Sonnborn statt Buckingham Palace

Anruftaxis ergänzen Wuppertaler ÖPNV

Daniel Neukirchen hat die neuen London-Taxis getestet. Foto: A. Fischer
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Daniel Neukirchen hat die neuen London-Taxis getestet.

Was, in zwei Minuten schon da? Das London-Taxi überrascht zunächst durch seine Schnelligkeit.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Kaum habe ich in der neuen WSW-App („Hol mich! app“) mein Ziel in Sonnborn ausgewählt und einen Wagen angefordert, tickt auch schon die Uhr. Also Jacke an, raus aus dem Büro, denn Fahrer Anas steht gleich an der B7 in Elberfeld bereit, wie das Smartphone mich wissen lässt.

Tatsächlich: In der Ferne steht bereits ein schickes britisches „Cab“, so babyblau wie die neue Schwebebahn. Hinter der blauen Schiebetür wartet ein geräumiger Fahrgastraum auf mich. Hier passen ohne Probleme Einkäufe, ein Rollator oder ein Rollstuhl hinein.

Der Fahrer grüßt freundlich und zieht auf die Bundesstraße. Wohin ich möchte, weiß er schon: Sonnborn S-Bahnhof. Das London Cab fährt zwar aus Genehmigungsgründen nicht von Tür zu Tür, hält aber an 4000 möglichen Haltepunkten.

Die Fahrt in dem E-Auto ist angenehm, weil der fahrende Wagen sehr leise über Wuppertals Straßen rollt. Besonders hübsch: Durch das transparente Dach lohnt sich während der Fahrt auch der Blick nach oben.

Für die Rückfahrt von Sonnborn nach Elberfeld rufe ich ein neues London-Taxi, das diesmal flotte sechs Minuten bis zur Ankunft benötigt. Unser Fahrer heißt Tarek Hamou. Der 38-Jährige ist ein geflüchteter Syrer und wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in Barmen. Er war schon Expresszusteller für die Deutsche Post und fuhr zuletzt für den Mitfahr-Dienst „Uber“ in Düsseldorf. „Da gab es immer sehr viel Stau und die Straßenbahn hat uns Probleme gemacht“, berichtet Hamou. Da fahre es sich in Wuppertal angenehmer. Und auch die Leute seien freundlicher. Ich bin am Mittag Hamous zweiter Kunde.

Die Wagen sind ab sofort montags bis donnerstags von 6 bis 22 Uhr und freitags und samstags von 6 bis 3 Uhr sowie sonntags von 8 bis 22 Uhr auf der Straße.

Auch wenn WSW-Mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger davon spricht, dass die neuen London-Taxis nicht in Konkurrenz zu ihren Pendants mit der Hellelfenbein-Lackierung stehen, sehen das einige Taxi-Unternehmer anders. „Wir sehen dieses Angebot schon als Konkurrenz an“, sagt Nico Höttges, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Taxizentrale. Einige Kollegen seien auch verärgert, weil es nicht zu einer Zusammenarbeit mit den Stadtwerken gekommen ist. Zumindest die Fahrer hätten die Taxiunternehmer gerne gestellt. Doch die Ausschreibung hat ein externes Unternehmen gewonnen.

Taxi-Unternehmen sind verärgert über Preise

Ebenfalls ein Dorn in Höttges Auge: „Die Preise liegen weit unter dem Taxi-Tarif.“ Das liegt daran, dass das London-Taxi eben kein Taxi im rechtlichen Sinne ist, weil es eben „Haltestellen“ anfährt und weil es auch sein kann, dass die Fahrer auf dem Weg noch weitere Kunden einladen. So wie beim ÖPNV üblich.

Für die Fahrt von Sonnborn in die Elberfelder City zahle ich 8,10 Euro, die direkt über Kreditkarte oder Paypal abgebucht werden. Ein zweiter Mitfahrer hätte nur 4,05 Euro gezahlt, eine dritte Person 2,03 Euro.

Endstation am Neumarkt: Das schicke Automobil zieht die Blicke auf sich. Ich wünsche Hamou hinter der Plexiglasscheibe einen schönen Tag und steige aus. Wie es mit ihm so war, will jetzt auch die App wissen. Klare Sache: fünf von fünf Sternen.

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