Lennep

Poser-Szene in Remscheid-Lennep: Stadt will Gruppentreffen auf Parkplätzen verbieten

Tiefergelegt, breite Reifen, dicke Endrohre: Viele Autofreunde haben Spaß daran, ihre fahrbaren Untersätze zu präsentieren. Der Krach, der dabei entsteht, stört allerdings die Anwohner. Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke will der Szene mit einer ordnungsbehördlichen Verordnung zu Leibe rücken. Jürgen Kucharczyk (SPD) wünscht sich zudem bauliche Maßnahmen.
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Tiefergelegt, breite Reifen, dicke Endrohre: Viele Autofreunde haben Spaß daran, ihre fahrbaren Untersätze zu präsentieren. Der Krach, der dabei entsteht, stört allerdings die Anwohner.

Ortspolitik befasst sich mit einer neuen Verordnung. Sie soll Signalwirkung für die Poser-Szene haben - neben Lennep unter anderem am Hauptbahnhof.

Remscheid. Die Lenneper Bezirksvertretung befasst sich am nächsten Mittwoch mit einem „Verweilverbot“ auf öffentlichen Parkplätzen. Sie sollen zur Tabuzone für Gruppen werden, die sich nach 22 Uhr in der Öffentlichkeit treffen – etwa, um zu feiern oder um Leidenschaft für aufgemöbelte Autos auszuleben. Dies sei auch als Signal an die Poserszene zu verstehen, erklärt Ordnungsamtschef Arndt Liesenfeld.

Nach wie vor versammeln sich Freunde flotter Flitzer auf der Parkpalette im Einkaufszentrum am Lenneper Bahnhof. „Der Eigentümer will sein Hausrecht ausüben und die Gruppen zum Verlassen des Hauses bewegen. Es gab wohl auch Beschwerden aus den Geschäften“, erklärt Liesenfeld.

Arndt Liesenfeld wirbt für ein nächtliches Verweilverbot auf öffentlichen Parkplätzen.

Der Ordnungsdienst der Stadt und Polizei sollen dabei helfen, dass die Gruppen aus der Anlage verschwinden. Das Problem: „Sie könnten sich 50 Meter weiter einen anderen Treffpunkt suchen, zum Beispiel auf den öffentlichen P+R-Parkplätzen am Lenneper Bahnhof“, erläutert Liesenfeld, der eine neue Verordnung für das gesamte Stadtgebiet vorschlägt.

Danach ist künftig das „Verweilen von Personen auf öffentlichen Parkplatzflächen außerhalb des üblichen Parkvorgangs“, wie es im Amtsdeutsch heißt, täglich von 22 bis 6 Uhr untersagt. Das gilt dann auch für das Parkhaus am Remscheider Hauptbahnhof, in dem immer wieder Partys gefeiert werden. Die neue Verordnung liefere ein Instrument, um diese und andere Treffen zu unterbinden. Denn dabei handelt es sich demnächst um eine Ordnungswidrigkeit, die neben Platzverweisen auch Verwarn- und Bußgeld nach sich ziehen kann.

Auch in diesem Jahr habe es immer wieder Beschwerden von Lennepern gegeben, die Fehlverhalten von Autofahrern beklagten: „Tempokontrollen haben ergeben, dass die Geschwindigkeit nicht das Hauptproblem ist. Es ist die Lautstärke, die von den Fahrzeugen ausgeht“, berichtet Liesenfeld.

Für den Kampf gegen das Übel regte die CDU zuletzt an, Krach unter Strafe zu stellen. Sogenannte Lärmblitzer könnten zu hohe Lautstärke registrieren, was dann bei Verstößen zu Strafen führen müsse. Es gelte, den „Auto-Posern ans Portemonnaie zu gehen“, wie die Überschrift der CDU-Anfrage lautet. Dabei bringen die Christdemokraten auch die Erprobung des Geräts bei einem Modellprojekt ins Gespräch. Arndt Liesenfeld reagiert darauf zurückhaltend. „Der Gesetzgeber muss dafür zunächst einmal eine Rechtsgrundlage schaffen. Ansonsten wäre so etwas ein zahnloser Tiger, was eher kontraproduktiv wäre“, findet er.

Die neue Verordnung zum Verweilverbot auf Parkplätzen wird nun in diversen Ausschüssen thematisiert. Die abschließende Entscheidung darüber ist dem Stadtrat vorbehalten.

Standpunkt von Frank Michalczak: Auf Kontrolle setzen

frank.michalczak@rga.de

Mit einem „Verweilverbot auf öffentlichen Parkplätzen“ will die Stadtverwaltung künftig für mehr Ruhe in Lennep und dem gesamten Stadtgebiet sorgen. Wird das funktionieren? Werden hier die wahren Übeltäter sanktioniert, die mit ihren getunten Fahrzeugen Anwohner terrorisieren? Oder betrifft dies eher die unbescholtenen jungen Menschen, die sich doch nur über ihre Autoleidenschaft mit Gleichgesinnten austauschen wollen?

Über Antworten auf diese Fragen gab es schon vor Jahren Kontroversen und Vor-Ort-Termine mit Politiker und Verwaltungsbeamten. Fakt ist, dass nach wie vor Bewohner Lenneps zu leiden haben, die berechtigterweise ihre Ruhe haben wollen. Es gilt, sie vor Egoisten am Lenkrad zu schützen.

Fraglich ist nur, ob ein nächtliches „Verweilverbot“ tatsächlich Sinn macht. Denn die Motoren heulen auch und vor allem in den früheren Abendstunden. So oder so: Das Problem lässt sich nur durch mehr Kontrollen lösen.

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