtschaftete die Sparte lediglich einen Gewinn von 60,5 Millionen Euro. Das reicht nicht für das ÖPNV-Loch in der Bilanz und ein paar weitere Sorgenkinder in der WSW-Familie.

Gestiegene Personalkosten und ein außerordentlicher Aufwand in Folge des Schwebebahn-Ausfalls in Höhe von 2,5 Millionen Euro sowie das Minusgeschäft mit dem Kohlekraftwerk Wilhelmshaven sowie das Finanzamt haben dem Konzern die Bilanz verhagelt.

Für die Zukunft rechnet der Konzern nicht mit besseren Vorzeichen. Der Öffentliche Personennahverkehr steht weiter unter Kostendruck, der Personalbedarf steigt, Löhne und Gehälter steigen mit. Auf der anderen Seite wachsen die Erlöse aus dem Energiegeschäft nicht in den Himmel. Angesichts steigender Strompreise sehen sich die WSW nationaler Konkurrenz ausgesetzt, wenn es um den Verkauf von Lieferverträgen an Privat- und Firmenkunden geht.

Damoklesschwert: EU prüft die Quersubventionierung des ÖPNV

Aus diesem Grund bemühen sich die Stadtwerke darum, ihre Dienstleistung auch außerhalb Wuppertals an den Mann zu bringen, mit mäßigem Erfolg. Nach Anfangsverlusten schreibt das Unternehmen „3,4,5“ – benannt nach dem Postleitzahlengebiet potenzieller Kunden – zwar Gewinne, aber in einem unbedeutenden Rahmen. Umso schwerer wiegt, dass das Finanzamt die Abschreibung des Heizkraftwerkes Barmen nicht anerkannt hat. Die Kosten dafür schlagen voll auf die Bilanz.

Hinzu kommt das Steinkohle-Kraftwerk in Wilhelmshaven – statt der erhofften Gewinne müssen die WSW für dessen Verluste aufkommen. 32 Millionen Euro sind dafür zurückgestellt worden – vorläufig.

In dieser Situation schaut der Konzernvorstand besorgt auf die Entwicklung der Mobil-Sparte. Forderungen nach mehr Unterstützung von Bund und Land für den ÖPNV werden laut. Gleichzeitig schwebt über der Quersubventionierung der Nahverkehrskosten durch die Erträge aus dem Energiegeschäft das Damoklesschwert. Die Europäische Union hat den deutschen Sonderweg auf den Prüfstand gestellt.

In diesen Tagen beginnt der Aufsichtsrat der Stadtwerke damit, die Bilanz des Jahres 2019 zu beraten. Es geht darum, Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Äußern mag sich noch niemand. Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) verweist darauf, dass für die Verluste durch den öffentlichen Personennahverkehr bisher nie Geld aus der Stadtkasse an die Stadtwerke geflossen sei. Dafür sei auch nichts in den Haushalt eingestellt. Das soll so bleiben. „Aber es wird immer schwieriger, den ÖPNV zu finanzieren. Unsere Sparkonzepte der vergangenen Jahre haben nicht gefruchtet.“

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