4400 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden

Schaeffler-Werk Wuppertal steht auf der Streichliste

Die Schaeffler AG schließt eine Schließung des Standortes Wuppertal nicht mehr aus. 600 Arbeitsplätze würden wegfallen. Foto: Daniel Karmann/dpa
+
Die Schaeffler AG schließt eine Schließung des Standortes Wuppertal nicht mehr aus. 600 Arbeitsplätze würden wegfallen.

Konzern will in Deutschland und Europa 4400 Arbeitsplätze abbauen – Harsche Reaktionen von Politik und Gewerkschaften.

Wuppertal. Einen Nettoabbau von rund 4400 Stellen in Deutschland und Europa hat die Schaeffler Gruppe mit Sitz in Herzogenaurach angekündigt. Dass dabei das Werk in Wuppertal mit rund 600 Arbeitsplätzen geschlossen werden könnte, schließt die Schaeffler Gruppe nicht aus: „Vom Kapazitätsabbau und der Konsolidierung sind neben den Großstandorten Herzogenaurach, Bühl, Schweinfurt, Höchstadt und Homburg vor allem Standorte mit einem technologisch auslaufenden Produktportfolio oder kleinteiligen Werksstrukturen betroffen.“

Im Hinblick auf den Standort Wuppertal sei nach mehrjähriger Prüfung eine Standortschließung nicht auszuschließen. Gleichwohl solle versucht werden, im Zuge einer Teilverlagerung der Produktion so viele Arbeitsplätze wie möglich in Deutschland zu erhalten.

„Wir sind hier einen verantwortungsvolleren Umgang mit Mitarbeitern gewohnt.“

Wuppertals OB zu Schaeffler

Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke führte vor wenigen Tagen ein Gespräch mit einem Vertreter der Schaeffler-Gruppe. „Ich bin stinksauer, dass Schaeffler hier mal eben Leute mit kalter Schulter entlässt, zumal es nicht das erste Mal ist“, sagte Andreas Mucke. Gleichzeitig mit der Stadt seien die Mitarbeiter informiert worden, das sei kein Vorgehen. Der Repräsentant von Schaeffler habe das Unternehmen als Familienbetrieb bezeichnet. Mucke: „Wir sind im Bergischen Land einen verantwortungsvolleren Umgang mit Mitarbeitern gewohnt.“

Die Stadtverwaltung habe Schaeffler unter anderem in der Vergangenheit geholfen, leere Hallen zu vermarkten. Da erwarte er, dass die Stadt über Vorhaben vorher informiert werde, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Er werde das Gespräch mit dem Betriebsrat suchen und Hilfe anbieten. „Kampflos gebe ich das nicht auf“, so Mucke. Mit der Krise im Automotive-Bereich lasse sich diese Entscheidung allein nicht begründen.

In dem Werk an der Mettmanner Straße, früher Kugelfischer, waren bereits 2013, 2016 und 2019 Arbeitsplätze abgebaut worden. Von 1500 hat sich die Mitarbeiterzahl mehr als halbiert. Die Geschäftsführung von FAG Schaeffler begründete 2013 den Abbau von 500 Jobs mit der Flaute beim Bau von Windkraftanlagen. 178 Arbeitsplätze gingen 2016 wegen einer Verlagerung nach Rumänien verloren. Übel aufgestoßen war damals in Wuppertal, wie der Personalausbau vollzogen wurde. Die betriebsbedingten Kündigungen waren zwar im April 2016 in einer Betriebsversammlung angekündigt worden, aber es war bis zum Tag der Entlassung im Mai offenbar unklar, welchen Mitarbeiter es erwischen würde. Den Freigestellten soll nach der Mitteilung der Kündigung gerade noch die Zeit gelassen worden sein, ihren Spind auszuräumen. Im großen Schaeffler-Imperium ist der Standort Wuppertal nur ein kleines Zahnrad. Von den Stellenkürzungen sind zwölf Standorte betroffen.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Wuppertal, DGB-Chef Guido Grüning, von einem schweren Schlag für die Beschäftigten und die Stadt, sollte es zu einer Schließung des Standortes kommen. „Es drängt sich der Gedanke auf, dass die aktuelle Situation missbraucht wird, Lösungen zu Lasten der Beschäftigten zu suchen, anstatt den Transformationsprozess des Unternehmens gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten.“

