Verkehr

Schwebebahn: 400 Räder sollen leiser werden

Damit die Schwebebahn bald wieder fahren kann, bereitet Dreher Detlef Schuhmacher den Achsenträger, an dem die Räder befestigt sind, für die Drehmaschine vor. Fotos: A. Fische/ WSW
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Damit die Schwebebahn bald wieder fahren kann, bereitet Dreher Detlef Schuhmacher den Achsenträger, an dem die Räder befestigt sind, für die Drehmaschine vor.

Die Wuppertaler Stadtwerke haben die Werkstatt mit einer neuen Drehmaschine technisch aufgerüstet.

Von Hannah Florian

Wuppertal. Um die Räder der Schwebebahn künftig vor Ort mit verändertem und somit deutlich leiser laufendem Radprofil ausstatten zu können, haben die Wuppertaler Stadtwerke jetzt eine neue Drehmaschine angeschafft und in der Schwebebahnwerkstatt in Vohwinkel installiert.

Am 12. August 2020 musste die Schwebebahn wegen unerwartet hoher Abnutzung der Räder und dem dadurch gestiegenen Lärmpegel den Regelbetrieb einstellen. Seitdem ist sie nur noch an Wochenenden mit Fahrgästen auf der Strecke unterwegs. Testfahrten im Rahmen der Ursachenforschung zeigten, dass die Bahnen mit verändertem Radprofil deutlich leiser fuhren – ein neues Radprofil musste her.

Angefertigt und angeliefert wurden die Schwebebahnräder mit veränderten Profil bisher von einer externen Firma. Jetzt haben die WSW eine Drehmaschine angeschafft, um das Profil vor Ort in der Schwebebahnwerkstatt selbst nachbearbeiten zu können. „Damit sind wir in der Radbearbeitung jetzt so aufgestellt, dass wir auch kurzfristig reagieren können“, erklärt Elmar Thyen, Leiter der WSW-Kommunikation.

Zwei Räder gleichzeitig erhalten in der Maschine ein neues Profil

Im östlichsten Teil der Halle hat die spezielle Drehmaschine mit Ausmaßen eines Überseecontainers ihren Platz gefunden. Insgesamt eine halbe Millionen Euro hat sie gekostet. Angefertigt wurde das Unikat von der Velberter Firma mmb. Im Gegensatz zur alten Drehmaschine, die auf Schablonen-Basis arbeitete, läuft die neue komplett computergesteuert.

Die Räder der Schwebebahn werden zum Abdrehen, also zur Bearbeitung in der Maschine, am Achsenträger belassen, sodass jeweils zwei Räder gleichzeitig in der Drehmaschine geschliffen werden können. Pro Umdrehung in der Drehmaschine werden 0,6 Millimeter Material abgetragen, insgesamt durchläuft ein Rad circa 80 Umdrehungen und braucht dafür je nach Verschleiß und Profilanforderung eine bis anderthalb Stunden. „Die Maschine arbeitet auf ein tausendstel Millimeter genau“, betont WSW-Sprecher Elmar Thyen.

Ein Achsenträger mit Rädern wiegt an die 860 Kilogramm. Mit Hilfe eines Krans wird er in die Drehmaschine gehoben, durch zwei Fenster in der zimmergroßen Maschine lässt sich der Abdreh-Vorgang beobachten. „Die neue Drehmaschine bedeutet eine Arbeitsersparnis von über 50 Prozent“, freut sich Dreher Achim Becker. Schließlich habe die alte Maschine nur zwei Räder am Tag geschafft, die neue bearbeite mindestens vier, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Räder, im Gegensatz zu früher, nicht vom Achsenträger montiert werden müssen. Neben Achim Becker sind noch zwei weitere Dreher in der Schwebebahnwerkstatt beschäftigt. Sie bedienen die neue Drehmaschine und sind dafür zuständig, insgesamt 400 Räder mit dem neuen Profil auszustatten.

„Alle Räder mit atypischem Verschleiß werden abgedreht, zudem alle neuen Räder, die von der Firma Bochumer Verein Verkehrstechnik mit dem ursprünglichen Radprofil angeliefert werden“, erklärt Elmar Thyen.

Mit dem neuen Radprofil komme die Schwebebahn laut Thyen an eine Laufleistung von 40 000 Kilometern heran. „Das soll aber noch mehr werden.“ Mit einer Reihe von Maßnahmen wird in der Schwebebahnwerkstatt in Vohwinkel daran gearbeitet, die Laufleistung der Schwebebahn zu erhöhen. Darunter fällt auch das neu entwickelte Schmiersystem, das anstatt mit Düsen mit zwei Pinseln für eine gleichmäßige Fettung der Räder sorgt.

Obwohl die Schwebebahn mittlerweile deutlich leiser auf der Strecke läuft, ist das neue Radprofil noch nicht finalisiert. „Wir optimieren noch, und zwar mit Hilfe von DB Systemtechnik und Siemens“, erläutert Thyen. Er vergleicht den Optimierungs-Vorgang mit dem Test neu entwickelter Autoreifen, deren Haftung und Abnutzung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bedingungen auf der Strecke erprobt werden müssen, bevor sie in den Verkauf gehen.

Zeitplan

Als nächstes stehen in der Schwebebahnwerkstatt die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und die weitere technische Optimierung der Werkstatt auf dem Plan. Im März erwarten die WSW finale Erkenntnisse aus der Untersuchung des neuen Radprofils. Ansonsten gehe es derzeit „nur noch darum, alle Hausaufgaben zu erledigen, um pünktlich im August betriebsbereit zu sein“, so Thyen.

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