Mobilität

E-Scooter sorgen in Hilden für Ärger

Die Stadtverwaltung sieht in den Elektrorollern keinen sonderlichen Mehrwert für die Mobilität der Hildener. Das machte sie jetzt in einer Bilanz deutlich. Archivfoto: Christian Beier
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Die Stadtverwaltung sieht in den Elektrorollern keinen sonderlichen Mehrwert für die Mobilität der Hildener. Das machte sie jetzt in einer Bilanz deutlich.

Hilden. Weitere Anbieter sind an der Vermietung der Elektroroller interessiert.

Von Tobias Dupke

Zwei weitere Anbieter von E-Scootern haben laut der Stadt ihr Interesse bekundet, in Hilden mit der Vermietung ihrer Fahrzeuge zu starten. Damit würde sich die Zahl der Elektroroller von aktuell 100 auf 200 verdoppeln. Bislang teilen sich die Firmen Bird und Tier den Markt – in Zukunft könnten auch die Unternehmen Lime und Bolt mitmischen.

Dabei sorgen bereits jetzt Nutzer, die sich nicht an die Regeln halten, für Missmut. Wie eine nun vorgestellte Bilanz der Stadt zeigt, beschweren sich die Hildener vor allem über falsch abgestellte Roller. „Seitens des Ordnungsamtes wurden solche Fahrzeuge verwarnt, die besonders behindernd auf Rad- und Gehwegen abgestellt waren. Es wurden insgesamt 15 E-Scooter und zwei Transporter verwarnt“, schreibt die Verwaltung. Mit den Transportern werden die Elektroroller eingesammelt, um die Akkus aufzuladen und später in den sogenannten Nestern – zehn festgelegte Parkzonen für die Scooter im Stadtbereich – wieder aufzustellen.

Das sollte eigentlich jeden Abend stattfinden – und scheint nicht besonders zuverlässig zu klappen: „Das seitens des Anbieters zugesagte nächtliche Einsammeln der E-Scooter und das anschließende Zurückbringen“ zu den Standorten erfolge nicht immer zeitnah. Die Roller stünden auch mehr als zwei Tage „irgendwo im Stadtgebiet herum“, was besonders in Wohngebieten auffalle und zu Meldungen führe. „Auch vermeldet das Ordnungsamt eine fehlende Kooperationsbereitschaft seitens der Bird Rides Europe-Franchisenehmer, die offiziell Halter der Fahrzeuge (E-Scooter und Transporter) sind. Bisher erteilte Verwarnungen werden ignoriert“, schreibt die Stadt.

„Eine ernstzunehmende Problematik stellte dabei die missbräuchliche Nutzung von E-Scootern in der Fußgängerzone dar.“

Aus der Bilanz der Stadt

Aber nicht nur der ruhende Verkehr bereitet den Hildenern Sorgen. Einige bemängeln, dass die Scooter häufig nicht nur von einer, sondern gleich von mehreren Personen benutzt werden. Die Polizei ahndete laut Stadt vor allem solche Verstöße. „Eine ernstzunehmende Problematik stellte dabei die missbräuchliche Nutzung von E-Scootern in der Fußgängerzone Mittelstraße und auf dem Novè-Mêsto-Platz dar“, berichtet die Verwaltung weiter. Die Politik fordert schärfere Kontrollen. Vor allem in den Abendstunden sollten Ordnungsamt und Polizei in der Innenstadt im Einsatz sein.

Teile der Innenstadt waren eigentlich zu Sperrzonen für E-Scooter erklärt worden, jedoch lässt sich diese Vorgabe zwar technisch, nicht jedoch juristisch umsetzen – denn durch einen elektrischen Eingriff bei der Einfahrt in eine Sperrzone würde das Fahrzeug die Straßenzulassung verlieren. Bislang hat die Polizei übrigens drei Unfälle registriert, zwei Unfallfluchten und einen Alleinunfall mit einer verletzten Person.

Ein vernichtendes Urteil fällt die Verwaltung über den Stellenwert von E-Scootern beim Mobilitätsgeschehen. Die Nutzung der Elektroroller haben „keinerlei Bedeutung“, schreibt die Stadt: „Dazu sind die Fahrtzahlen und die zurückgelegten Distanzen schlicht zu gering.“ In den Erhebungen zum Verkehrsentwicklungsplan sei 2004 festgestellt worden, dass in Hilden pro Person durchschnittlich 3,5 Wege täglich absolviert wurden, also zusammen rund 188 000 Wege pro Tag. „Zwischen 60 und 80 mit E-Scootern in ganz Hilden zurückgelegte Fahrten pro Tag sind also vernachlässigbar gering.“ Auch wenn die Verwaltung davon ausgeht, dass einige Nutzer den E-Scooter nutzten, um zum Bus oder zur Bahn zu gelangen – „insgesamt kann aber nicht von einer Bedeutung im verkehrsplanerischen Sinne gesprochen werden, denn dazu sind auch Start- und Ziel-Orte in Hilden zu divers.“

Verbieten kann die Verwaltung die E-Scooter übrigens nicht. Im Juni 2020 hatte der Bund eine sogenannte Elektrokleinstfahrzeugeverordnung veröffentlicht, die eine Nutzung der Scooter ermöglicht. Die Stadt strebt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Anbieter an, die darin die gemeinsam vereinbarten Regeln anerkennen.

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