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Seelsorger: „Polizisten sind keine Roboter“

Polizeiseelsorger Dominik Schultheis ist beim Kreis Mettmann tätig, betreut aber auch Beamte in Wuppertal und Düsseldorf. Foto: Stephan Köhlen
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Polizeiseelsorger Dominik Schultheis ist beim Kreis Mettmann tätig, betreut aber auch Beamte in Wuppertal und Düsseldorf.

Mettmann. Dominik Schultheis hilft, wenn selbst Beamte nicht mehr weiter wissen.

Von Valeska von Dolega

Die tödliche Loveparade in Duisburg, Pyro-Technik zündende Ultras im Stadion oder an Bäume gekettete Naturschützer, die mit Fäkalien werfen – der Einsatz eines Polizisten ist nicht immer leicht. Übersteigen Situationen wie Autounfälle mit Toten oder der Gebrauch der Waffe die Kapazität des Aushaltbaren und gehen an die Substanz, gibt es für sie im Kreis Mettmann Hilfe: Dominik Schultheis. Der 48-Jährige ist katholischer Pfarrer, systemischer Supervisor und Coach sowie Fachberater Psychotraumatologie und bietet als Polizeiseelsorger Polizeibeamten Hilfe an.

Wer der Seele eines anderen helfen möchte, braucht gute Ohren. Zuzuhören ist eine der wichtigsten Aufgaben. „Um ins Gespräch zu kommen, schlage ich Brücken“, sagt der Theologe. Er taucht also nicht erst aus dem Nichts auf, wenn Not ist. „Ich besuche Beamte auf der Wache, begleite sie im Dienst, versuche, an ihren Leben teilzunehmen.“ Unaufdringlich und respektvoll, aber eben so, dass eine Vertrauensbasis entsteht.

Als „lohnenswerte und sinnvolle Aufgabe“ beschreibt Dominik Schultheis die Arbeit, die er mit zwei weiteren Seelsorgern ausübt. Seit einem Jahr ist er dabei, übrigens zunächst zögernd, „denn meine Erfahrungen mit der Polizei waren als Privatmann nicht immer nur positiv“. Die Liste der Themen, die Polizisten unter den Nägeln brennt, wird nicht unbedingt angeführt von aus dem Ruder gelaufenen Demos oder Gewaltausbrüchen im Stadion. „Mangelnden Respekt“ nennen viele. „Nicht nur von Radikalen, sondern aus der Mitte der Gesellschaft.“

„Mangelnder Respekt aus der Mitte der Gesellschaft geht vielen an die Nieren.“

Dominik Schultheis, Seelsorger bei der Polizei

Die nötige Akzeptanz fehlt mittlerweile oft schon beim Durchschnittsbürger, der zuweilen pampig, laut und sein Interesse über das der Allgemeinheit stellend die notwendigen Aufgaben der Beamten häufig schlichtweg ignoriert. „Das geht vielen an die Nieren“, ebenso wie der Schichtdienst belastend sein kann, „gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, aber auch, dass Beziehungen nicht rund laufen oder Freundschaften Mangelware sind, weil keine Zeit und Energie für soziale Kontakte jenseits des Berufs bleibt, sind dann Gesprächsthema“. Ob von Umweltaktivisten im Hambacher Forst mit Kotbeuteln, auf der Demo mit Steinen oder im Stadion mit Böllern beworfen zu werden: „Beamte sind keine Roboter, sondern Menschen in Uniform“.

Wer mit Dominik Schultheis ins Gespräch kommen möchte, findet ihn nicht in einem Büro am Ende des Flurs im Präsidium – manche fürchten, dort gesehen zu werden und Spott zu ernten. „Das ist ein sehr sensibles Thema, deshalb reagiere ich flexibel.“ Per Mail und über Handy ist er sieben Tage in der Woche an 24 Stunden erreichbar, verabredet wird dann ein Gespräch bei einem Spaziergang, im Café oder in seinem Düsseldorfer oder Wuppertaler Büro.

„Polizeiseelsorger stehen unter absoluter Schweigepflicht. Auch unterliegen sie nicht dem Strafverfolgungszwang und haben vor Gericht das Zeugnisverweigerungsrecht.“ Das bietet den Beamten einen unschätzbaren Schutzraum, der nicht nur für Dienstliches gerne in Anspruch genommen wird. „Wir Polizeiseelsorger sind nicht fromme Betschlümpfe, sondern fachliche Experten“, betont Dominik Schultheis. „Wir wollen die Beamten nicht missionieren, sondern ihnen kompetent helfend zur Seite stehen. Dazu müssen wir selbst bereit sein, uns fachlich fit zu halten und dazuzulernen.“

Ein lebenslanger Prozess, den der 48-Jährige auch über seinen Lehrauftrag an der Polizeihochschule Köln vermitteln will, dort unterrichtet er Ethik. Mit sich selbst in „gutem Kontakt“ zu sein, versucht er als Prinzip nicht nur den Polizisten zu vermitteln. Das lebt er auch selbst. „Beim Joggen kann ich mir manch Belastendes von der Seele laufen.“

Hintergrund

Der Pfarrer trifft nicht per se auf offene Türen: „Im Bereich der Sachbearbeitung Kinderpornografie erlebe ich als Kirchenmann durchaus auch Vorbehalte.“ Da könne man nicht viel mehr machen, als sich anzubieten, betont Polizeiseelsorger Dominik Schultheis.

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