Trauerfeier

Stadt Burscheid verabschiedet sich von Stefan Caplan

„Hinterm Horizont geht’s weiter“ mit dem Kleinen Chor des MGV Dürscheid: Die Musikauswahl hatte Stefan Caplan selbst noch getroffen. Foto: Doro Siewert
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„Hinterm Horizont geht’s weiter“ mit dem Kleinen Chor des MGV Dürscheid: Die Musikauswahl hatte Stefan Caplan selbst noch getroffen.

Persönliche und bewegende Trauerfeier im voll besetzten Haus der Kunst.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Im weiten Umkreis war kein Parkplatz mehr zu finden, und das Haus der Kunst war bis auf den letzten Platz gefüllt: Viele waren am Mittwochnachmittag gekommen, um auf der offiziellen Trauerfeier Abschied von Bürgermeister Stefan Caplan zu nehmen, der am 23. Oktober nach kurzer schwerer Krankheit kurz vor seinem 57. Geburtstag gestorben war.

Offizielle Honoratioren wie NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach oder Landrat Stephan Santelmann und die Bürgermeister der benachbarten Städte waren ebenso gekommen wie Vertreter der Vereine und der Feuerwehr, wie Burscheids Kommunalpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg, wie die Rathausmitarbeiter. Gekommen waren vor allem aber auch seine Frau und seine Mutter. Und noch einmal mittendrin auf der mit Blumen und Kerzen geschmückten Bühne war Stefan Caplan – auf einem Foto, das den Bürgermeister so zeigte, wie ihn viele in Erinnerung behalten werden: mit einem Lächeln, zugewandt, mit wachem Blick.

„Stefan hätte sich über jeden von Ihnen gefreut.“

Altbürgermeister Hans Dieter Kahrl

Kein Dresscode. Jeder sollte so kommen, wie er ist: Das war der ausdrückliche Wunsch von Stefan Caplan gewesen, dem Brimborium so gar nicht lag. Und so war auch die Trauerfeier: persönlich und bewegend. Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger leitete sie auf dem Klavier mit Beethovens Bagatelle in Es-Dur ein, bevor der erste Redner ans Pult ging: Altbürgermeister Hans Dieter Kahrl. Es falle ihm schwer, Worte zu finden, bekannte dieser: Er habe einen Freund verloren, bei dem er Burscheid in den besten Händen gewusst habe. „Stefan hätte sich über jeden von Ihnen gefreut“, sagte Kahrl den Besucherinnen und Besuchern der Trauerfeier. Kahrl, politischer Ziehvater Caplans, hob vor allem dessen berufliche Verdienste hervor: „2001 kam er nach Burscheid, war Erster Beigeordneter und damit Vertreter des Bürgermeisters.“ Kahrl würdigte Fleiß und Geradlinigkeit Caplans: „Er war ein verlässlicher Partner.“

2009 wurde Caplan Bürgermeister und zuletzt 2020 wiedergewählt. „Er war ein Macher. Und er war stolz auf seine Mitarbeiter im Rathaus.“ Und er schilderte ein Markenzeichen Caplans: Die Zettel, die er stets dabei hatte. „Darauf notierte er Fragen und Anliegen.“ Wie ein „Fuchs“ sei Caplan auf der richtigen Fährte gewesen: Bei der Akquise von Fördergeldern für sein Burscheid, bei der finanziellen Konsolidierung der Stadt: „Er war ein Glücksfall.“

Das sah Ministerin Ina Scharrenbach ähnlich. „Ich habe so manchen Anruf von ihm bekommen, was beispielsweise den Umbau des Haus der Kunst betrifft. Und wir werden das auch umsetzen.“ Caplan hinterlasse Spuren: „Stefan war ein Kümmerer. Einer, der sah, wo es klemmt und der nach Lösungen suchte“, sagte Scharrenbach, die sich direkt an seine Familie wandte: „Ein Bürgermeister ist immer im Dienst. Die Familie steht oft zurück. Wir danken Ihnen, dass Sie das mitgetragen haben.“ Und sie fand Worte des Trostes für Ehefrau Shideh und Mutter Ursula: „Alles hat seine Zeit –und braucht auch seine Zeit.“

Stefan Caplan habe stets über den Tellerrand geblickt: So würdigte ihn Landrat Stephan Santelmann, und beschrieb ihn als eindrücklichen Gesprächspartner auf Kreisebene. Das Kreisjugendamt habe Caplan als das seinige empfunden: „Nur in der Gemeinschaft kann es gehen. Stefan hat das gewusst.“

„Er war loyal. Ein guter Kamerad“, zollte auch Frank Stein, Bergisch Gladbachs Bürgermeister, Respekt. „Und er hatte Freude am konstruktiven Streit und war ein Freund von klarer Aussprache.“ Da war im Haus der Kunst sogar ein kleines Lachen zu vernehmen: Diesen Stefan Caplan, der nicht lange herumschwadronierte, sondern schnell und deutlich zur Sache kommen konnte, den kannten und mochten die Burscheider.

Die kürzeste und vielleicht schönste Rede hielt Dirk Runge, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters: „Sätze, die es bislang ständig auf den Rathausfluren gab, wie: Chef, wie machen wir das? Chef, hier ist was zum Unterschreiben“, die gibt es nicht mehr. Es ist still bei uns geworden. Unser Chef ist weg.“ Ein rastloser unermüdlicher Chef sei Caplan gewesen, der sieben Tage die Woche im Einsatz und der ohne sein Handy nicht denkbar gewesen sei: „Nachrichten gab es zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber auch sofort Antworten auf Fragen.“ Die Musik hatte Stefan Caplan noch selbst ausgewählt. Lindenbergs „Hinterm Horizont geht’s weiter, Grönemeyers „Der Weg“ und zum Abschluss Bläck Fööss mit dem Quintett des Orchestervereins Hilgen: unverwechselbar, intensiv und sogar lebensbejahend. Typisch Caplan.

Kommentar: Intensiver Bürgermeister

Von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@rga.de

Fassungslosigkeit. Dieses Gefühl einte alle diejenigen, die vom Tode Stefan Caplans erfuhren. Das ging auch mir so. Normalerweise schreiben wir Journalisten in der Zeitung nicht über unsere eigene Gefühlslage. Dafür ist die Zeitung nicht da. In Ausnahmesituationen aber darf es sein. Und dies ist eine. Stefan Caplan war ein intensiver Bürgermeister. Einer, der für seine Stadt brannte. Und der unermüdlich arbeitete und überall in Burscheid zur Stelle war. „Ein Kümmerer“, dieses Stichwort fiel mehrfach auf der Trauerfeier. Ich habe Stefan Caplan als ebenso intensiven Gesprächspartner erlebt. Als einen, der meinungsfreudig war, aber auch neugierig auf andere Standpunkte. Einer, der auch austeilen konnte. Einer aber auch, der hinter der Fassade durchaus verletzlich sein konnte. Und bei dem es kein Hin und Her gab, sondern eine große Verlässlichkeit. „Klare Kante“, so sagen wir im Norddeutschen über solche Menschen. Die Burscheiderinnen und Burscheider konnten sich auf ihn verlassen. Stefan Caplan hinterlässt eine große Lücke, und er wird fehlen. Aber er hinterlässt Spuren, die Bestand haben werden.

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