Politik: Schließung lange geplant – Corona als Deckmäntelchen

Der DGB sehe im Zuge einer solchen Schließung auch andere Unternehmen in der Stadt gefährdet. Denn die Beschäftigten kauften in der Stadt ein, finanzierten Immobilien, ließen Geld in Gastronomie, Theater und Kino. Als Gewerkschaft erwarte man, dass Schaeffler unmittelbar Gespräche aufnimmt mit dem Ziel, den Standort zu sichern.

„So nicht! Die mögliche Schließung des Schaeffler-Werkes in Wuppertal ist inakzeptabel“, kritisieren die SPD-Landtagsabgeordneten Dietmar Bell, Andreas Bialas und Josef Neumann. „Die Managementfehler der letzten Jahre sollen nun auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden.“ Es müsse alles unternommen werden, um den Standort Wuppertal zu retten.

Der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) übt scharfe Kritik. Die Schließung sei durch Kürzungen der vergangenen Jahre von langer Hand geplant gewesen. Die Geschäftsführung des Konzerns habe den Standort am langen Arm verhungern lassen. Die Corona-Krise werde genutzt, um den Plänen eine Scheinlegitimation zu geben. Lindh: „Das Vorgehen des Managements ist indiskutabel, zynisch und spricht die kalte Sprache des Neoliberalismus.“ Gemeinsam mit IG Metall und Betriebsrat „werden wir um jeden Arbeitsplatz kämpfen“.

Manfred Todtenhausen, FDP-Bundestagsabgeordneter, plädiert für einen Zukunftsdialog aller Verantwortlichen und Beteiligten. Es dürfe keine Schockstarre geben. „Es geht um den Standort Wuppertal, es geht um Perspektiven für die Beschäftigten und unsere Bergische Region.“ Todtenhausen sagt, er habe in einem Gespräch mit dem Schaeffler-Hauptstadtrepräsentanten um weiterführende Infos gebeten. „Es darf nicht sein, hochwertige Arbeitsplätze abzubauen und den Standort einfach dicht zu machen. Schaeffler bleibt in der unternehmerischen Verantwortung.“

Klaus Lüdemann (Grüne) machte sich vor Ort ein Bild. Neben den 600 Arbeitsplätzen in der Produktion würden weitere in den Dienstleistungsbereichen wie der Kantine wegfallen. Alle Angaben von Schaeffler blieben aber vage. -ab-

Schaeffler in Wuppertal

FAG Schaeffler stellt in Wuppertal Kugellager für Windkraftanlagen her. Auch in den neuen Wagen der Schwebebahnen kommen Bauteile des Unternehmens zum Einsatz, die in Wuppertal gefertigt werden. So liefert Schaeffler einreihige Zylinderrollenlager und zweireihige Kegelrollenlager für das Herzstück der Schwebebahn: das Drehgestell mit integriertem Antrieb, das die Verbindung zwischen Kabine und Fahrschiene darstellt. Die Firma schreibt von Transformation und gestärkter Wettbewerbsfähigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Wuppertal hat einen neuen Oberbürgermeister
Wuppertal hat einen neuen Oberbürgermeister
Wuppertal hat einen neuen Oberbürgermeister
Fahrradfahren mit Wasserstoffantrieb
Fahrradfahren mit Wasserstoffantrieb
Fahrradfahren mit Wasserstoffantrieb
A1: Nächste Sperrung steht an
A1: Nächste Sperrung steht an
A1: Nächste Sperrung steht an
Ärztin hat Zweifel am richtigen Umgang mit der Virus-Krise
Ärztin hat Zweifel am richtigen Umgang mit der Virus-Krise
Ärztin hat Zweifel am richtigen Umgang mit der Virus-Krise

Kommentare