Bürgervotum

Aus für Seilbahn: Stadt zieht Konsequenzen

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Die Bergische Universität braucht nun eine neue Lösung für ihr Verkehrsproblem.

WUPPERTAL Wuppertaler Parteien und die Stadtwerke respektieren das Votum – zum Teil mit Bedauern.

Von Katharina Rüth, Daniel Neukirchen und Lothar Leuschen

Das Bürgervotum war eindeutig: Knapp 62 Prozent der Teilnehmer haben sich bei der Bürgerbefragung gegen die Seilbahn vom Hauptbahnhof nach Küllenhahn ausgesprochen. Damit wird diese Idee nicht weiterverfolgt. Oberbürgermeister Andreas Mucke sagte am Montag ausdrücklich: „Das ist ein deutliches Ergebnis, das es zu akzeptieren gilt. Damit ist das Thema Seilbahn erledigt. Punkt.“ Auch die Stadtwerke haben erklärt: „Als Dienstleister der Bürger und der Stadt respektieren wir das Votum und gehen davon aus, dass auch der Rat diesem folgt“, sagt WSW mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger. Die Parteien haben bereits angekündigt, das Votum zu respektieren.

Er sieht für das Seilbahn-Projekt vor dem Hintergrund des Bürgerwillens keine Umsetzungsperspektive mehr: „Wir bedauern dies sehr, denn wir sind von der Idee überzeugt“, erklärt er. Doch diese hätte nur mit Unterstützung der Bürgerschaft umgesetzt werden können. Jaeger versichert: „Wir werden uns auch weiterhin im Sinne der Bürger für einen nachhaltigen ÖPNV in Wuppertal einsetzen.“ Offen ist, wie der Transport der Studenten zur Uni besser organisiert werden kann. Jaeger sagt dazu: „Für die Anbindung der Universität gibt es keine einfache Lösung. Das ist mit Bussen nicht befriedigend zu machen, egal, um welche Art von Bussen es sich handelt. Morgens und nachmittags gibt es auf den Straßen zwischen Universität und Döppersberg ein Kapazitätsproblem.“

Das sagt auch Peter Vorsteher, Vorsitzender der Initiative „Pro Seilbahn“ und Grünen-Ratsherr: „Die Probleme sind geblieben. Die Busse zur Uni stehen im Stau beziehungsweise sind Teil des Staus.“ Er weist auch darauf hin, dass die Seilbahn dazu beitragen sollte, die Luft in Wuppertal zu verbessern und damit mögliche Fahrverbote zu verhindern. Er schlägt eine Busspur auf der Südstraße und eine Vorrangschaltung für Busse an den Ampeln vor. Zudem hätten die Studierenden – wie alle anderen ÖPNV-Nutzer – ein Recht darauf, direkt am Hauptbahnhof umsteigen zu dürfen.

Keine Seilbahn, doch die Sachfragen sind geblieben

Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität, betont: „Die Seilbahn war kein Vorschlag der Universität. Sie ist von den Stadtwerken an uns herangetragen worden und wir fanden sie gut, weil sie unser Verkehrsproblem gelöst hätte.“ Er kritisiert: „Die Politik hat sich da aus der Verantwortung gezogen. Nun gibt es keine Seilbahn. Doch die Sachfragen sind geblieben. Jetzt wäre ein neuer Vorschlag gut, am besten einer, der politisch auch durchsetzbar ist.“ Was verkehrlich möglich ist, dazu liefen Abstimmungen zwischen Stadt, Uni und Stadtwerken, erklärt Niklas Jacken aus dem Büro von Verkehrsdezernent Frank Meyer. Aber bisher sei noch nichts spruchreif.

Sehr enttäuscht äußerte sich Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschulsozialwerks. Er habe in Breslau eine sehr effektive Seilbahn zwischen Stadt und Universität erlebt, das auch für eine gute Idee für Wuppertal gehalten. „Aus meiner Sicht hat der Rat der Stadt eine große Chance vertan“, bedauert er. Und kritisiert das Mittel der Bürgerbefragung. Die Methode sei nur geeignet bei Themen, die alle oder zumindest die meisten Bürger betreffen. Nun hätten die Seilbahngegner das Gros der nicht betroffenen Bürger mit übertriebenen Ängsten verunsichert.

Ganz anders blickt die Initiative „Seilbahnfreies Wuppertal“ auf die Abstimmung. Sie erklärt in einer Pressemitteilung: „Wir freuen uns darüber, dass das Projekt damit politisch beerdigt ist.“ Sie danken Helfern und Spendern für die Unterstützung. Und sie erklären: „Wir erwarten, dass im Rat der Stadt Wuppertal jetzt zeitnah die Weichen für eine vernünftige Investorenlösung für das Fundbüro-Grundstück gestellt werden.“

KOSTEN

AUSGABEN Die Stadtwerke haben für Gutachten und Planungsunterstützung rund 200 000 Euro ausgegeben. Bei der Stadt fielen rund 340 000 Euro an: Bürgerbefragung 250 000 Euro, Bürgergutachten und Folgeveranstaltungen 81 000 Euro, gutachterliche Leistungen für das Bürgergutachten 8200 Euro.

Auch für das Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs kann es jetzt vorwärtsgehen. Bei der Bahn war das Investorenauswahlverfahren für die Entwicklung des Areals rund um das Empfangsgebäude und die Nebengebäude planmäßig angelaufen. Doch vom möglichen Bau der Seilbahn hing ab, ob Flächen für den Bau der Talstation gebraucht werden.

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