Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40 000 Euro

Auf diesem Parkplatz kam es Montag zur Übergabe. Der Betrüger verschwand über die Treppen. Foto: Doro Siewert
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Auf diesem Parkplatz kam es Montag zur Übergabe. Der Betrüger verschwand über die Treppen.

Remscheiderin niederträchtig reingelegt

Von Axel Richter

Remscheid Ihr Sohn habe eine Frau getötet. Zahle sie keine Kaution, müsse er ins Gefängnis. Auf diese niederträchtige Betrugsmasche fiel am Montagabend eine 87-jährige Remscheiderin herein. Auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes an der Freiheitstraße übergab sie einem unbekannten Mann Bargeld und Schmuck im Gesamtwert von annähernd 40 000 Euro.

Zu einem ähnlich gelagerten sogenannten Schockanruf war es zuletzt Ende September in Solingen gekommen. Dort hatten Betrüger einem Seniorenpaar (82 und 87 Jahre) aufgetischt, ihre Tochter habe eine Schwangere überfahren. Um sie auszulösen, solle das Paar Geld bezahlen. Die Senioren ließen sich derart verunsichern, dass sie in die Kölner Innenstadt fuhren und einer Frau hochwertigen Silber- und Goldschmuck aushändigten.

Ob es sich in beiden Fällen um die gleichen Täter handelt oder ob die Betrüger nur der gleichen Masche bedienen, kann die Polizei nicht sagen. „Fakt ist, dass nach wie vor viele alte Menschen zu Opfern werden“, sagt Alexander Kresta, Sprecher des Wuppertaler Präsidiums.

In Remscheid nimmt der Fall am Montagnachmittag seinen Anfang. Mehrmals klingelt bei der 87-Jährigen das Telefon. Die Anrufer geben an, von der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu sein, und präsentieren der Frau eine perfide Lügengeschichte. Ihr Sohn habe bei einem Autounfall eine Frau getötet. Nun müsse Bargeld bei der Staatsanwaltschaft hinterlegt werden. Anderenfalls bleibe der Sohn in Haft.

Die Seniorin fährt daraufhin zu drei Banken und hebt mehrere Zehntausend Euro ab. Zudem sucht sie daheim weiteres Bargeld und Schmuck zusammen. Am Telefon nennen die Betrüger Ort und Zeit der Übergabe. Gegen 19 Uhr trifft die Remscheiderin auf dem Parkplatz des Naturguts an der Freiheitstraße einen 30 bis 35 Jahre alten, korpulenten Mann und händigt ihm alles aus. Der Unbekannte macht sich daraufhin über Treppen in Richtung Palmstraße davon.

Nur Betrüger sagen: „Rate doch mal, wer dran ist“

Schließlich kommen der 87-Jährigen Zweifel. Sie ruft die Polizei. Den Täter beschreibt sie als circa 1,70 Meter groß mit braunem Haar und einem rundlichen, freundlichen Gesicht. Er trug eine beige Schirmmütze, einen dunklen Pullover, eine dunkle Hose und eine dunkelrote Steppjacke.

Die Polizei gibt zum wiederholten Mal älteren Menschen folgende Tipps: Bei einem Anruf der echten Polizei erscheint niemals die 110 im Display. Die Worte „Rate mal, wer dran ist“ deuten auf den Enkeltrick hin. Die echte Polizei fragt nicht nach Geld oder Wertsachen, nach dem Kontostand, Bankkarten, Passwörtern und Pins. Und: Sie lässt sich niemals auf Parkplätzen von Lebensmittelmärkten Bargeld oder gar Schmuck überreichen.

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