Steigende Kosten

So spart Wuppertal Energie – härtere Maßnahmen möglich

Zwei Flügel im Barmer Rathaus werden nur so beheizt, dass sie keinen Schaden nehmen – die Mitarbeiter ziehen aber um.
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Zwei Flügel im Barmer Rathaus werden nur so beheizt, dass sie keinen Schaden nehmen – die Mitarbeiter ziehen aber um.

Wuppertal. Städtische Gebäude werden früher als geplant beheizt.

Von Anne Palka

Ab dieser Woche heizt die Stadt Wuppertal ihre Gebäude: Aufgrund der gesunkenen Temperaturen in den vergangenen Tagen, die Wetterstation Buchenhofen maß nachts Werte um die drei bis sechs Grad, seien die Räume nun ausgekühlt, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig. Eigentlich sollte die Heizsaison erst am 15. Oktober beginnen. Um Energie zu sparen, hat die Verwaltung beschlossen, die Temperatur auf maximal 19 Grad zu bringen. Bisher waren 20 Grad normal. Diese Differenz führt zu einer Einsparung von rund fünf Prozent.

Außerdem wurden vier Gebäudeteile festgelegt, die nur so beheizt werden, dass sie keinen Schaden nehmen – die Mitarbeiter ziehen aber ins Home Office oder andere Büros um. Das betrifft zwei Flügel im Barmer Rathaus, das Gebäude an der Bergbahn bis auf das Servicecenter und einen von zwei Teilen des Gebäudemanagements, berichtet Johannes Slawig.

„Wir haben die Sofortmaßnahmen für den Herbst umgesetzt“, sagt er. Die aktuellen Entwicklungen würden laufend beobachtet. „Weitere Maßnahmen will ich nicht ausschließen.“ Von der Meldung, dass die deutschen Gasspeicher mittlerweile gut gefüllt sind, dürfe man sich nicht täuschen lassen – bei kaltem Winterwetter reichten sie für zwei Monate. „Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass es zu Engpässen kommt.“

So spart der Grüne Zoo in Wuppertal Energie

Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, den Verbrauch um 20 Prozent zu senken. Wuppertal sei in engem Austausch mit anderen Kommunen.

In Wuppertal sollen vom 23. Dezember bis zum 8. Januar nur Mitarbeiter tätig sein, die Notdienste abdecken oder im Bereich des Bürgerservices tätig sind. Über die Beleuchtung in der Weihnachtszeit haben die Verwaltungsvorstände aus dem Bergischen Städtedreieck bei einem Treffen gesprochen. Auf Märkten sind die Veranstalter selbst verantwortlich, wie viele Lichter sie anschalten. Sie seien aufgrund der hohen Energiekosten selbst daran interessiert, den Verbrauch zu reduzieren, vermutet Slawig.

Die Stadt selbst spart seit einem Monat bei den Straßenlaternen. Das Licht wird ab 22 Uhr statt ab Mitternacht um etwa die Hälfte gedimmt, soweit das bei den einzelnen Laternen technisch möglich ist. Ganz ausgeschaltet werden sie nicht. Die Stadt rechnet mit einer jährlichen Ersparnis von 143 000 Kilowattstunden und 60 Tonnen CO2.

NRW-Innenminister Herbert Reul warnte unlängst davor, dass durch abgeschaltete Laternen Angsträume entstehen könnten. Und die Polizeigewerkschaft fürchtet, dass es zu mehr Straftaten kommen könnte. Die Wuppertaler Polizei sagt, dass die Auswirkungen des Dimmens sehr schwierig zu erfassen seien – sowohl auf die subjektive als auch die objektive Sicherheit. Im ersten Monat der Maßnahme habe es jedenfalls keine Auffälligkeit gegeben. Bei der Stadtverwaltung seien keine Beschwerden eingegangen, sagt deren Sprecher Thomas Eiting.

Eine weitere Maßnahme, die die Stadt bereits umsetzt, betrifft die Sportstätten. Seit Anfang August gibt es in vielen Hallen kein warmes Wasser mehr, im Winter sollen sie auf 17 Grad beheizt werden. In den städtischen Schwimmbädern, „bisher Energieverbraucher Nummer Eins“, so Slawig, wurde die Wassertemperatur von 27 auf 26 Grad reduziert. Die Saunen wurden geschlossen.

Weitere Maßnahmen möglich – die wären noch tiefgreifender

In einigen Bereichen gebe es noch „Eskalationsmöglichkeiten, da wollen wir aber noch nicht dran“, sagt Johannes Slawig. Solche weitergehenden Energiesparmaßnahmen würden größere Einschränkungen bedeuten.

Der Städtetag NRW, bei dem Wuppertal Mitglied ist, fordert weitere Unterstützung für Kommunen und Bürger. Der Vorstand sehe „mit großer Sorge die steigenden Energie- und Verbraucherpreise. Die Energiekrise wird alle treffen.“

Energiespende

Eine freiwillige Energiespende von einem Euro pro Karte für die Wuppertaler Bühnen: Das hat der Vorsitzende des Kulturausschusses, Rolf Köster (CDU), vorgeschlagen. „Dieses Modell dürfte auch für die anderen Kulturinstitutionen der Stadt als Vorbild dienen, wenn es sich in der Praxis bewährt.“ Die Bühnen haben für 2023 mit einer Erhöhung der Energiekosten um 20 Prozent und Ausgaben von 120 000 Euro kalkuliert, die sich aufgrund der Krise um 50 000 Euro erhöhen dürften, erklärte Köster. Energieeffizientes Arbeiten reiche nicht aus, um dies aufzufangen.

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