Angeln

Sein Abendessen kommt frisch aus der Wupper

Stefan Brands geht regelmäßig in der Wupper angeln. Foto: Andreas Fischer
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Stefan Brands geht regelmäßig in der Wupper angeln.

Wuppertal. Angler Stefan Brands zeigt die Welt des Fliegenfischens im Stadtfluss.

Von Daniel Neukirchen

Eine tote Fliege treibt auf der Wasseroberfläche der Wupper. Zumindest soll das die Bachforelle denken. In Wirklichkeit ist die Fliege ein Imitat von Angler Stefan Brands, der die Kontrolle über die Schnur hat, an der die Fliege hängt. Geduldig lässt der Fliegenfischer den Köder immer wieder ein kleines Stück mit dem Strom treiben. Dann wechselt er seine Taktik und zieht leicht an der Schur, so dass die Fliege scheinbar lebendig wird und über die Wasseroberfläche huscht.

Brands spielt Fliege – fast wie ein Puppenspieler. Wie es sich für einen guten Angler gehört, hat der 49-Jährige viel Geduld mitgebracht. Dass er die haben muss, hat er zum ersten Mal gelernt, als er vor Jahren mit dem Fliegenfischen angefangen hat. „Das erste Dreivierteljahr habe ich gar nichts gefangen, nur Bäume und Sträucher beim Rückschwung“, sagt Brands.

„Wir haben hier mit der Wupper eine Perle mitten in der Stadt.“

Stefan Brands über den Stadtfluss

Er ist Vorsitzender der Angelsport-Gemeinschaft Steinbeißer und erhält in diesen Tagen einige Anfragen von erfahrenen Fischern, die gerne auch einmal in Wuppertal ihrem Hobby nachgehen wollen. Die Situation in Wuppertal sei eine ganz besondere, betont Brands: „Wir haben hier mit der Wupper eine Perle mitten in der Stadt.“ Andere Angler würden teilweise hunderte von Kilometern reisen, um gute Fische aus dem Wasser zu ziehen. Brands kann seine Bachforellen quasi direkt vor seiner Haustür fangen. Er sagt: „Meine besten Fische habe ich in Wuppertal gefangen. Nicht in Kärnten.“ Seine Hoffnung ist, dass auch der Lachs einmal in größerer Zahl zurückkehrt.

Die Wupper-Angler haben es momentan noch exklusiv auf die Bachforelle abgesehen. Ab einem Mindestmaß von 30 Zentimetern darf sie aus dem Fluss genommen werden. Kleinere Fische und andere Arten wie etwa die vom Aussterben bedrohte Äsche müssen Angler wieder zurück in die Wupper geben. Landet eine dicke Bachforelle einmal im Kescher ist sie allerdings auch für den Verzehr bestimmt. Das ist so in Deutschland rechtlich geregelt. Brands erläutert: „Angeln nur aus Spaß an der Freude ist verboten.“ Daher genießt Brands regelmäßig die rotfleischigen Forellen aus der heimischen Wupper.

Die rund 60 Aktiven des Vereins dürfen in der Wupper angeln

Es schwimmen auch Döbel und Barben in der Wupper, die seien jedoch wenig schmackhaft. Es gebe auch im Stadtgebiet wunderschöne Wupperufer, etwa im Bereich der Junior-Uni flussabwärts. Blutige Anfänger melden sich kaum bei den Steinbeißern – was wohl auch daran liegt, dass für das Angeln so einige Einstiegshürden überwunden werden müssen. Am Anfang jeder Angler-Karriere steht die Fischerprüfung. Wer sich dann das entsprechende Equipment gekauft hat, der darf dann zwar rein theoretisch zum Angeln aufbrechen, jedoch nicht in der Wupper. Die Fischereierlaubnis an der mittleren Wupper zwischen Rosenau in Oberbarmen und der Pestalozzistraße am Arrenberg besitzt die ASG Steinbeißer. In der Regel dürfen also nur Vereinsmitglieder hier angeln – derzeit rund 60 Aktive. Der Ersteintritt ist mit einer höheren Gebühr verbunden. Einzig in Beyenburg können Angler ohne Vereinsverpflichtung fischen. Der Bergische Fischerei-Verein verkauft hier Gastkarten.

Ganz plötzlich wird die ruhige Idylle durchbrochen. Brands kämpft mit der Schnur. Ein Fisch tritt an die Oberfläche, dreht und windet sich. Nach einem kurzen Moment der Angler-Begeisterung geht die Bachforelle auch schon wieder vom Haken. Sie wäre wohl sowieso zu klein gewesen. Brands steigt aus dem Wasser. Der Fisch bekommt eine Schonfrist eingeräumt: „Wir sehen uns in ein bis zwei Jahren wieder.“

Wupper

Über Jahrzehnte richteten die Wuppertaler ihren Stadtfluss übel zu. Rot und blau floss er aus Wuppertal hinaus, weil die Färber ihre Farbe ins Wasser leiteten. Später sorgte die Industrie dafür, dass die Wupper schwarz aus dem Stadtgebiet kroch und sich erst nach Kilometern wieder erholen konnte. Die Fische waren zeitweise verschwunden.

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