Eier von aussterbenden Hühnerrassen

In Sprockhövel gibt es jetzt Hühner auf Leihbasis

Grundschullehrerin Stella Beule-Strackbein vermietet Hühner inklusive Futter und mobilem Stall. Foto: Anna Schwartz
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Grundschullehrerin Stella Beule-Strackbein vermietet Hühner inklusive Futter und mobilem Stall.

Stella Beule-Strackbein vermietet Westfälische Totleger an Kindergärten, Pflegeheime und Privatpersonen

Von Christian Lukas

Sprockhövel. Da gackern die Hühner. Und einige von ihnen legen sogar bläuliche oder grünliche Eier. Kein Scherz. Stella Beule-Strackbein gibt Rassen, von denen kaum ein Kind je gehört hat, ein Zuhause auf der Wuppertaler Straße in Sprockhövel-Schee, wo Westfälische Totleger und Ostfriesische Möwen friedlich ihre Tage verbringen. „Beides sind Hühnerrassen, die vom Aussterben bedroht sind“, erzählt Beule-Strackbein.

Durch ihr Engagement im Tierschutzverein Stark für Tiere wurde die Grundschullehrerin darauf aufmerksam, dass viele Hühnerrassen vom Aussterben bedroht sind. „Was man an Eiern im Supermarkt findet, stammt von so genannten Hybriden“, sagt sie und meint Rassen, die auf Legeleistung getrimmt worden sind.

Westfälische Totleger-Henne legt bis zu 180 Eier im Jahr

Die Westfälische Totleger-Henne verdankt ihren Namen zwar der Tatsache, bis zu 180 Eier im Jahr legen zu können (sie hat sich „tot gelegt“), aber sie braucht Platz, Auslauf und auch mal ihre Ruhe. Was sie für die industrielle Landwirtschaft uninteressant macht. Dabei ist dieser Totleger ein Hingucker mit goldig glänzendem Kopf und seinem Federkleid. Friedlich leben die verschiedenen Rassen auf Beule-Strackbeins altem Hof in einem auch zum Himmel hin eingezäunten Areal. Am Boden lauert sonst der Fuchs, am Himmel dreht der Habicht seine Runden.

Beides sind Hühnerrassen, die vom Aussterben bedroht sind.

Stella Beule-Strackbein über Totleger und Ostfriesische Möwen

Tagsüber allerdings folgen die Hühner Beule-Strackbein, die sich derzeit im Mutterschaftsurlaub befindet, auf eine große Wiese. Ein einfaches „Putput“, und die Tiere folgen der gebürtigen Wuppertalerin auf die freie Fläche. Da picken dann französische Marans, die dunkelbraune Eier legen und in ihrer aufrechten Haltung den Stolz der Grande Nation verkörpern, direkt neben den stets zerzaust wirkenden schwarzen Seidenhühnern. Seidenhühner, die eigentlich aus China stammen, gibt es seit 1793 in Westfalen.

Berta, das Kuschelhuhn, hat seinen festen Platz bei Stella Beule-Strackbein

Da Hühner anhänglich und dem Menschen zugetan sind, ist Beule-Strackbein auf die Idee gekommen, in Zukunft Hühner auch zu vermieten. „Hühnerliebe-Leih“ nennt sie ihr kleines Projekt. Die Idee kam ihr, als sie an einer Brennpunkt-Schule unterrichtet hat und eines Tages Hühner mit in den Unterricht nahm. Die Kinder waren begeistert, aufmerksam, vor allem aber: Viele hatten noch nie ein echtes Huhn gesehen. „Das ist die Krux: Viele Kinder besuchen eher einen Zoo, in dem sie dann Elefanten und Giraffen sehen, als dass sie in der Nachbarschaft tatsächlich einmal einen Hahn in Aktion erleben.“

Warum das Huhn nicht in ein Schulprojekt schicken? Oder als Gäste in eine Senioreneinrichtung? Überhaupt erleben Hühner ein Comeback als Haustiere. Vor einer endgültigen Anschaffung könnte man sich also erst einmal ein paar Hühner – leihen? Die Idee ist nicht auf ihrem Hühneracker gewachsen, es gibt, man höre und staune, feste Regeln der Veterinärämter bezüglich des Verleihens. Daher hat das Veterinäramt Beule-Strackbeins Vorhaben auf Herz und Federn begutachtet, bevor es grünes Licht gab. Ein Huhn hat seinen festen Platz an der Wuppertaler Straße: Berta, das Kuschelhuhn.

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