Schwebebahn-Fanseite steht vor dem Aus

Mike Brüggemann will seine Facebook-Seite zur Schwebebahn löschen. Foto: Gerhard Bartsch
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Mike Brüggemann will seine Facebook-Seite zur Schwebebahn löschen. Foto: Gerhard Bartsch

Mike Brüggemann ist die ewigen Pannen des Wuppertaler Wahrzeichens leid

Von Sebastian Appianing

Wuppertal Mike Brüggemann betreibt auf Facebook die Fanseite „Wuppertal und die Schwebebahn“. Mehr als 20 000 Menschen lesen und kommentieren dort seine Beiträge. Nun will Brüggemann das Thema begraben und die Seite löschen. Er sei „müde“, sagt Brüggemann. Außerdem wirkt er auch ein wenig resigniert: „Ich habe zehn Jahre lang gewarnt, dass genau das geschieht. Ich habe zehn Jahre lang bis ins kleinste Detail erklärt, was anders laufen müsste. Ich habe bei meiner Teilnahme an einer Testfahrt 2016 gesagt, dieses Fahrzeug kann man nicht abnehmen.“

Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) sehen Brüggemann „als einen der größten Experten im Bereich der Schwebebahn. Es ist beeindruckend, über welches Wissen Herr Brüggemann als Nicht-Ingenieur verfügt“, sagt Elmar Thyen, Leiter der WSW-Konzernkommunikation.

Brüggemann hat seine Fanseite 2010 zunächst als Diskussions-Seite rund um die Themen Döppersberg und Stuttgart 21 geschaffen. Die Beiträge mit der Schwebebahn wurden jedoch immer beliebter, so dass 2011 dann eine eigene Seite online ging. Brüggemann selbst hätte „nie mit einer solchen Resonanz gerechnet“. Er moniert, dass es keine offizielle Seite der Stadt Wuppertal in den Sozialen Medien gibt.

Die WSW reagieren mit Bedauern auf die Nachricht, dass Brüggemann seine Seite abschalten wolle. „Es ginge eine umfangreiche und detaillierte Sammlung technischer Details zur Schwebebahnhistorie verloren, die für viele Menschen interessant ist. Dann sollte man sich dazu austauschen, wie diese Sammlung zum Beispiel über die Internetseite zur Schwebebahn weiter genutzt werden könnte“, sagt Thyen.

Wer sich die Beiträge von Brüggemann genauer durchliest, merkt schnell, dass der 34-Jährige über ein großes Fachwissen verfügt. Der Schluss liegt nahe, dass er ein Angestellter der WSW sein könnte – doch weit gefehlt. Brüggemann arbeitet als Shop-leiter für die Erlebnis-Agentur Jochen Schweizer.

Stadtwerke hoffen auf Erhalt der Sammlung

Brüggemann hat seine Liebe zur Schwebebahn schon als Kind entdeckt. „Die genauen technischen Unterschiede der einzelnen Baureihen konnte ich schon als Kind benennen. Folgerichtig folgte mein erstes Praktikum in der neunten Klasse in der Schwebebahn-Werkstatt und ich saß mit 15 auf dem Dach eines GTW 72 während der Hauptuntersuchung, was aus Sicherheitsgründen nicht selbstverständlich war. Auch wenn ich später Kaufmann wurde, ist diese Erfahrung bis heute bereichernd. Eine Schwebebahn besteht aus Stahl, Aluminium, Dreck, spröden Gummidichtungen und Spinnen. So einen realistischen Blick auf das Wahrzeichen bekommt man nur in der Werkstatt.“ Aus der Liebe wurde im Laufe der Zeit eine Leidenschaft.

Mike Brüggemann hat sich sein Wissen selbst angeeignet. „Ich habe eine Festplatte mit historischen Fakten zur Schwebebahn – von 1894 bis heute.“ Natürlich hat Brüggemann auch interne Quellen bei den WSW, die ihm schon mal eine Information weiterleiten.

Expertenratschläge treffen nicht immer auf Gehör

Wenn ihm jemand mitteilt, dass „aus unerklärlichen Ursachen wieder irgendein Bauteil am GTW 14 den Geist aufgegeben hat“, ist diese Information laut Brüggemann „alleine gesehen nichts Besonderes. Der Abgleich mit dem Wissen aus 120 Jahren und daraus ableitend oftmals bereits Erklärungen zu haben, bevor die WSW überhaupt angefangen haben, die Probleme zu erforschen, ergibt interessante Beiträge“.

Ein wenig Stolz schwingt mit, wenn Brüggemann über seine Beiträge berichtet. „Am Tag, als im November 2018 die Stromschiene herunterfiel, schrieb ich, man sollte die Kunststoff-Klammern entweder mit Metall verstärken oder gleich wieder zu Porzellan wechseln. Die Reaktion der WSW war, das sei Unsinn, es habe nichts mit dem Material zu tun, der hoch entwickelte Kunststoff brauche keine Verstärkung. Ein paar Monate später war die Lösung genau das, was ich geschrieben hatte, eine Verstärkung der Klammern mit Metall.“

Laut Brüggemann gibt es für die aktuellen Probleme sogar eine Lösung. „Die WSW haben einen eingelagerten GTW 72 mit neuen Radreifen für 200 000 Kilometer. Ein GTW 72-Nachbau aus Stahl oder aber eine Sanierung der Wagenkästen wären Mittel der Wahl.

Dem widerspricht Elmar Thyen von den WSW jedoch deutlich: „Es wird keine Rückkehr zur GTW 72 geben.“ Man könne zwar bestimmte Designs übernehmen. Eine Neukonstruktion mit den heutigen Standards würde jedoch Jahre dauern. „Auch die Reaktivierung oder Umrüstung ist wirtschaftlich nicht realisierbar“, so Thyen.

Wann genau er seine Fanpage auf Facebook löschen wird, ließ Brüggemann vorerst noch offen. Vielleicht überlegt er es sich ja doch anders – und kommentiert das Schwebebahngeschehen einfach weiter.

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