Kooperation

So eng ist Wuppertal mit den Nachbarn

Der Bergische Rat soll ein erster Schritt der gemeinsamen politischen Willensbildung sein.
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Der Bergische Rat soll ein erster Schritt der gemeinsamen politischen Willensbildung sein.

Umliegende Städte und Kreise im Bergischen sind Partner, teilweise aber auch Konkurrenten.

Von Anne Palka

Wuppertal. Am Mittwoch traf sich eine Arbeitsgruppe des Bergischen Rats: Sie bereitete die nächste Sitzung vor, an der im Oktober Politiker aus Wuppertal, Solingen und Remscheid teilnehmen. „Der Bergische Rat ist ein erster Schritt der gemeinsamen politischen Willensbildung“, sagt Stephan Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, zu der das Gremium gehört. Die Politiker sollen Themen zur Zusammenarbeit mitbringen und zurück in die Städte tragen.

„Die Kooperationsbereitschaft ist in den letzten drei, vier Jahren sehr gewachsen“, sagt Vogelskamp, auch in den Verwaltungen. Das sei wichtig, um Herausforderungen besser zu bewältigen – zum Beispiel bei den Themen Wirtschaftsförderung, Digitalisierung, Klimaschutz und Mobilität. Die Arbeitsgruppe wolle auch den Nutzen des Gremiums steigern, sagt der Wuppertaler CDU-Fraktionschef Ludger Kineke: „Es herrschte teilweise der Eindruck, dass nur formale Fragen abgearbeitet werden.“

Eine Gegenmaßnahme ist die Diskussion über ein Schwerpunktthema, sie findet im Oktober zum zweiten Mal statt, im Mai war der Wupperverband mit einem Bericht zum Hochwasser zu Gast. Es gebe eine Liste mit Ideen, sagt der Vorsitzende Klaus-Jürgen Reese (SPD), zum Beispiel Radwege zwischen den Städten oder eine Gedenkstätte.

Auch über den Bergischen Rat hinaus pflegt Wuppertal Beziehungen zu den Nachbarstädten. Eine Übersicht.

Solingen und Remscheid: Im Bergischen Städtedreieck gebe es die engste Zusammenarbeit, sagt der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. „Die anderen Verbindungen haben nicht die gleiche Intensität wie mit Solingen und Remscheid.“ Austausch gebe es in festen Formaten und in der alltäglichen Arbeit der Fachabteilungen. „Wir arbeiten sehr vertrauensvoll mit den Oberbürgermeistern und Verwaltungsvorständen zusammen.“

Uneinigkeit herrschte beispielsweise bei der „sensiblen Frage zum Standort der BHC-Arena“ oder beim ehemals geplanten Outlet-Center. „Da haben wir erlebt, dass sich die Städte sogar mit Klagen begegnet sind und sich gegenseitig die Entwicklung erschwert haben“, das dürfe nicht mehr vorkommen, sagt Schneidewind. Sein Eindruck ist, dass sich die Zusammenarbeit verbessert habe – „vielleicht hat da auch der personelle Wechsel geholfen.“ Wirkliche Konkurrenzfelder nehme er nicht wahr. Die bisherige Zusammenarbeit bricht an manchen Stellen aber wieder auseinander: Solingen hat das gemeinsame Bergische Studieninstitut für kommunale Verwaltung verlassen und dachte Anfang des Jahres darüber nach, aus dem Bergischen Service-Center auszusteigen.

Kreis Mettmann: Im Nordwesten grenzt Wuppertal an Haan, Wülfrath, Velbert und Mettmann. Als die Kalkwerke Oetelshofen nach neuem Platz für Abraum suchten, gab es einen Runden Tisch, an dem auch Vertreter des Kreises saßen. Könnte die Grube Neandertal in Haan eine Alternative zur Rodung im Osterholz sein? Uwe Schneidewind bezeichnete die Gespräche als konstruktiv. Die Idee scheiterte an umweltrechtlichen, zeitlichen und wirtschaftlichen Hürden, es gab eine gemeinsame Stellungnahme.

Ein weiteres Thema ist die Kleine Höhe an der Grenze zu Velbert-Neviges. Als Wuppertal dort eine Forensik plante, bezogen Verwaltung und Politiker der Nachbarstadt kritisch Stellung. Es gab Bedenken, dass Naherholung und Landschaftsbild beeinträchtigt würden. Derzeit versucht Wuppertal, dass die Fläche nicht mehr als potenzielles Gewerbegebiet gilt.

Oberbergischer Kreis: In Bey­enburg grenzt Wuppertal an Radevormwald. Aktuell erstellt ein Planungsbüro eine Machbarkeitsstudie, ob die Zugverbindung der Wuppertalbahn reaktiviert werden könnte. Auf der Trasse bis Oberbarmen fährt seit gut 40 Jahren kein Personenzug mehr. Für die Prüfung haben die Städte Wuppertal, Radevormwald, der Oberbergische Kreis sowie die Verkehrsverbünde VRR und NVR Anfang 2022 eine Verwaltungsvereinbarung unterzeichnet. Die Kosten übernehmen sie zu gleichen Teilen, Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen. „Natürlich ist Wuppertal bei dem Projekt nicht Vorreiter, Radevormwald hat ein größeres Interesse“, sagte der Wuppertaler Stadtsprecher Thomas Eiting.

Zukunftspreis

Solingen, Wuppertal, Remscheid – drei Städte, eine Region. Das soll der Bergische Zukunftspreis dokumentieren. Er wird am 7. September erstmals an ein Start-up, ein Unternehmen und für ein Lebenswerk vergeben. Initiiert wird er von der IHK, den Handwerkskammern sowie den Tageszeitungen ST, WZ und RGA. Unterstützt wird er von der Volksbank.

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